Rheumatoide Arthritis - frühzeitig und konsequent behandeln!

Praxiszentrum Rheumatologie St. Bonifatius
Prof. Dr.med.Klaus Krüger
Leiter des Praxiszentrums
Internistische Rheumatologie
St.Bonifatius Str. 5
81541 München
Tel.: 089 / 620 012 97
Fax: 089 / 69 142 30
E-Mail: Klaus.krueger@med.uni-muenchen.de


Schwerpunkte

•    Rheumatoide Arthritis
•    Morbus Bechterew
•    Psoriasis Arthritis
•    Sjögren-Syndrom und weitere Kollagenosen

•    Diagnostik
•    Medikamentöse Therapie
NSAR, Coxibe
Corticoide
Basistherapeutika (DMARD), z. B. Cyclosporin, Methotrexat
Biologika (TNF-alpha-Hemmstoffe)

PROTOKOLL

25.06.2007

Rheumatoide Arthritis - frühzeitig und konsequent behandeln!

Jegust : Ich habe immer schubweise ziemlich starke Gelenkschmerzen. Meine Frage: Kann das Rheuma sein? Ab wann nennt man Gelenkschmerzen Rheuma?

PROF. KRÜGER : Rheuma ist zunächst einmal allgemein gesagt ein übergeordneter Begriff, der eigentlich alles beinhaltet, was Schmerzen am Bewegungsapparat verursacht. Damit ist noch nichts über eine bestimmte Diagnose gesagt. In Ihrem Falle bestehen schubweise starke Schmerzen in den Gelenken, das kann die verschiedensten Ursachen haben. So können zeitweise starke Gelenkschmerzen als Begleitbefund von Infektionen auftreten. In einem kleinen Teil der Fälle kann es sich aber auch um den frühesten Befund einer dezidierten rheumatischen Erkrankung, z. B. einer chronisch Polyarthritis handeln.

Schehle : Es gibt so viele unterschiedliche Begriffe die mich verwirren. Was ist der Unterschied zwischen rheumatoider Arthritis und Polyarthritis?

PROF. KRÜGER : Der weltweit verwendete Begriff für den klassischen Gelenkrheumatismus ist rheumatoide Arthritis, in Deutschland hat man früher dazu chronische Polyarthritis gesagt. Es handelt sich also bei den beiden von Ihnen genannten Begriffen um dieselbe Erkrankung.

anonym : Meine Mutter und Oma hatten Rheuma. Wie hoch ist der Vererbungsfaktor?

PROF. KRÜGER : Hier wäre zunächst einmal zu klären, um welche Art von Rheuma es sich bei Ihrer Mutter und Oma gehandelt hat, denn Rheuma beinhaltet einen ganzen Formenkreis von Erkrankungen. Hierunter gibt es auch eine Reihe von Krankheiten, bei denen die Vererbung eine wichtige Rolle spielt, z. B. die rheumatoide Arthritis oder der Morbus Bechterew. Aber die Vererbung ist immer nur teilweise für die Krankheitsentstehung verantwortlich, das heißt, es müssen noch weitere Faktoren von außen hinzukommen. Es ist also nicht unbedingt zu erwarten, dass Sie selbst eine rheumatische Erkrankung bekommen, wenn dergleichen in der Verwandtschaft aufgetreten ist.

Josl : Ich habe zwei Zehen – jeweils nächster Zeh zum großen Zeh – die sich leicht krümmen. Das tut gelegentlich weh, aber nicht immer. Ist das evtl. eine rheumatische Gelenkveränderung?

PROF. KRÜGER : In Ihrem Fall ist nicht ganz einfach zu sagen, wo die Ursache liegt, da ich ja die Zehen nicht sehe. Insgesamt ist aber wahrscheinlicher, dass es sich um Fehlstellungen ohne rheumatischen Hintergrund handelt, z. B. so genannte Hammerzehen, die sich auch ohne Grunderkrankung entwickeln können.

Honold : Warum ist eine frühe Behandlung bei Gelenkschmerzen so wichtig ist. Grundsätzlich leuchtet mir das ein, andererseits möchte ich so lange wie möglich vermeiden, schwere Medikamente zu nehmen. Was zählt mehr?

PROF. KRÜGER : Die Aussage, dass eine frühe Behandlung wichtig ist, gilt für bestimmte rheumatische Erkrankungen wie z. B. die rheumatoide Arthritis, die einen rasch fortschreitenden Charakter besitzen und zu Zerstörungen neigen. Hier spielt also der Zeitfaktor eine wichtige Rolle. Bei reinen Gelenkschmerzen muss eine solche Erkrankung noch nicht die Ursache sein, hier steht zunächst die gründliche Diagnostik im Vordergrund. Dennoch kann man die Schmerzen symptomatisch mit schmerzlindernden Medikamenten behandeln.

Schütze : Seit 2 Monaten nehme ich Immunosporin gegen mein Gelenkrheuma. Die Schmerzen sind weg, die Beweglichkeit uneingeschränkt. Das ist alles richtig gut. Schade finde ich, dass ich die Sonne meiden soll. Meine Freunde sitzen an den Wochenenden am Rheinufer und grillen. Ich meide solche Situation oder schleppe einen Sonnenschirm mit herum. Ist lästig jetzt im Sommer. Kann man da auf ein anderes Medikament umstellen, wo diese Einschränkung nicht besteht?

PROF. KRÜGER : Ich würde sicherlich bei einer guten Wirkung und Einstellung der Erkrankung eher mit der Sonne vorsichtig sein, als das Medikament zu wechseln, dies um so mehr, als ein neues Medikament wieder eine Anlaufzeit bis zum Wirkbeginn und möglicherweise neue Nebenwirkungen hat. In Ihrem Fall würde ich ein Sonnenschutzmittel mit hohem Schutzfaktor benutzen, dann kann man auch durchaus in die Sonne gehen, wenn auch nicht stundenlange Sonnenbäder nehmen.

Lilo : Kann man die Zerstörung in den Gelenken anhalten?

PROF. KRÜGER : Zu Lilo: Die Behandlung von zerstörerischen Krankheiten wie der rheumatoiden Arthritis hat in der Tat in den letzten 10 Jahren dramatische Fortschritte gemacht, so dass unser Therapieziel bei frisch entdeckter Erkrankung heute die komplette Verhinderung von Zerstörungen ist. Ist die Erkrankung schon etwas fortgeschritten, so kann man zumindest bei gut laufender Therapie einen Stillstand erreichen.

Crazysteff : Als Kind habe ich viel Schlagball gespielt. Da muss man einen kleinen harten Ball fangen. Dadurch habe ich mir mehrere Gelenkkapselrisse zugezogen, die zu einem leicht verdickten Gelenk am Ringfinger geführt haben. Ich habe das Gefühl, dass dieses Gelenk sich verändert. Ist es durch die Vorverletzungen gefährdet für Rheuma?

PROF. KRÜGER : In der Tat können häufige Verletzungen in einem Gelenk zu einer beschleunigten Abnutzung führen, weil sie eine gewisse Instabilität des Gelenkes hervorrufen. In Ihrem Fall könnte dementsprechend im betroffenen Gelenk eine vorzeitige Arthrose in Entwicklung sein. Entzündlich rheumatische Erkrankungen, wie die rheumatoide Arthritis, werden aber durch diese Vorgeschichte nicht begünstigt.

Olli : Nach zwei Jahren “Meniskusproblemen als Folge von Fußballâ€? heißt jetzt das Problem Rheuma - mit 24 Jahren. Glauben kann ich das nicht und ernst nehmen schon gar nicht aber beunruhigen tut es mich schon. Deshalb hier die Frage, ob Prof. Krüger so was schon mal gehört hat?

PROF. KRÜGER : In Ihrem Fall könnte ebenfalls bei mehreren Kniegelenksverletzungen durch das Fußballspielen eine vorzeitige Arthrose auftreten, Meniskuseinrisse sollten das aber nicht so frühzeitig hervorrufen. Es wäre daher, wenn Sie wirklich unter einer Arthritis leiden, eher zu klären, ob nicht in Wirklichkeit eine andere Diagnose vorliegt und diese Meniskuseinrisse nur ein zusätzlich entdeckter zusätzlicher Befund sind.

Frontzek : Was bewirken Medikamente, wenn Fingergelenken entzündet sind? Entzündung unterbinden, Verschlechterung stoppen das ist klar, aber gibt es auch Medikamente die weitergehen und zu Heilung führen?

PROF. KRÜGER : Es gibt verschiedene Arten von Medikamenten mit verschiedenen Aufgaben. Zum einen Entzündungshemmer, die Schmerz- und Entzündung unterbinden, zum anderen Medikamente, die gegen die Krankheit selbst vorgehen und einen kompletten Stillstand bewirken sollen. Damit ist das Ziel erreicht, dass der Patient nichts mehr von seiner Erkrankung merkt, eine Heilung im eigentlichen Sinne ist jedoch nur bei einem kleinen Teil der Arthritiden möglich. Bei Krankheiten wie der rheumatoiden Arthritis wird also in den allermeisten Fällen die Beschwerdefreiheit und der Stillstand mit einer Langzeiteinnahme der Medikamente erkauft.

anonym : Ist Ciclosporin geeignet für eine Basisbehandlung? Merkwürdig! Kommt doch aus der Ecke Transplantation oder?

PROF. KRÜGER : Wie viele andere Medikamente hat auch Ciclosporin einen breiteren Einsatzbereich, da es an einer bestimmten Stelle (T-Lymphozyten) in den immunologischen Ablauf eingreift. Hier gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Vermeidung von Abstoßungsreaktionen in der Transplantation und dem Ablauf rheumatischer Erkrankungen wie z. B. der rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasis-Arthritis. Deshalb auch der Einsatz in beiden Gebieten.

Gernot : Gibt es so eine Art Check-Liste (Zuverlässigkeit?) für Rheuma-Anzeichen?

PROF. KRÜGER : Hier ist erneut zunächst darauf hinzuweisen, dass unter "Rheuma" ganz unterschiedliche Erkrankungen verstanden werden. Jede dieser Erkrankungen hat eine eigene Liste von Diagnose-Kriterien. Insofern gibt es keine gemeinsame Checkliste für Rheumaanzeichen. Sie müssen für eine zuverlässige und genaue Diagnostik sich in der Tat beim Spezialisten, am besten beim internistischen Rheumatologen, vorstellen.

Lahmahr : Was genau ist früh bei einer früh einsetzenden Therapie? Bereits bei Diagnosestellung oder einer bestimmten Schwellung?

: PROF. KRÜGER

anonym : Bei mir ist Rheumatoide Arthritis diagnostiziert worden. Wie kann man da sicher sein? Woran wird das fest gemacht an Blutwerten, Beweglichkeit oder Schmerzpunkte?

PROF. KRÜGER : Die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis wird in erster Linie klinisch durch bestimmte Symptome, Befunde und die Art der befallenen Gelenke gestellt (z. B. Morgensteifigkeit, Befall der kleinen Finger- und Handgelenke in symmetrischer Form). Bestimmte Blutbefunde, wie der Rheumafaktor oder der Nachweis von Anti-CCP-Antikörpern, sind für die Diagnose hilfreich. Außerdem kann die Ultraschalluntersuchung des Gelenkes weitere Hilfe leisten. Die Diagnose setzt sich also aus mehreren Mosaiksteinen zusammen.

Aepep : Bisher habe ich CRP in Zusammenhang mit einer beginnenden Gefäßverkalkung in Verbindung gebracht. Jetzt sagte mein Hausarzt der CRP-Wert hätte sich bei mir erhöht und es könnte sein, dass ich jetzt eine Form von Rheuma bekomme. Wie kann man denn einen erhöhten CRP-Wert einer Krankheit zuordnen, also erst die Gefäße und nun soll es Rheuma sein. Wohlgemerkt: Zusätzlich.

PROF. KRÜGER : Das CRP (C-reaktives Protein) ist ein unspezifischer Entzündungsmarker und kann insofern bei allen Erkrankungen erhöht sein, wo Entzündung eine Rolle spielt. Also auch im Rahmen eines akuten Infektes. Eine definitive Diagnose kann man mit Hilfe der CRP-Erhöhung nicht stellen.

ThomasXL : Meine Tochter (8 Jahre) leidet seit 7 Monaten unter einer JIA. Sie bekommt schwere Medikamente. Ich habe jetzt im Internet recherchiert und habe festgestellt, dass es sich ausschließlich um Medikamente für Erwachsene handelt. Gibt es da keine speziellen Zusammenstellungen für Kinder?

PROF. KRÜGER : Spezielle Medikamente für Kinder mit chronischer Arthritis gibt es nicht, das würde auch keinen Sinn machen, weil die gleichen Entstehungsmechanismen für kindliches Rheuma und Rheuma im Erwachsenenalter verantwortlich sind. Insofern werden auch die gleichen Medikamente verwendet, wünschenswert wäre, dass ihre Wirksamkeit und Sicherheit auch speziell bei Kindern getestet wurde, das ist jedoch leider nicht immer der Fall. Tröstlich ist es vielleicht, dass sehr häufig der kindliche Organismus immunsuprimierende Medikamente sogar besser verträgt als Erwachsene.

anonym : Kann sich mein Kniegelenk von einer Rheuma Arthritis auch wieder erholen?

PROF. KRÜGER : Inwieweit sich bestehende Veränderungen rückentwickeln können, hängt vom Stadium der Erkrankung bzw. von der Dauer des Befalls, in diesem Fall am Kniegelenk ab. Eine komplette Erholung hin zum Normalbefund ist nur bei relativ kurzer Krankheitsdauer vorstellbar. Das Behandlungsziel ist heute aber in jedem Fall, zumindest auch am einzelnen Gelenk, das weitere Fortschreiten zu verhindern.

Safira : Womit erreicht man einen gleichmäßigeren medikamentösen Spiegel im Blut durch Tabletten oder „Saft“?

PROF. KRÜGER : Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, es ist ja zunächst einmal zu berücksichtigen, dass vielleicht Medikamente gar nicht in Saftform vorhanden sind. Wenn ein Medikament in beiden Formen verfügbar ist, so wird man bei korrekter Einnahme keine wesentlichen Unterschiede im Wirkspiegel erwarten, der Saft ist lediglich für manche Patienten leichter zu schlucken und deshalb angenehmer. Gerade bei Kindern spielt dies eine besonders große Rolle.

anonym : Ich sitze viel und habe im Sommer angefangen mit leichtem Lauftraining. Seither habe ich Schmerzen im Kniegelenk. Ich war beim Orthopäden, der hat Arthrose festgestellt. In meiner Familie ist aber durch drei Generationen Rheuma. Kann das der Anfang sein?

PROF. KRÜGER : Ohne Angabe des Alters ist es natürlich schwer abzuschätzen, ob diese Diagnose richtig war. Prinzipiell könnte sich eine bis dahin symptomlose Arthrose unter verstärkter Belastung, z. B. Laufen, zum ersten Mal bemerkbar machen. Ob man deswegen gleich mit dem Laufen aufhören sollte, hängt in erster Linie vom Schweregrad der Arthrose ab, bei leichter Arthrose und großer Lauflust würde ich zunächst einen Versuch mit optimalem Schuhwerk und weichem Laufuntergrund machen. Bei fortgeschrittenem Befund allerdings sollte man auf Ausdauersportarten wechseln, wo Körpergewicht und Schwerkraft eine geringere Rolle spielen, z. B. Schwimmen und Radfahren.

Mocca : Ich habe seit Jahren leicht erhöhte Entzündungsparameter. Wo das herkommt ist nicht bekannt. Mal wird es auf einen Zahn geschoben, dann auf eine Erkältung. Ich bin nur aus Neugier in dieser Sprechstunde, aber langsam kommen mir Gedanken, ob bei mir da seit Jahren eine schwelende rheumatische Erkrankung besteht. Kann das sein?

PROF. KRÜGER : Das alleinige Vorhandensein von leicht erhöhten Entzündungsparametern kann unendlich viele Ursachen haben, auf Rheuma würde man bei Fehlen jeglicher Beschwerden im Bewegungsapparat sicher nicht kommen. Es ist auch darauf hinzuweisen, dass bei manchen Menschen die Entzündungsparameter lebenslänglich erhöht sind, ohne dass irgendeine ursächliche Erkrankung zu finden ist. Insofern würde ich mich nicht beunruhigen, solange keine Beschwerden hinzukommen.

anonym : Durch eine Knieoperation vor 30 Jahren habe ich einen Knorpelschaden. Trotzdem mache ich moderates Lauftraining (3 x in der Woche je 3km). Erstaunlicherweise bekommt mir das total gut, auch diesem beschädigten Gelenk. Darf ich das weiter machen, oder habe ich nur eine „Karenzzeit“ bis da ein entzündlicher Prozess eintritt und das Laufen beschleunigt den Prozess?

PROF. KRÜGER : Allgemein würde man in Ihrer Situation nicht unbedingt Lauftraining empfehlen, in Ihrem konkreten Fall, wo Sie das in moderater Form gern und ohne Probleme machen, sehe ich jedoch gute Chancen, dass Sie dieses Training noch länger fortführen können. Es gilt jedoch, sensibel auf das Gelenk zu "hören", wenn nach dem Laufen Schmerzen oder Schwellungen auftreten, dann sind das Warnsignale für eine Verschlechterung. Dann werden Sie sich vermutlich nach sportlichen Alternativen umschauen müssen.

Nautilus : Wie gut oder schlecht funktioniert ein Medikamentenwechsel? Wehrt sich der Körper, kommt ein Schub? Es wäre sehr freundlich von Prof. Krüger dazu etwas zu erfahren.

PROF. KRÜGER : Natürlich spielt es eine Rolle, welches Medikament gewechselt wird. Das Auswechseln von symptomatisch wirksamen Substanzen, die rasch zu wirken beginnen, ist problemlos. Bei einem Wechsel der Basistherapie, z. B. von Methotrexat auf Ciclosporin, muss zwar keine Pause gemacht werden, das neue Medikament hat jedoch wieder eine Anlaufzeit, auch muss neu getestet werden, wie gut die Verträglichkeit ist. Im ungünstigsten Falle könnte in der Anlaufzeit ein Schub auftreten. Das kann man z. B. durch Überlappen der Medikamente vermeiden.

Jo_Severin : Bin immer skeptisch, wenn ein Medikament für viele unterschiedliche Krankheiten eingesetzt wird. Deshalb die Frage, ob es echte Studien gibt (entsprechend Ethikkommission) die belegen dass der Wirkstoff Ciclosporin bei Rheumatischer Arthritis wirklich hilft?

PROF. KRÜGER : Ciclosporin ist für rheumatoide Arthritis mittlerweile in einer Vielzahl kontrollierter Studien untersucht worden. Alle diese Studien haben ausgezeichnete Ergebnisse erbracht, man kann also mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Substanz zu den wirksamsten Basistherapeutika gehört. Dies hat sich im Übrigen auch jenseits der Studien in nunmehr 10 Jahren praktischer Anwendung bestätigt.

Charlotte : Ich habe bereits nach der ersten Akupunktur-Sitzung kaum noch Schmerzen gehabt. Das lässt mich jetzt hoffen, dass ich vielleicht auf diesem Wege meine rheumatische Erkrankung gleich zu Anfang in den Griff bekomme. Andererseits ist Schmerz ja nur der Ausdruck, dass etwas nicht in Ordnung ist. Jetzt bin ich schon ein bisschen unsicher, ob das Richtige tue.

PROF. KRÜGER : Bei tatsächlichen entzündlich rheumatischen Erkrankung, z. B. der rheumatoiden Arthritis, hat sich die Akupunktur in placebokontrollierten Studien als unwirksam, d. h. ohne Einfluss auf die Erkrankung erwiesen. Dennoch könnte Akupunktur für Sie sinnvoll sein, wenn noch Schmerzen anderer Ursache vorliegen. Dennoch könnte Akupunktur für Sie sinnvoll sein, wenn noch Schmerzen anderer Ursache vorliegen. Insofern würde ich die rheumatische Grunderkrankung vom Spezialisten behandeln lassen und Akupunktur dann zusätzlich anwenden, wenn Sie den eindeutigen Eindruck einer Besserung dadurch haben.

Mix_CL : Wie sinnvoll ist eine Radon-Kur bei rheumatoider Arthritis?

PROF. KRÜGER : Bei der rheumatoiden Arthritis spielt Radon für die Therapie keine wesentliche Rolle. Im Unterschied dazu handelt es sich um eine wirksame Therapie beim Morbus Bechterew, einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung. Die allgemeinen Vorteile einer Kur kommen natürlich auch bei der rheumatoiden Arthritis zum Tragen, aber hierzu ist eben kein Kurort mit Radium im Angebot notwendig.

Flemming : Ich finde die sich ständig ändernde Diskussion um Für und Wider von Vitaminen besonders Vitamin E für den Verbraucher ziemlich nervig. Sind künstliche Vitaminen nun schädlich oder hilfreich? Hilft es gegen Rheuma oder nicht?

PROF. KRÜGER : Es ist mittlerweile in mehreren kontrollierten Studien nachgewiesen worden, dass der Effekt von Vitamin E bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen minimal ist und deshalb diese Therapie entbehrlich ist. Vor allem sollte sie nicht anstelle von bekannt wirksamen Therapieprinzipien zum Einsatz kommen. Vitamine sind allerdings auch nicht schädlich, es sei denn, sie werden in Überdosierungen eingesetzt. Dann kann es zu teilweise schweren Nebenerscheinungen kommen.

anonym : Wie hilft mir ein (vom Arzt empfohlener) Calcineurin-Hemmer? Das hat doch irgendwie mit Calcium/Knochen zu tun, aber bei mir geht es um Entzündungen in den Handgelenken. Wo ist der Zusammenhang?

PROF. KRÜGER : Bei Calcineurin-Hemmung handelt es sich um einen intrazellulären Vorgang, der zu immunologischen Folgereaktionen führt. Insofern klingt dieser Name zwar seltsam, aber die ausgelöste Wirkung hat wieder unmittelbar mit der Grundkrankheit, nämlich der Arthritis zu tun. Man sieht an diesem Beispiel, dass der Name in die Irre führen kann.

Jonny : Ich habe von Arava erhöhte Leberwerte bekommen. Bevor ich nun umstelle, möchte ich sicher sein, dass das nicht beim nächsten Medikament wieder passiert. Was empfiehlt der Experte? Ich bin 39 Jahre alt, männlich.

PROF. KRÜGER : Unter Arava treten in der Tat in einem kleinen Teil der Fälle Leberwerterhöhungen auf, wie das auch bei vielen anderen Medikamenten der Fall sein kann. Genau aus diesem Grunde werden regelmäßige Laboruntersuchungen gemacht, hierdurch ist gewährleistet, dass es nicht zu bleibenden Schäden kommt. Wenn diese Leberwerterhöhungen ein bestimmtes Ausmaß überschreiten, dann muss in der Tat die Substanz abgesetzt werden, es kommt dann relativ rasch wieder zu einer Leberwertnormalisierung. Eine neue Basistherapie sollte aber erst nach der Normalisierung begonnen werden, da es sich dabei um eine gänzlich andere Substanz handelt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass es erneut zum Anstieg der Leberwerte kommt.

anonym : Ich bin Neurheumatiker. Eine Reise nach Kenia war bereits im Frühjahr gebucht. Muss ich da bei den Impfungen etwas berücksichtigen? Geht um Gelbfieber, Malaria usw.

PROF. KRÜGER : Die Krankheit an sich spielt für die Durchführbarkeit von Impfungen keine Rolle. Anders verhält es sich bei den eingenommenen Medikamenten, wenn diese das Immunsystem bremsen, dürfen Lebendimpfstoffe nicht mehr angewendet werden. Die meisten üblichen Impfungen bestehen heute aus abgetötetem Vakzin und dürfen deshalb verabreicht werden, z. B. Grippeimpfung, Pneumokokken-Impfung, Tetanus. Anders verhält es sich in der Reisemedizin, hier werden noch viele Lebendimpfstoffe benötigt, z. B. gegen Gelbfieber, wie von Ihnen genannt. Wenn Sie also immununterdrückende Medikamente einnehmen, dann dürfen Sie nicht gegen Gelbfieber geimpft werden. Besprechen Sie die Situation mit Ihrem Arzt.

Carry : Könnte der Experte mir eine Einschätzung dazu geben, in welchem Stadium sich meine Mutter befindet CRP 68, BSG 42/110?

PROF. KRÜGER : Diese Werte sagen noch nichts über eine bestimmte Erkrankung aus. Sie signalisieren nur eine erhöhte entzündliche Aktivität. Es ist deshalb von großer Bedeutung, welche Diagnose bei Ihrer Mutter gestellt wurde oder welche Beschwerden vorliegen, außerdem spielt der zeitliche Verlauf eine wichtige Rolle. Wenn sich diese Werte erst frisch entwickelt haben, sind sie bedrohlicher, als wenn sie in ähnlicher Form schon seit langem bekannt sind. In seltenen Fällen ist gibt es sogar BSG-Erhöhungen, die lebenslänglich ohne Krankheitswert bestehen.

Jahnlasse : Ist da was falsch? Mein Kollege hatte das große Glück und bekam eine Spenderniere. Er nimmt Immunosporin ein, um die Abstoßung zu verhindern. Ich soll das gleich einnehmen, weil ich eine Entzündung im Kniegelenk habe. Wie passt das zueinander? Ist das jetzt eine Form von Sparen, weil so wenig neue Medikamente entwickelt werden?

PROF. KRÜGER : Immunosporin hat genau wie viele andere Medikamente (das bekannteste Beispiel sind Corticoide) eine Reihe von Einsatzbereichen, denen eine Beeinflussung des Immunsystems gemeinsam ist. Mit Sparen hat das nichts zu tun, es ist eher ein Glücksfall, wenn die Wirksamkeit von neu entwickelten Substanzen in mehreren Bereichen getestet wird und zu erfolgreichen Resultaten führt. Immunosporin ist sowohl in der Transplantationsmedizin als auch in der Rheumatologie ein sehr wichtiges Medikament.

P_Meister : Es wäre sehr schön, wenn es einen Wirkstoff gäbe, der besonders bei Jugendlichen, unsere Tochter ist 17 Jahre alt, gut wirkt und verhindert, oder zumindest verzögert, dass die Gelenke sich verformen. Könnte der Experten eventuell helfen, damit wir uns da weiter drum kümmern können, denn von dem behandelnden Rheumatologen unserer Tochter kommt nichts in der Richtung. Er wiegelt eher ab, aber sonst fühlen wir uns gut betreut von ihm.

PROF. KRÜGER : Auch die jugendliche Form Gelenkrheumatismus kann heute sehr gut und wirksam behandelt werden, da sollte ein Rheumatologe eigentlich gut Bescheid wissen (wobei Sie darauf zu achten haben, dass es sich um einen Kinderrheumatologen oder einen internistischen Rheumatologen handelt, denn bei diesen Fachrichtungen steht die medikamentöse Therapie im Mittelpunkt. Es müssen aber nicht bei jeder Form von jugendlichem Gelenkrheumatismus starke Medikamente eingesetzt werden, manche Untergruppen dieser Erkrankung klingen auch mit milden Wirkstoffen wieder ab. Da Ihre Tochter 17 Jahre alt ist, nähert sie sich ohnehin dem Erwachsenenalter, hier stehen also bereits alle Wirkstoffe zur Verfügung, die bei der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden.

Valentin : Habe morgens eine spürbar eingeschränkte Feinmotorik der Hände. Kann Prof. Krüger daraus Rückschlüsse ziehen?

PROF. KRÜGER : Eine morgens eingeschränkte Feinmotorik der Hände kann zunächst einmal noch ganz verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist eine beginnende Arthrose der Fingergelenke, die typischerweise zur Anlaufsteifigkeit in den frühen Morgenstunden führt. Diese kann durch den Einsatz von Wärme rasch gebessert werden.

Leksi : Ich stelle fest, dass meine Zehen nicht mehr so gelenkig sind. Morgens sind sie ein wenig geschwollen was ich nicht verstehe, denn ich kenne Schwellungen eher abends (bei meiner Mutter, dann allerdings in den Beinen). Was bedeuten Schwellungen am Morgen? Muss ich mich darum kümmern?

PROF. KRÜGER : Die Schwellungen bei Ihrer Mutter kommen vermutlich durch Flüssigkeitseinlagerung in den Unterschenkeln zustande. Das hat nichts mit den bei Ihnen vorliegenden Schwellungen der Zehen zu tun. Hier ist zunächst eine rheumatologische Untersuchung notwendig, um einerseits den exakten Befund an den Zehen zu sehen, andererseits auch begleitende Laboruntersuchungen, vielleicht sogar bildgebende Untersuchungen durchzuführen. Mehr kann leider nicht gesagt werden, ohne dass ich die Zehen selbst sehe.

Ode : Es verunsichert mich, dass Behandlungswege die noch vor kurzem als Standard galten jetzt schon wieder übertrumpft werden von neuen Erkenntnisse usw. Da frage ich mich doch, ab wann sind neue Strategien der Behandlung so zuverlässig, dass ich als Patient mich darauf verlassen kann?

PROF. KRÜGER : Glücklicherweise macht die Medizin, insbesondere die Behandlungsmöglichkeiten, immer noch Fortschritte. Gerade in der Rheumatologie haben wir in den letzten 10 Jahren eine quantensprungartige Entwicklung erlebt. Insofern haben Sie Recht, es werden heute völlig neue Behandlungsstrategien im Vergleich zu den 90er Jahren angewendet. Wichtig ist, dass Sie nach dem aktuell bestmöglichen Standard behandelt werden, der heute schon bedeutet, dass Krankheiten, wie die rheumatoide Arthritis, zum Stillstand gebracht werden können. Natürlich wollen wir noch weitere Fortschritte erreichen, nicht zuletzt die Heilung solcher Erkrankungen. Sie sehen, Sie werden sich auch weiterhin auf neue Erkenntnisse einlassen müssen.

anonym : Was wird bei Arthritis zerstört, der Knorpel oder der Knochen? Wie sinnvoll ist Knorpeltransplantation?

PROF. KRÜGER : Bei der Arthritis werden sowohl Knorpel als auch Knochen zerstört, dazu auch das Bindegewebe (z. B. Sehnenscheiden, Gelenkkapsel usw.), wenn die Erkrankung nicht richtig behandelt wird. Eine Knorpeltransplantation spielt bei der Arthritis keine Rolle, da die Wurzel des Übels ja nicht im Knorpel, sondern im Immunsystem des gesamten Organismus liegt. Anders ist die Situation bei der Arthrose, die sich im Wesentlichen am Gelenkknorpel abspielt. Hier wird mit der Knorpeltransplantation als Therapieprinzip experimentiert, es handelt sich jedoch gegenwärtig noch nicht um ein sicher wirksames und frei verfügbares Behandlungsprinzip. Dies könnte jedoch in einigen Jahren der Fall sein.

Danii : Wie schnell treten Veränderungen am Gelenk auf nach den ersten Schmerzen?

PROF. KRÜGER : Gelenkschmerzen müssen nicht notwendigerweise auch zu Veränderungen am Gelenk führen. Das ist nur dann der Fall, wenn bestimmte rheumatische Erkrankungen vorliegen. Auch dann ist das Tempo durchaus unterschiedlich. Bei der rheumatoiden Arthritis kommt es innerhalb von wenigen Monaten zu Veränderungen, die jedoch im Frühstadium durch eine wirksame Therapie noch rückgängig gemacht werden können. Bei der Arthrose sind zum Zeitpunkt von neu aufgetretenen Schmerzen schon Veränderungen am Gelenkknorpel eingetreten, das weitere Fortschreiten geht jedoch in einem wesentlich langsameren Tempo von statten als bei der Arthritis.

clean : Produkte mit Methotrexat gibt es ja von verschiedenen Herstellern. Worin unterscheiden die sich und welches Produkt ist besonders empfehlenswert?

PROF. KRÜGER : Speziell bei Methotrexat ist zwischen den einzelnen Präparaten kein relevanter Unterschied bezüglich der Wirksamkeit zu erkennen. Unterschiede gibt es nur im Angebot der Einzeldosierungen und der Verabreichungsform (z. B. bietet nicht jede Firma eine subkutane Verabreichung an).

Palmira : Ich habe die Diagnose „Gelenkrheuma“. So weit so gut. Oder besser nicht gut. Der kleine „Schub“ ist vorbei. Ich kann wieder ganz gut greifen. Es passiert nichts. Was muss ich jetzt tun oder beobachten? Ich will ja nicht morgens aufstehen und erst mal meine Befindlichkeit erforschen. Das ist mir zu blöd. Ich habe eine Diagnose und fühle mich ziemlich allein.

PROF. KRÜGER : Mir ist nicht ganz klar, welche Diagnose bei Ihnen genau gestellt worden ist. Es gibt auch akute Formen von Gelenkrheuma, z. B. im Zusammenhang mit Infekten, die wieder völlig abklingen, d. h. mittelfristig sind Sie dann wieder gesund. Andererseits kann auch eine chronische Erkrankung, wie die rheumatoide Arthritis, mit einem "kleinen Schub" beginnen und sich erst Wochen oder Monate später wieder bemerkbar machen. Welche der Formen bei Ihnen vorliegt, ist aus Ihrer Schilderung nicht zu entscheiden. Ich würde da Rat bei einem Spezialisten (internistischer Rheumatologe) suchen, der Ihnen eigentlich eine exakte Antwort geben sollte.

wolle : Meine Fingergelenke sind sehr schmerzhaft entzündet. Eigentlich ist das fast ständig so. Das behindert mich vor allem bei der Hausarbeit stark. Manchmal werden sie richtig heiß. Dann geht gar nichts mehr. Ich nehme dann Schmerzmittel. Ist aber nicht gut und langsam nicht mehr ausreichend. Was tun?

PROF. KRÜGER : Auch hier gilt es, zunächst die Ursache, d. h. die Diagnose so exakt wie möglich zu stellen, denn die reine Einnahme von Schmerzmitteln ist nur solange sinnvoll, wie die Diagnose nicht geklärt ist. Sie müssten also ebenfalls Rat beim Spezialisten suchen, denn wenn dies der Beginn einer chronischen Arthritis ist, dann sollte so schnell wie möglich eine gezielte Basistherapie begonnen werden.

Kai_Scheuer : Gibt es denn nur immer therapierende Medikamente, oder wann gibt es Medikament, die die Krankheit aufhalten können? Ich sehe die Qual meiner Frau und es ist auch meine Qual. Das Leben könnte für uns so schön sein, wenn diese unselige Erkrankung nicht wäre.

PROF. KRÜGER : Ich nehme an, Ihre Frau leidet an einer rheumatoiden Arthritis. Diese Erkrankung ist heute sehr gut zu behandeln, bei schneller Erkennung und Einleitung einer gezielten Therapie sogar zum völligen Stillstand zu bringen. Aber auch, wenn Ihre Frau die Erkrankung schon länger hat, sind heute die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten so gut geworden, dass eine völlige Beschwerdefreiheit erreichbar sein sollte. Falls noch nicht geschehen, sollte sich Ihre Frau unbedingt in Behandlung zu einem Rheumatologen begeben, denn nur hier besteht der Überblick über die modernen Behandlungsmöglichkeiten.

PROF. KRÜGER : Ich möchte mich auf diesem Wege für die rege Teilnahme der Patienten an dieser Sprechstunde, insbesondere aber auch für die hohe Qualität der gestellten Fragen bedanken. Die Beantwortung habe ich mit großem Vergnügen vorgenommen und kann nur hoffen, dass diese Antworten vielen Patienten geholfen haben. In meiner Eigenschaft als Rheumatologe wünsche ich allen Patienten, die an Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis leiden, alles erdenklich Gute und möchte Sie nochmals ermutigen, sich in rheumatologische Behandlung zu begeben, um in den Genuss der großen Fortschritte zu kommen, die wir auf diesem Fachgebiet erleben.



Ende der Sprechstunde.