Lungenkrebs: Neue Perspektiven durch zielgerichtete Therapien

Prof. Dr. med. Yon Ko
Chefarzt) Abteilung Innere Medizin II
Johanniter-Krankenhaus Bonn
Johanniterstraße 3-5
53113 Bonn


Tel.: 0228 - 543 - 0 Zentrale
Tel.:  0228 - 543-2203 Sekretariat
FAX : 0228 - 543 – 2055

E-Mail: info@ek-bonn.de
www.johaniter.de

PROTOKOLL

23.03.2009

Lungenkrebs: Neue Perspektiven durch zielgerichtete Therapien

PROF. DR. YON KO: Wir beginnen um 19 Uhr.

Bahrs : Bin in einer schwierigen Situation. Bei meiner Frau wurde ein 2cm goßer nichtkleinzelliger Tumor und ein Teil der linken Lunge entfernt. Der Radiologe sagt bestrahlen, vorsorglich aber definitiv, nicht als Option zu verstehen. Der Chirurg ist anderer Meinung. Sollen wir eine dritte Meinung einholen?

PROF. DR. YON KO: Die Bestrahlungstherapie ist nur indiziert, wenn mediastinale Lymphknoten befallen waren. Das bedeutet eine so genannte N2-Situation. Wenn kein Lymphknotenbefall vorliegt, ist eine Bestrahlung nicht sinnvoll.

Kerama : Habe mit Beginn der Tarceva-Einnahme ein stark reduziertes Schutzsystem, ständig Infekte und zwei Sachen, die ich noch nie in meinem Leben zuvor hatte: eine Mittelohrentzündung und eine Blasenentzündung. Was sagt mir das jetzt? Sonst komme ich recht gut zurecht.

PROF. DR. YON KO: Vermehrte Infektionen können auftreten. Bei ansonsten guter Verträglichkeit sollte die Tarceva-Einnahme beibehalten werden und frühzeitig eine antibiotische Therapie begonnen werden.

Winkler.2 : Die Chemo war nicht der große Durchbruch für meinen Bruder , auch weil die Nebenwirkungen stark und viele waren. Der Onkologe (München) hat meinem Bruder und Schwägerin gesagt, dass er jetzt eine zielgerichtete Therapie bekommen soll, weil Chemo an Bedeutung verliert. Das hat uns natürlich gefreut, weil damit weniger Nebenwirkungen entstehen sollen. Aber worin der Unterscheid genau besteht hat keiner von uns richtig verstanden. Chemo hat doch ein Ziel, nämlich die Krebszellen zu zerstören. Bitte kann Prof. Ko das so erklären, dass wir das verstehen möglichst ohne Fachwörter. Ich bedanke mich für die Mühe.

PROF. DR. YON KO: Chemotherapie zerstört Tumorzellen ganz unspezifisch und zerstört auch normale Zellen und kann somit das Blutbild verschlechtern, zu Haarausfall führen, zu Übelkeit und Erbrechen führen. Je nach dem, welches Organ mehr gestört wird. Eine zielgerichtete Therapie richtet sich gegen ein einzelnes Molekül der Zelle, das kann ein Rezeptor sein für Wachstumsfaktoren, über die den Zellen gesagt wird, sie sollen wachsen. Eine moderne Therapie, z. B. mit Erlotinib blockiert diesen Rezeptor so, wie z. B. der Beta-Blocker in der Behandlung des Bluthochdrucks. Hier sind die Nebenwirkungen in der Regel anders als bei einer normalen Chemotherapie. Bei Erlotinib ist hauptsächlich mit Hautausschlag und Durchfall zu rechnen. Insgesamt bedeutet das, dass die modernen Therapiekonzepte andere Nebenwirkungen haben als die herkömmliche Chemotherapie, aber sie haben Nebenwirkungen.

Lodoff : Hoffnung habe ich jetzt durch eine Tabletten Therapie. Hoffnung, dass es hilft und Hoffnung mein normales Leben möglichst bei zu erhalten oder bald wieder aufzunehmen. Eine Tablette einnehmen klingt so harmlos?? Kann ich dabei evtl. sogar arbeiten?

PROF. DR. YON KO: Sollte ein Rezidiv eines nichtkleinzelligen Lungenkrebses vorliegen, so kann die Therapie mit Erlotinib (Tablette) wirksam sein mit geringen Nebenwirkungen. Ich selbst habe Patienten, die unter einer solchen Therapie ihrer Arbeit nachgehen können. Allerdings kann der Hautausschlag so erheblich sein, dass die Therapie abgebrochen werden muss.

Dreher-Lipke : Stimmt es, dass Bevacizumab bei Brust- und Darmkrebs eingesetzt wird - kann man es auch bei Lungenkrebs nehmen?

PROF. DR. YON KO: Bevacizumab kann auch in der ersten Therapie bei Lungenkrebs (Adeno-Karzinom) in Kombination mit Chemotherapie eingesetzt werden.

H. Müller : Wie oft muss man Bevacizumab nehmen bzw. wie oft kriegt man die Infusion?

PROF. DR. YON KO: Bevacizumab wird in der Regel alle drei Wochen als Infusion zur Chemotherapie gegeben. Nach Abschluss der Chemotherapie wird Bevacizumab in gleichem Abstand gegeben, solange es wirksam bleibt.

Achim : Habe Blut im Spuktum. Ich glaube es kommt von den oberen Halswegen.Was kann es sein?

PROF. DR. YON KO: Sollten Sie keine Tumorerkrankung haben, ist dies eine abklärungsbedürftige Situation. Das kann von einfachem Nasenbluten herrühren letztendlich auch von einer Krebserkrankung in der Lunge, d. h. bitte suchen Sie einen Arzt auf.

praline : was ist der Unterschied zwischen IMRT Bestrahlung und einer Stereotaktischen Bestrahlung

PROF. DR. YON KO: IMRT bedeutet intensitätsmodulierte Strahlentherapie, das bedeutet ganz stark vereinfacht: Jeder dreidimensionale Körper kann volumenumfassend bestrahlt werden. Dies heißt, die Bestrahlung ist nicht eine Kugel, sondern kann jede Form annehmen. Unter stereotaktischer Bestrahlung versteht man eine punktgenaue Bestrahlung mit einer Abweichung kleiner 0,5 mm, mit dieser Methode kann man z. B. Metastasen im Gehirn mit einer einzigen Strahlentherapie-Sitzung eliminieren.

Anschi : Ist ein Atemtest sinnvoll? Welchen diagnostischen Wert hat der, wie groß ist die Zuverlässigkeit?

PROF. DR. YON KO: Atemtests im Rahmen von Tumorerkrankungen kann ich nicht einordnen. Wenn Sie meinen, welchen Wert die Sputum-Diagnostik hat bezüglich bösartiger Erkrankungen, so ist festzustellen, dass es nur sehr wenige Institute in Deutschland gibt, die einen solchen Test durchführen können. Insgesamt wird im Allgemeinen auf eine Tumordiagnostik im Sputum verzichtet.

Kolderer : Warum nicht wieder Rötgenreihenuntersuchungen einführen. Das würde doch viele Lungenkrebse im Frühstadium erfassen?

PROF. DR. YON KO: Röntgenreihenuntersuchungen alle vier bis sechs Monate haben versagt, Lungenkrebs im Frühstadium zu erfassen, d. h. die Krebssterblichkeit zu senken. Diese Untersuchungen sind bereits vor 20 Jahren begonnen worden und haben bei mehreren 10.000 Personen nicht zum Erfolg geführt. Die Ursache liegt in der Geschwindigkeit des Wachstums der Lungenkrebse, d. h. diese Erkrankung kann sich binnen einiger Wochen entwickeln und ohne Behandlung sehr rasch zum Tod führen.

Sina_Kratz : Es soll einige neue Möglichkeiten geben, die abhängig vom individuellen Stadium eingesetzt werden. Welche sind das?

PROF. DR. YON KO: Die stadiengerechte Behandlung des Lungenkrebses ist definiert. Die operative Therapie wird stadiengerecht eingesetzt. Die modernen Medikamente (Antikörper, zielgerichtete Therapie) werden heute nur im fortgeschrittenen Stadium (Metastasen) eingesetzt und hier unter Widmung der individuellen Gegebenheiten.

Max_B : Was passiert nach der OP mit dem Lungenflügel, regeneriert sich der wieder? Kann man mit einem operierten Lungenflügel noch atmen?

PROF. DR. YON KO: Der Lungenflügel, welcher entfernt worden ist, regeniert sich nicht mehr wieder. Die restlich verbliebene Lunge ist jedoch in der Lage, die Atemarbeit in weitem Umfang zu übernehmen. Bei einer bereits vorbestehenden Lungenerkrankung (Emphysem) kann die Entfernung eines Lungenflügels zu einer Reduktion der Lungenfläche führen, welche bei Belastung früher zu Luftnot führt.

Erben : Meine Atemnot nimmt zu auch unter der Tarceva-Behandlung? Hat das positiv oder negativ Einfluss auf die Wirkung?

PROF. DR. YON KO: Es ist eine Kontrolle der Lungenbilder zu veranlassen, um nach entsprechender Zeit (vier bis sechs Wochen) zu sehen, ob Tarceva wirkt. Es gibt leider auch die Situation, dass die Erkrankung auf Tarceva nicht anspricht. In einem solchen Falle müsste über Alternativtherapie-Möglichkeiten nachgedacht werden.

Dietmar K. : Ist die Therapie mit Bevacizumab mit einer Chemotherapie kompatibel?

PROF. DR. YON KO: Die Therapie mit Bevacizumab ist nur in Kombination mit einer Chemotherapie zugelassen und sinnvoll.

Zegary : Wie schätzt Prof. Ko die Paraneoplasie Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom mit seinen Antikörpern vom P/Q-Typ auf den Verlauf des SCLC ein? Ein Primärtumor wird bei mir seit 2 1/2 Jahren vergeblich gesucht. Damals wurden 3 Lymphknoten hilär operativ entfernt. Danke für eine Antwort. Zegary

PROF. DR. YON KO: In 50 % des Lambert-Eaton-Syndroms findet man eine bösartige Erkrankung, in der Regel ein kleinzelliges Bronchialkarzinom oder ein Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei den anderen 50 % findet man keine bösartige Erkrankung. Sollte bei Ihnen ein kleinzelliges Karzinom diagnostiziert worden sein und eine Therapie durchgeführt worden sein. So hat das Therapieansprechen oftmals keine Verbesserung des Lambert-Eaton-Syndroms zur Folge.

Olberg : Mein Bruder (68) hat schon mehrere unterschiedliche chemotherapeutische Behandlungen gehabt und obwohl er wirklich gern leben möchte, stellt er immer öfter die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht. Soweit ich Details weiß hier die Entwicklung der Erkrankung, es ist nur die linke Seite der Lunge betroffen. Diagnose 2006 Adenokarzinom Stadium 2, Chemotherapie Iressa, später Gemzar. Es gibt 2 neue Metastasen und mein Bruder bekommt schlecht Luft. Was ist jetzt noch möglich, wo man auch mit einer angemessenen Lebensqualität rechnen kann. Er will nur weitermachen, wenn es sich lohnt.

PROF. DR. YON KO: Ob eine palleative Chemotherapie sinnvoll ist, hängt davon ab, inwieweit der Allgemeinzustand dies zulässt. Je schlechter die bereits bestehende Lebensqualität ist, desto geringer wird der Profit einer erneuten Chemotherapie sein. Sollte lediglich Iressa und Gemzar zum Einsatz gekommen sein, so gäbe es noch die Möglichkeit, mit Pemetrexed oder Docetaxel.

Schultes : Beate Mein Vater hatte schon eine Operation, aber jetzt sind neue kleine Tumore aufgetreten. Der Arzt hat mir gesagt, dass die Krankheit fortgeschritten ist. Er schlägt eine Laser-Entfernung vor. Ist das der beste Weg das weitere Fortschreiten aufzuhalten?

PROF. DR. YON KO: Wenn eine Lungenkrebserkrankung vorlag, ist zunächst zu klären, wo überall Metastasen aufgetreten sind. Wenn mehrere Metastasen aufgetreten sind, ist eine Systemtherapie (Chemotherapie oder zielgerichtete Therapie) sinnvoll. Eine Lasertherapie ist lediglich zu überlegen, wenn eine einzige Metastase in Leber oder Lunge aufgetreten ist.

Resteller : Erhalte eine Therapie mit Tarceva 150 mg. Wenn man das reduzieren würde, würden dann auch die Nebenwirkungen weniger stark sein?

PROF. DR. YON KO: Ja, bei starken Nebenwirkungen (Akne wie Sonnenbrand) sollte die Dosis auf 100 mg reduziert werden. Es ist mit einer deutlichen Verbesserung der Nebenwirkungen zu rechnen.

Real : Eigentlich nehme ich an so was wie dieser Sprechstunde gar nicht Teil. Aber ich muss wissen, ob mein Mann mich belügt, um mich zu beruhigen. Er sagt Frauen hätten eine bessere Prognose für den Krankheitsverlauf, stimmt das?

PROF. DR. YON KO: Insbesondere asiatische Frauen haben eine bessere Prognose im Krankheitsverlauf bei Eintreten einer Lungenkrebserkrankung.

Consup : Wenn ich das richtig recherchert habe gibt es auch noch weitere Unterteilungen bei NCSL in adeno-Krebs und Plattenepithel-Krebs. Welcher ist der Krebs mit der besseren Prognose?

PROF. DR. YON KO: Die Prognose ist beim nichtkleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) abhängig von der Ausbreitung. Ist er lokal begrenzt und operabel, ist die Prognose deutlich besser als bei einer bereits bestehenden Metastasierung in Lymphknoten oder andere Organe. Ob ein Adeno-Karzinom oder ein Plattenepithel-Karzinom vorliegt, ist dann nicht relevant.

Quell : Ich habe Hautausschlag und Durchfall. In dieser Kombination sei das nicht häufig meint der Onkologe. Aber die Behandlung scheint anzuschlagen, deshalb beklage ich mich nicht. Ich möchte nur wissen, ob man das irgendwie mit alternativer Medizin abmildern kann?

PROF. DR. YON KO: Wenn Ihre Beschwerden aufgrund einer Behandlung mit Erlotinib eingetreten sind, so kann man den Hautausschlag mit cortisonhaltigen Salben oder im schweren Fall durch Einnahme eines milden Antibiotikums (Doxycyclin) verbessern. Der Durchfall kann durch stopfende Medikamente (Imodium) verbessert werden. Wenn die Nebenwirkungen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, ist über eine Dosisreduktion nachzudenken.

Aspro : Die Nebenwirkungen der Chemo waren mir vorher bekannt. Dennoch kämpfe ich schwer damit und kann meine Krankheit wegen dieser großen körperlichen Belastung überhaupt nicht annehmen. Auch nicht ansatzweise. Habe den Eindruck bei mir ist alles an Nebenwirkungen was geht mit Veränderungen von Blut und Knochenmark, Haarausfall und eine bleierne Erschöpfung. Wann setzt man so etwas ab, um mit einer Substanz mit weniger Nebenwirkungen neu anzufangen?

PROF. DR. YON KO: Wenn ein palliatives Therapiekonzept (Heilung nicht mehr möglich) verfolgt wird, so sollten die Nebenwirkungen in einem erträglichen Rahmen bleiben, der ein einigermaßen normales tägliches Leben ermöglicht. Wenn die Nebenwirkungen der Chemotherapie so erheblich sind, dass dies nicht mehr möglich ist, so sollte nach Kontrolle (Computertomographie) ein Wechsel auf eine weniger belastende Therapie vorgenommen werden. Wird ein kuratives Therapiekonzept verfolgt, so sollte diese Therapie komplett durchgehalten werden.

p1 : Rezidiv eines Adenokarzinoms PT2 n2 G3 seit 2 Monaten wird nur diagnostik aber keine Behandlung gemacht, wie lange kann man denn abwarten?

PROF. DR. YON KO: Das Wachstumsverhalten von Lungenkrebs kann sehr unterschiedlich sein. Wenn ein nichtoperabler Zustand eingetreten ist und nur wenig Tumormasse zu sehen ist, kann sechs Wochen abgewartet werden, um festzustellen, mit welcher Geschwindigkeit die Erkrankung fortschreitet. Bei nachgewiesener Verschlechterung sollte dann über eine Therapie nachgedacht werden. Wenn das Rezidiv bereits mit einer hohen Tumormasse aufgetreten ist, würde ich eine Therapie sofort einleiten.

Shirin : Warum wird so wenig Lungenkrebs operiert im Verhältnis zu anderen Krebserkrankungen, wo immer als erstes die Chirurgie kommt?

PROF. DR. YON KO: Weil die Lungenkrebserkrankung in etwa 75 % der Fälle bereits in einem nicht mehr operablen Stadium auftritt.

Naundorf : Was ist eine Zweitlinientherapie?

PROF. DR. YON KO: Wenn zum ersten Mal eine Chemotherapie eingesetzt wird, nennt man das Erstlinientherapie. Muss im weiteren Verlauf eine erneute Therapie durchgeführt werden, dann nennt man das Zweitlinientherapie.

Blöte : Die Chemotherapien sind ausgereizt, es ist seit langem kein nennenswerter Zuwachs an Erfolg erkennbar. Es scheint, als sei die Wissenschaft auf einem Plateau angekommen. Wohin geht die Forschung jetzt, welche Richtung wird eingeschlagen, wie lange dauert das, wann hat man als Patienten was davon? Mutlos.

PROF. DR. YON KO: Es hat in den letzten fünf Jahren einen Wandel in der Behandlung von bösartigen Erkrankungen gegeben, bei denen insbesondere eine zielgerichtete Therapie (Antikörper gegen Gefäßneubildung, kleine Moleküle gegen Wachstumsfaktoren), die vor 10 Jahren nicht denkbar gewesen sind. Dies war definitiv ein Durchbruch in der modernen Therapie von Krebserkrankungen. Wir wünschen uns alle eine weitere Verbesserung dieser Substanzen, das Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen.

Mühlertz : Wie lange dauert es bis die Targeted Therapie die Patienten erreicht?

PROF. DR. YON KO: Targeted Therapie beim Lungenkrebs (nichtkleinzelliges Karzinom) hat die Patienten bereits erreicht. Z. B. Bevacizumab und Erlotinib und Gefitinib.

p1 : würden sie bei rezidiv des Adenokarzinoms eher zu einer Bestrahlung oder einer Chemo oder Chemo/und Bestrahlung raten?

PROF. DR. YON KO: Das kommt auf die Verteilung der Metastasen an. Wenn ein Rezidiv im ursprünglichen Bereich des Tumors aufgetreten ist und vielleicht Lymphknotenmetastasen in diesem Bereich aufgetreten sind, so ist eine Bestrahlung sinnvoll (sofern noch keine Bestrahlung erfolgt ist). Die Wirksamkeit kann deutlich erhöht werden durch eine parallele Chemotherapie, kann jedoch nur Patienten in einem sehr guten Allgemeinzustand empfohlen werden. Sind Metastasen im Knochen, in der Leber, in der Lunge aufgetreten, ist eine Systemtherapie (Chemotherapie +/- zielgerichtete Therapie) sinnvoll.

Hannelore D. : Meine Schwester wird mit Erlotinib behandelt. Jetzt hat ein Bekannter der Familie Bevacizumab verschrieben bekommen. Welche Therapie ist denn jetzt besser? Wirken Sie auf die gleiche Weise?

PROF. DR. YON KO: Die Substanzen arbeiten unterschiedlich. Wenn Ihre Schwester jetzt Erlotinib bekommt, sollte sie unbedingt diese Therapie fortführen und im Verlauf sollte mit Bildern kontrolliert werden, ob diese Therapie effektiv ist. Sollte der Bekannte ebenfalls einen Lungenkrebs haben, so bekommt er diese sicher zusammen mit einer Chemotherapie. Sollte das jeweilige Therapiekonzept nicht funktionieren, so wäre der Wechsel im weiteren Verlauf möglich. Also beide Therapiestrategien sind richtig.

anonym : Irgendwie ist das alles so nahe liegend die Ernährung des Tumors zu unterbrechen, dass man sich fragt, warum nicht früher in diese Forschungsrichtung gegangen wurde. Oder dauert das alles einfach nur so lange. Ich meine damit die Forschung. Wie gut, wie erfolgreich (wie belastend) ist jetzt so eine Blockade? Meine Schwester ist schwerstkrank mit Lungenkrebs, halbe Lunge entfernt mit vielen Metastasen überall, aber wir stärken sie, damit sie weiterhin Lebenswillen hat. Bevor wir ihr jetzt richtig Hoffnung machen, muss ich wissen, ob das berechtigt wäre.

PROF. DR. YON KO: Wenn Sie darauf abzielen, zu überlegen, die Zuckerzufuhr zu reduzieren (den Krebs verhungern zu lassen), so ist dies eine nicht wirksame Strategie, da der Organismus - egal wie viel Zucker gegessen wird - den Zuckerspiegel eng reguliert. Wenn Sie darauf abzielen, die Durchblutung im Bereich des Tumors zu reduzieren, so wird dies mit dem Antikörper Bevacizumab versucht. In Kombination mit einer Chemotherapie zählt er zu den wirksamen Therapiekonzepten bei Adeno-Karzinomen der Lunge.

Spicknagel : Bisherige Behandlung mit GEM/Crb Behandlung (richtig wiedergegeben?) nächster Versuch jetzt mit EGV-Rezeptor. Was ist der Vorteil, Wirkprinzip?

PROF. DR. YON KO: Die bisherige Behandlung ist eine klassische Chemotherapie. Wenn diese nicht mehr wirksam ist, kann der EGF-Rezeptor-Blocker Erlotinib versucht werden. Dieses Medikament blockiert einen Wachstumsfaktorrezeptor und blockiert damit das Wachstum der Tumorzelle. Es ist eine Tablettentherapie und hat als Nebenwirkungen hauptsächlich Hautausschlag und Durchfall.

Justus : Habe auffällig trockene Haut durch Tarveca. Kann kaum genug cremen. Gibt sich das noch wieder?

PROF. DR. YON KO: Sollte überwiegend trockene Haut aufgetreten sein, so ist in der Tat Cremen die richtige Strategie, begleitend können regelmäßige Ölbäder sehr hilfreich sein. Die Hautveränderungen können im Laufe von Monaten weniger werden.

MODERATOR: Der Experte macht eine kurze Pause. Die Beantwortung Ihrer Fragen setzen wir in wenigen Minuten fort.

Schnecke19 : Meiner Tante ist ein Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom diagnostiziert worden. Jetzt nimmt sie Erlotinib und hat recht heftigen Hautausschlag. Ist das ein positives Zeichen für die Wirksamkeit?

PROF. DR. YON KO: Hautausschlag ist ein guter Hinweis für die Wirksamkeit der Therapie.

ich : vor anderthalb jahren Adenokarzinom rechter oberlappen pt2 n2 m0 g3 oberlappen wurde entfernt. Jetzt neues adenokarzinom im Mittellappen rechts. Inoperabel da ich bereits sauerstoffabhängig bin. Was sollte ich jetzt tun und welche aussichten habe ich noch?

PROF. DR. YON KO: Bei einem lokalem Rückfall sollte als nächster Schritt eine Strahlentherapie diskutiert werden. Ansonsten wäre eine Chemotherapie oder auch eine Therapie mit Erlotinib machbar.

Jockel : Wie kann man erfolgreich die Krankheit (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom) zum Stillstand bringe? Zusätzlich Symthome ausschalten?

PROF. DR. YON KO: Die wirksamste Methode, Symptome der Krankheit zu lindern oder auszuschalten, ist eine wirksame Therapie. Sollte eine Operation nicht mehr möglich sein, so sollte eine Chemotherapie oder eine zielgerichtete Therapie überlegt werden.

Anan : Stimmt es, dass Hautauschlag nach 3 Wochen und 3 Tagen ein gutes Zeichen sind, oder redet der Onkologe meinem Vater diesen Zustand schön, um ihn dran zu halten?

PROF. DR. YON KO: Unter der Therapie mit Erlotinib (ich nehme an, dass dies die Therapie ist), ist Hautausschlag ein Marker für ansprechende Tumorerkrankung, d. h. Patienten mit Hautausschlag unter dieser Therapie haben deutlich höhere Anprechraten.

Jorma.Gotthilf : Bei mir begann ein sehr unangenehmer Hautausschlag an den Schienenbeinen, der jetzt weiter geht an Stirn und Augenbrauen. Dort sogar verbunden mit Entzündungen. Ich kann überhaupt nicht mehr das Haus verlassen, aber mein betreuender Arzt ist damit sehr zufrieden. Bleibt das die ganze Therapie über und ist das dauerhafter Hinweis auf Erfolg?

PROF. DR. YON KO: 1. Hautausschlag ist ein Hinweis für die Wirksamkeit der Therapie. 2. Im Laufe der Zeit kann die Schwere der Hautveränderungen weniger werden. 3. Die Hautveränderungen können mit einer cortisonhaltigen Salbe, rückfettende Cremes oder Ölbäder gelindert werden. Bei ausgeprägter Akne-former Hautveränderung kann die Therapie mit einem milden Antibiotikum (Doxicyclin) verbessert werden. 4. Wenn die Beschwerden so sind, wie ein ausgeprägter Sonnenbrand und sie sich nicht mehr an die frische Luft trauen, muss über eine Reduktion der Dosis auf 100 mg täglich (in der Regel ohne Wirkverlust) nachgedacht werden.

Jörgi : Was ist der Unterschied zwischen kleinzelligem Lungenkrebs und andrem Großzelligem(? gibt es so was) Lungenkrebs. Was ist die aggressivste Form?

PROF. DR. YON KO: Man unterscheidet kleinzelligen Lungenkrebs von nichtkleinzelligem Lungenkrebs (Adeno-Karzinom, Plattenepithel-Karzinom, großzelliges Karzinom u. a.). Das kleinzellige Karzinom ist aggressiv und in aller Regel nicht mehr operabel. Es ist jedoch chemotherapie- und strahlentherapiesensibel, je nach Stadium können diese beiden Therapiemöglichkeiten kombiniert werden. Beim nichtkleinzelligem Karzinom muss am Anfang immer überlegt werden, ob eine Operation möglich ist, da in der Regel nur Patienten, die operiert werden können, geheilt werden können.

Plewa : Bitte an Prof. Ko einmal die wichtigsten Symptome zu benennen. Mein Man raucht seit 25 Jahren 1-2 Packungen, je nachdem, ob er Freunde trifft, oder in unsere Eckkneipe geht. Das ist so ein Nachbarschaftstreffpunkt. Eigentlichganz nett. Aber ich hatte gehofft, dass dort nicht mehr geraucht werden darf. Aber das ist jetzt ein Raucherclub. Neben Husten (morgens) und Schleim hat mein Mann inzwischen eine dramatische Veränderung der Stimme. Macht mir große Sorgen.

PROF. DR. YON KO: Die Symptome, die auf eine Lungenkrebserkrankung hinweisen, sind sehr unspezifisch, da Raucher an sich immer auch eine chronische Bronchitis haben.

PROF. DR. YON KO: Immer, wenn sich die bekannten Beschwerden verändern, z. B. Blut im Sputum zu erkennen ist, Heiserkeit auftritt, eine Lungenentzündung auftritt, muss zumindest eine Röntgenuntersuchung der Lunge durchgeführt werden. Ein Frühsymptom der Lungenkrebserkrankung gibt es nicht.

Heller : Gibt es Biomarker für eine differenziertere Diagnose bei Lungenkrebs?

PROF. DR. YON KO: Es gibt heute noch keinen zuverlässigen Biomarker auf zellulärer Ebene, der die Therapiestrategie heute beeinflussen würde.

Malas : Haben Frauen und Männer ein gleiches genetisch oder auch soziales Risiko, wenn man raucht? Mein Sohn ist nicht belehrbar, meine Tochter vielleicht. Die hört wenigsten zu.

PROF. DR. YON KO: Männer und Frauen haben das gleiche Risiko, eine Lungenkrebserkrankung zu erleiden in Abhängigkeit der Menge des Zigarettenkonsums über die Jahre. Man kann heute sagen, dass 20 % aller Raucher eine Lungenkrebserkrankung erleiden werden.

Margi : Wie hoch ist das Mitraucher-Risiko?

PROF. DR. YON KO: Das Risiko für Nichtraucher, eine Lungenkrebserkrankung zu erleiden, wurde in amerikanischen Studien untersucht. Nichtrauchende Frauen starker regelmäßiger Raucher wurden auf die Häufigkeit der Entstehung von Lungenkrebserkrankungen untersucht und man schätzt ein etwa 18 %iges Risiko für die Nichtraucher an einer Lungenkrebserkrankung zu erkranken. Das Risiko für den Raucher liegt etwa bei 20 bis 40-fach erhöhtem Risiko gegenüber dem Nichtraucher.

Angie : Ich muss neuerdings nach dem Essen vermehrt husten. Dann ist da auch immer Schleim in den Bronchien und besonder im Kehlkopf. Dieser Reiz veranlasst mich zu husten, um das wegzubekommen. Nach einer halben Stunde ist das vorbei. Muss ich mir Sorgen machen?

PROF. DR. YON KO: Sie sollten einmal Ihren Arzt aufsuchen und die Beschwerden schildern, ggf. wird er eine Röntgenuntersuchung der Lunge anordnen, ggf. auch eine Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung.

Breitner-1 : Nicht jeder Komibinationssubstanz von Bevacizumamb ist geeignet eine Verbesserung zu erreichen. Was ist verantwortbar in Studien, wie viel Chemo ? auch unnütze ? ist Teilnehmern zuzumuten, um zu neuen Ergebnissen zu kommen? Wer schützt mich bei einer Teilnahme? Gibt es momentan eine sinnvolle Teilnahmemöglichkeit bei nichtkleinzelligem Lungenkrebs Stadium II?

PROF. DR. YON KO: Bevacizumab wird im Stadium IV, d. h. bei Auftreten von Metastasen, eingesetzt. Es wird heute in Studien geprüft, ob durch eine Therapie alleine mit zielgerichteten Substanzen (Bevacizumab und Erlotinib) auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann.

PROF. DR. YON KO: Da wir das heute noch nicht wissen, muss diese Frage in einer klinischen Prüfung untersucht werden. Im Übrigen ist jeder Fortschritt, insbesondere das Einführen von neuen Substanzen auf klinischen Studien basierend, ohne diese kann Erneuerung nicht bewiesen werden.

Popoulus : Wie erklärt man sich Erfolge in einer Studie bei der nur bei asiatischen Subgruppen (auf Gefitinib) eine Wirkung erkennbar war? Wurden dort die Studien erfolgreicher geschönt oder gibt es nachweislich genetische Unterschiede.

PROF. DR. YON KO: Es gibt nachweisebare genetische Unterschiede.

Coppers : Starke Hautreaktion, die mein Onkologe als Flasch bezeichnet hat. Jetzt will er die Dosis reduzieren, aber ich möchte das nicht, weil ich Angst habe, dass sie nicht mehr ausreichend wirkt. Er behauptet das sei nicht so. Da frage ich mich natürlich, warum ich dann nicht gleich eine reduzierte Dosis bekommen habe? Ist für mich unlogisch.

PROF. DR. YON KO: Sollte die Hautreaktion auf die Gabe von Erlotinib zurückzuführen sein, so sollte die Dosis nur reduziert werden, wenn die Nebenwirkungen, wie Hautausschlag, von Ihnen nicht mehr toleriert werden können. Dann ist auch nicht mit einem Wirkverlust zu rechnen.

Consort : Mein Onkologe will Therapie absetzen, weil mein Körper keine Reaktion zeigt. Dabei geht es nicht um den Krebs, sondern weil ich keine sichtbare Hautreaktion habe. Das soll ein Messpunkt sein. Ich bin total enttäuscht und möchte das nicht. Ich bitte sehr, um Rat des Experten. Danke.

PROF. DR. YON KO: Der Hautausschlag ist ein Marker für die Wirksamkeit der Therapie, es gibt jedoch auch Patienten, die ohne Hautausschlag ein Ansprechen im Bereich des Tumors zeigen. Daher empfehle ich vor Verlassen der Therapiestrategie die Durchführung und den Vergleich von Bildern (z. B. Computertomogrammen).

carmen : Können sie eine Strahlenklinik in nrw empfehlen

PROF. DR. YON KO: Alle großen Städte haben Kliniken oder Institute, die eine hochmoderne Strahlentherapie anbieten, hier müsste die Region (Stadt) weiter eingegrenzt werden.

Engelslocke : Ich habe von einem monoklonalen Antikörper gelesen, der VEGF abfängt. Ich habe absolut keine Ahnung, was das ist! Können Sie mir das erklären?

PROF. DR. YON KO: VEGF steht für vaskular epidermal grows factor auf Deutsch: Das ist ein Faktor, der das Wachstum von Blutgefäßen reguliert. Ohne diesen Wachstumsfaktor könnten z. B. Wunden nicht zuheilen aber auch bösartige Geschwulste brauchen eine Blutversorgung. Mit Hilfe des VEGF können die Tumore Blutgefäße bilden, die die Nahrungszufuhr für das erforderliche Wachstum sicherstellen. Somit können Antikörper, die das VEGF abfangen, die Blutgefäßbildung in Tumorzellen unterdrücken und somit das Wachstum behindern. Insbesondere in Kombination mit einer Chemotherapie kommt die Wirkung eines solchen Antikörpers (Bevacizumab) zur Geltung.

VitaminC : Mein Lungenkrebs konnte geheilt werden. Jetzt habe ich Angst wieder zu erkranken. Welche vorbeugenden Maßnahmen kann ich treffen, damit das Risiko so klein wie möglich bleibt?

PROF. DR. YON KO: 1. Nicht mehr rauchen. 2. Regelmäßige körperliche Betätigung. 3. Regelmäßig Obst und Gemüse essen.

carmen : nähe bonn oder köln?

PROF. DR. YON KO: Bonn und Köln haben eine sehr gute Strahlentherapie an der Universität. Im Bonner Raum bieten die Strahlentherapie Bonn-Rhein-Sieg am Waldkrankenhaus, die Robert-Janker-Klinik und die Strahlentherapie in der Spessartstraße eine sehr gute Leistung.

Rudesser : Nach meiner Recherche gibt es neue Substanzen - Gefitinib und Erlotinib - bei nicht kleinzelligem LungenCA. Ich konnte aber keine Aussagen finden, die klar sagt, unter welchen Umständen, welche Substanz sinnvoll ist, weil ich in die ärztlichen Seiten nur mit Anmeldung reinkomme. Ist da kein Unterschied? Wirken die beiden Substanzen unterschiedlich? Was ist besser?

PROF. DR. YON KO: Das Wirkprinzip von Gefitinib und Erlotinib ist gleich. Heute gibt es lediglich eine Zulassung für das Erlotinib. In der richtigen Dosierung sind meiner Meinung nach beide Substanzen gleichwertig.

Puls : Warum tut sich seit 20 Jahren nichts bei der Behandlung von kleinzelligem LungenCA?

PROF. DR. YON KO: Der wesentliche Fortschritt in der Behandlung des kleinzelligen Lungenkrebses im begrenzten Stadium (limited disease) ist die kombinierte Radio-Chemo-Therapie von Anfang an. Durch diese Therapie kann ein Fünf-Jahres-Überleben immerhin von 20 bis 25 % erreicht werden. Ansonsten sind die zellulären Regulationsmechanismen dieser Erkrankung noch nicht ausreichend charakterisiert, um eine zielgerichtete Therapie zu entwickeln.

Segelschiffchen : Ich habe letztens was über EGFR-Hemmer gelesen. Ist diese Therapie wirksam und unter welchen Vorraussetzungen würden Sie zu solch einer Therapie raten?

PROF. DR. YON KO: Die Therapie mit EGFR-Hemmern ist eine zielgerichtete Therapie. Sie ist wirksam beim nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom und ist zugelassen für die Zweitlinientherapie bei fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkrebs.

Epuron : Ich würde es als betroffener Angehöriger (Bruder) sehr hilfreich finden, wenn es eine europaweite Einigung geben könnte zu Behandlungsstandards. Warum ist die Krümmung der Gurke festgelegt, aber es gibt Unterschiede in Behandlung von NSCLC. In USA Paclitaxel-haltige Kombinationen, in EU (EMEA) Gemcitabin-haltige Kombinationen mit Platinderivaten. Als Patient wird man zwar mit einbezogen, aber das ist doch eine Farce, wie soll man sich da durchfinden, wenn alles unterschiedlich ist, weil in einigen Ländern nur begrenzt ?teure? Behandlungen durchgeführt werden. Es fehlen die Vergleichsmöglichkeiten. Dabei sind wir eine wirklich aktive Familie. Jeder trägt zur Info bei und wir sortieren das gemeinsam. Wir fühlen uns dennoch nicht als Partner des Arztes.

PROF. DR. YON KO: Grundvoraussetzung für eine optimale Therapie ist ein gutes offenes Vertrauensverhältnis mit Ihrem Onkologen. Ein informierter Onkologe wird Ihnen die Gründe für die unterschiedlichen Auffassungen der Therapie erklären können und für Sie bzw. Ihren Bruder einen optimalen individuellen Therapieweg vorschlagen. Wir haben glücklicherweise heute verschiedene chemotherapeutische Möglichkeiten, die gleichwertig sind, um ans Ziel zu gelangen. Es ist dann die Entscheidung des Therapeuten mit dem Patienten, welcher Weg zumutbar und erfolgreich sein kann.

Nexmo : Kommt auch nach Deutschland die Kosten-Nutzen-Relation bei aufwendigen Krebserkrankungen, wie Lungenkrebs, wie das in England jetzt der Fall ist?

PROF. DR. YON KO: In Deutschland haben wir ein außerordentlich leistungsfähiges Gesundheitssystem. Alle zugelassenen Therapiemöglichkeiten werden von den Krankenkassen erstattet. Englische Verhältnisse gibt es heute hier in Deutschland nicht.

Gazit : Trotz vieler Einschränkungen erhält meine Frau weiterhin homöopathischen Arzneimitteln verschrieben. Das überrascht mich, weil doch sonst darüber immer gelächelt wird. Heißt das, sie ist für andere Medizin aufgegeben?

PROF. DR. YON KO: Komplementärmedizinische Strategien können hilfreich sein in der Begleitung einer Krebserkrankung mit oder ohne Chemotherapie. Von diesen Substanzen ist jedoch eine tumorreduzierende Wirkung bislang nicht bewiesen worden.

Lancker : Unser Vater (78) will keine Therapie, aber die Ärzte lassen nicht locker. Warum? Wie groß ist das Mitspracherecht des Patienten?

PROF. DR. YON KO: Wenn Ihr Vater keine Therapie möchte, sollte dieses respektiert werden, sofern er über die Therapiemöglichkeiten und deren Nebenwirkungen aufgeklärt wurde. Allein der Patient entscheidet, welche Therapie er sich zumuten möchte.

Meppen : Das Krankenhaus in dem ich die Erstbehandlung bekam möchte, dass ich ambulant weitermache in einer Schwerpunktpraxis. Ich zögere, habe aber eigentlich keine Wahl. Warum kann ich nicht im KH bleiben? Ist das preiswerter für das System?

PROF. DR. YON KO: Der Kostenträger (Krankenkassen) zwingen die Krankenhäuser, Therapien, die potentiell ambulant durchgeführt werden können, auch ambulant durchzuführen. Sollte eine ambulant mögliche Therapie im stationären Bereich durchgeführt worden sein, so kann im schlimmsten Fall der medizinische Dienst den Erlös für das Krankenhaus komplett streichen. Daher bleibt vielen Krankenhäusern nichts anderes übrig, als Patienten zu einem niedergelassenen Kollegen in die Therapie zu geben. Nichts desto trotz sollten ambulant mögliche Therapien auch ambulant durchgeführt werden.

Wedel : Ich möchte viel lieber, dass meine Frau von unserem wunderbaren Hausarzt betreut wird. Das ist nämlich noch ein richtiger Arzt, der Nähe zu seinen Patienten hat und nicht so ein unpersönliches Onkozentrum. Aber mein Hausarzt kann sich die Medikamente nicht leisten. Er sagt, das sei nicht üblich für Krebspatienten beim Hausarzt. Kann er nicht einen Sonderantrag stellen? Er sagt nein, oder will er nur die Verantwortung nicht?

PROF. DR. YON KO: Ich bin der Auffassung, dass der Hausarzt der wichtigste Ansprechpartner für seinen Patienten sein sollte. Jedoch sind die Therapieformen bei Krebserkrankungen so komplex geworden, dass sie besser bei einem onkologischen Fachkollegen durchgeführt werden sollten, welcher auch das gesamte Spektrum der Nebenwirkungen kennt. Dieser kann die Therapie und die Rezeptur vornehmen aber die Begleitung durch den Hausarzt durch die Erkrankung bleibt ungenommen. Der Hausarzt drückt sich sicherlich nicht vor seiner Verantwortung.

PROF. DR. YON KO: Zielgerichtete Therapieformen stellen einen Durchbruch in der Therapie von Krebserkrankungen dar. Wir erleben heute Wirksamkeit durch Medikamente, die nicht mit Chemotherapeutika verwandt sind. Auch bei Erkrankungen, bei denen eine Chemotherapie überhaupt nicht wirkt. Wir stehen hier heute am Anfang der Entwicklung und ich bin sicher, dass wir in den nächsten Jahren noch sehr viel gezielter individuell angepasst therapieren können. Ich bedanke mich für die zahlreichen interessanten Fragen und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.



Ende der Sprechstunde.