Osteoporose – Nicht nur eine Frauenkrankheit

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PROTOKOLL

Osteoporose – Nicht nur eine Frauenkrankheit

DR. KNUT BEHLE: Wir beginnen um 19 Uhr.

Kuschel: Ab wann reichen die normalen freiverkäuflichen Tabletten nicht mehr und es geht um richtig medizinische Therapie? Was empfiehlt Dr. Behle?

DR. KNUT BEHLE: Man unterscheidet zwischen einer prophylaktischen Einnahme von z. B. Calcium und Vitamin D, was auch als Basistherapie bezeichnet wird, und einer so genannten spezifischen Therapie, bei der spezielle Osteoporose-Medikamente zum Einsatz kommen. Neben der Knochendichtemessung mit Hilfe eines Dexa-Gerätes spielen vor allen Dingen bereits erlittene Brüche eine wesentliche Rolle. Hinzu kommt noch eine erhebliche Anzahl von Risikofaktoren, die sich auf den Therapiebeginn auswirken.

Merle: Vor einigen Monaten hatte ich eine Wirbelsäulen-Operation. Dabei ging es um die Beseitigung von Stenosen. Die Operation war ein großer Erfolg. Allerdings bilde ich mir ein, dass ich eine Rolle auf Magenhöhe angesetzt habe. Das ist nicht viel, aber kann es sein, dass durch die OP mein Rücken verkürzt wurde, wie das bei eingebrochenen Wirbeln einer Osteoporose möglich ist und sich dadurch vorn optisch eine Rolle bildet?

DR. KNUT BEHLE: Eine Beseitigung einer Spinalkanalstenose im Lendenwirbelsäulenbereich hat keinen Einfluss auf die Größe, da die Höhe der Wirbelkörper nicht verändert wird.

Bei eingebrochenen Wirbeln im Rahmen einer Osteoporose führt gerade im Brustwirbelsäulenbereich die Erniedrigung der Vorderkante zu einer Vorneigung, die dann eine Größenminderung zur Folge hat.

Kassel: Anfang des Jahres hatte ich eine umfangreiche Blutuntersuchung. Es wurde vermutet, dass ich eine beginnende, schwerwiegende Blutkrankheit Erkrankung hätte. Bin komplett auf den Kopf gestellt worden, aber man fand nix. Zum Schluss wurde mir ein Knochenchip aus der Hüfte entnommen ? warum auch immer. Das war schwieriger als gedacht. Der Arzt meinte ich hätte auffallend stabile Knochen für meine Alter (64). Ist das jetzt eine verlässliche Aussage für alle Knochen, oder gibt es lokale Unterschiede, abhängig von der Art der Knochen? Bisher habe ich nichts besonderes gemacht, außer mich gut zu ernähren, kein Nikotin, kein Alkohol, bisschen Bewegung. Reicht das, wenn ich so weitermache? Vorher habe ich nicht darüber nachgedacht. Bin jetzt sensibilisiert für das Thema.

DR. KNUT BEHLE: Es ist natürlich schwierig, von hier aus eine Diagnose zu Ihrer Bluterkrankung zu geben. Wenn der Knochen aus dem Hüftbereich entnommen wurde, wäre zu klären, ob neben der feingeweblichen Untersuchung auch die Knochenmatrix untersucht worden ist. Das gäbe wichtige Hinweise auf den Zustand des Knochens. Im Zweifel sollte eine Dexa-Messung durchgeführt werden, die die Knochendichte sowohl im Bereich der Lendenwirbelsäule als auch der Hüfte untersucht. Hierbei könnten dann auch wesentliche Unterschiede im Bereich der Knochendichte zwischen Hüfte und Wirbelsäule erkannt werden und ggf. erforderliche Therapien eingeleitet werden.

Weppner: Wenn schon Teile in der Wirbelsäule so porös sind, dass man befürchten muss, dass da mal ein oder mehrere Wirbel kaputtgehen, macht es dann überhaupt noch Sinn mit einer nachhaltigen Osteoporose-Therapie zu beginnen, wie der Gynäkologe meiner Frau vorgeschlagen hat?

DR. KNUT BEHLE: In jedem Falle sollte man eine spezifische Osteoporose-Therapie so früh wie möglich beginnen. Gerade, wenn man Brüche verhindern möchte, ist eine baldige spezifische Therapie erforderlich.

Erkrad: Was ist Prolia? Kann ich damit den ganzen Tablettenkram unterlassen?

DR. KNUT BEHLE:

Der Wirkstoff von Prolia ist Denosumab. Hierbei handelt es sich um einen Antikörper, der nachhaltig den Knochenabbau hemmt. Andere spezifische Osteoporose-Therapeutika sind dann nicht mehr erforderlich. Die Erfordernis der Basistherapie bleibt.

Christa2011: Aufgrund einer Blutuntersuchung hat mein Hausarzt eine beginnende Osteoporose festgestellt. Eine Kochendichtemessung fand nicht statt. Reicht das mit der Blutuntersuchung für eine sichere Diagnose?

DR. KNUT BEHLE: Es gibt keine Blutuntersuchung, mit der man eine beginnende Osteoporose feststellt. Allenfalls kann man so genannte sekundäre Osteoporosen (durch andere Erkrankungen oder Medikamente ausgelöst) ausschließen. Eine Blutuntersuchung reicht auf keinen Fall als sichere Diagnose.

Biba: Wie Osteoporose vorbeugen bei intensiver familiärer Veranlagung. Taucht seit 2 Generationen bei uns immer wieder auf. Davor sicherlich auch, nur da hat das keiner erkannt oder benannt.

DR. KNUT BEHLE: Ein ganz wichtiger Hinweis ist das Vorkommen einer familiären Veranlagung. Die familiäre Veranlagung stellt ein erhebliches Risiko für eine Osteoporose dar. Bei der Vorbeugung geht es im Wesentlichen um eine gesunde Ernährung sowie einen gesunden Lebensstil. Bei Unklarheiten ist eine Dexa-Messung empfohlen, um rechtzeitig eine beginnende Reduktion der Knochenmasse zu erkennen.

NACHFRAGE Erkrad: Prolia ersetzt also alle anderen Osteoporose-Medikamente, die ich zur Zeit einnehme? Aber die Basistherapie bleibt, sagen Sie. Was meinen Sie mit Basistherapie?

DR. KNUT BEHLE:

Die Basistherapie besteht aus Empfehlungen von 1.000 mg Calcium pro Tag und einer Aufnahme von ca. 1.000 internationalen Einheiten Vitamin D.

Maverick: Für mich ist neu, dass auch Männer Osteoporose bekommen können. Woran liegt das? Davon hatte ich zuvor noch nie gehört. Was hat sich verändert an unserem Lifestyle, denn das war doch noch vor wenigen Jahren eine reine Frauenkrankheit in fortgeschrittenem Alter. Welche Männer sind gefährdet, was kann ich machen, dass mich das nicht auch einholt?

DR. KNUT BEHLE: In der Tat ist die Osteoporose der Männer lange nicht erkannt worden. Man hielt die Osteoporose lange Zeit für eine ausschließliche Erkrankung der Frau. Der Einfluss unseres Lebensstils (Bewegungsarmut, Nikotinmissbrauch, Alkoholmissbrauch) spielt aber auch bei den Männern eine Rolle. Ein besonderes Spezifikum bei Männern kann in einem niedrigen Testosteronspiegel liegen. Wenn Männer keine besonderen Risikofaktoren aufweisen, reicht in der Regel ein knochengesunder Lebensstil.

Goetz: Ich nehme seit Jahren morgens und abends aus einer Sprühflasche jeweils 2-4 Sprühstöße Cortison, da ich sehr anfällig für Erkältungskrankheiten bin. Wenn ich das Sprühen nur wenige tage unterlasse, bekomme ich schon wieder Erkältungssymptome und belegte Bronchien. Ich nehme das Cortison seit Jahren und soll es auch zukünftig immer nehmen. Jetzt lese ich, dass Cortison schädlich für die Knochen sein kann. Bin ich Osteoporose-gefährdet?

DR. KNUT BEHLE: Cortison ist in der Regel im Hinblick auf die Knochengesundheit problematisch, wobei aber insbesondere die Einnahme von Cortison als Tablette eine große Rolle spielt. Die Inhalativen spielen hierbei eine untergeordnete Rolle. Ob allerdings bei Erkältungskrankheiten bereits im Frühstadium mit Cortison gearbeitet werden muss, ist zweifelhaft. Etwas anderes wäre es, wenn eine Allergie oder ähnliches vorliegt. In jedem Fall sollte man Cortison so niedrig wie möglich dosieren.

Allegra: Wegen Asthma bekommt meine Mutti von Notärzten immer hohe Dosen Kortison gespritzt. Über die Jahre hat sich das jetzt sehr negativ auf ihre Kochen ausgewirkt. Sie kann aber nicht auf das Kortison verzichten, weil sie Angst im akuten Fall an einem Anfall zu sterben. Hat der Experte einen Vorschlag?

DR. KNUT BEHLE: Nach Ihrer Beschreibung müsste es sich bei Ihrer Mutter um einen Asthmaanfall handeln, wenn sie vom Notarzt hohe Dosen gespritzt bekommt. Wenn diese Therapien weit genug auseinander liegen, muss sich das nicht zwingend auf die Knochen auswirken. In der Regel spielt Cortison ab 2,5 mg pro Tag auf Dauer die Hauptrolle. Im akuten Asthmaanfall kann man auf das Cortison eigentlich auch nicht verzichten. Sollte sie schon eine cortisonindizierte Osteporose haben, stünden auch hier Medikamente zur Verfügung.

Sebi_Sperlien: Meine Tante hat vor drei Wochen ein neues Hüftgelenk bekommen und kommt damit gut klar. Das soll natürlich auch möglichst so bleiben. Gegenwärtig hat sie sehr gute, stabile Knochen, sagt der Operateur. Was kann meine Tante zum Erhalt der guten Knochensubstanz machen oder einnehmen?

DR. KNUT BEHLE: Zunächst ist es sehr erfreulich, dass Ihre Tante bereits stabile Knochen hat. Im Wesentlichen gelten auch hier die Empfehlungen zu einem knochengesunden Lebensstil, basierend auf Bewegung und Ernährung und ggf. Basistherapie.

Momiller: Ab welchem Alter kann man Osteoporose bekommen?

DR. KNUT BEHLE: Die Frage kann man so exakt nicht beantworten. Grundsätzlich ist es so, dass bis ca. zum Alter von 30 Jahren der Knochen noch aufgebaut wird und dann ab dem 40. Lebensjahr langsam nachlässt. Die so genannte peak bone mass (maximale Knochenmasse) ist entscheidend dafür, wie man den altersbedingten Abbau beginnt. Dann spielen alle bereits genannten Faktoren, wie Lebensstil, Bewegung, Ernährung und ähnliches eine herausragende Rolle, wie schnell die Reduktion der Knochenmasse im Alter voranschreitet.

Carmen: Spielt die familiäre Veranlagung in Verbindung mit Wechseljahren eine Rolle? Muss ich mehr machen als andere? Bisher ist alles ok.

DR. KNUT BEHLE: Die familiäre Veranlagung ist ein ganz starker Risikofaktor für die Inzidenz der Osteoporose. Sollten Sie dann noch sehr früh in die Wechseljahre kommen, würde Östrogen als Knochenschutz wegfallen und eine Osteoporose begünstigen.

Petra: Ich weiß, dass ich wegen meines Alter von 68 Jahren zu einer sogen. Risikogruppe für Osteoporose zähle. Aber worin genau liegt dieses Risiko? Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ernähre mich gesund, habe zeitlebens Sport getrieben, jetzt allerdings weniger. Bin ich nur deshalb gefährdet, weil ich seit einiger Zeit wenig Sport treibe, einfach weil ich keine Lust mehr habe pausenlos rumzuhampeln.

DR. KNUT BEHLE: Wie Sie beschrieben haben, gehören Sie eigentlich nicht zu einer so genannten Risikogruppe, wenn man von Ihrem Alter absieht. Wenn Sie sich - wie Sie geschrieben haben - ausreichend bewegen und gesund ernähren, tun Sie im Prinzip alles, um einer Osteoporose rechtzeitig zu begegnen.

Bernstein: Ab wann spricht man von einer Osteoporose, wie ist dann die Beschaffenheit der Knochen?

DR. KNUT BEHLE: Von einer Osteoporose spricht man definitionsgemäß, wenn die Knochendichte um mehr als 2,5 Standardabweichungen abgesunken ist. Die Knochendichte allein ist aber nicht das Problem der Osteoporose. Durch die Schädigung der knöchernen Mikroarchitektur nimmt das Bruchrisiko zu.

Verona: In zwei Wochen bekomme ich ein neues Hüftgelenk. Aufgrund meines Alters, 65 Jahre, hätte ich gedacht, dass man vorher bei mir eine Knochendichtemessung macht, um sicher zu gehen, dass so ein neues Gelenk auch anständig hält. Aber nichts dergleichen. Soll ich darauf bestehen?

DR. KNUT BEHLE: Eine Knochendichtemessung vor der Implantation einer Hüftgelenksendoprothese ist nicht zwingend. Der Operateur sieht ja den Knochen und seine Beschaffenheit unmittelbar vor Ort. Außergewöhnlich grobe Abweichungen von der Knochensubstanz, die sich auf das Implantat auswirken würden, kämen ggf. auch schon in der Röntgenaufnahme zur Abbildung.

Reinhardt: Wie lange dauert es bis aus einem gesunden, festen Knochen ein osteoporotischer Knochen werden kann?

DR. KNUT BEHLE: Die Dauer, die ein Knochen benötigt, um osteoporotisch zu werden, hängt von dem Ausgangswert (peak bone mass) und anderen Faktoren ab. Wie bereits oben erwähnt, spielen Lebensstil, knochengesunde Ernährung, Medikamente und ggf. andere Erkrankungen eine weitere Rolle.

Kritiker: Es ist doch allgemein bekannt, das eine Chemotherapie am Ende zu einer Osteoporose führen kann. Mein bester Freund hat Prostatakrebs in fortgeschritteneme Stadium und ist mitten in der antihormonellen Therapie. Er bekommt aber keine Medikamente, um mögliche Knochenschäden zu verhindern. Ich habe ihn darauf angesprochen, aber er will nichts unternehmen, ist froh, dass er nicht noch mehr Medikamente nehmen

DR. KNUT BEHLE: Erst einmal führt nicht jede Chemotherapie zwingend zu einer Osteoporose. Aber, wenn dieses Risiko besteht, kann man das selbstverständlich behandeln. Gerade bei der antihormonellen Therapie ist das Risiko besonders hoch, eine Osteoporose zu bekommen. Dazu kann man Ihrem Freund mitteilen, dass die zur Verfügung stehenden Medikamente außergewöhnlich gut verträglich sind und nur empfohlen werden können.

Carozelic: Kann man als Laie Schmerzen, die auf eine Osteoporose hindeuten von Arthrose unterscheiden? Was lässt sich besser behandeln? Am Ende ist es ohnehin die Wahl zwischen Pest und Cholera, oder?

DR. KNUT BEHLE: Grundsätzlich gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Osteoporose und einer Arthrose. Während die Arthrose (Verschleiß von Gelenken) praktisch immer sofort zugeordnet werden kann, ist dies bei der Osteoporose deutlich schwieriger. Sollte sich die Osteoporose nicht gerade in einem Bruch manifestieren, beginnen osteoporosebedingte Schmerzen häufig eher diffus.

richard ehemels: Welche Wirkung hat der Wirkstoff Denosumab?

DR. KNUT BEHLE: Denosumab ist ein monoklonarer Antikörper, der an den Knochenzellen verschiedene Mechanismen in Gang setzt, die in der Folge den Knochenabbau hemmen.

Schiffmann: Was ist eine Pseudoarthrose? Gibt es auch eine Pseudoosteoporose?

DR. KNUT BEHLE: Eine Pseudarthrose ist ein so genanntes "Falschgelenk". Sie bildet sich häufig, wenn nach Knochenbrüchen keine knöcherne Ausheilung geschieht, sondern nur eine Bindegewebsbrücke zwischen den Knochen entsteht. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Eine Pseudoosteoporose gibt es nicht.

Gudrun: Vor einem Jahr wurde mir ein Knochenspan aus der Hüfte entnommen, um eine Blutkrankheit auszuschliessen. Die Ärztin hat da ziemlich rumgewürgt, bis es gelang. Dabei stöhnte sie, meine Güte haben Sie harte Knochen und das in Ihrem Alter. Was mich sehr gefreut hat, denn ich bin 65 Jahre. Aber was bedeutet das? Wie schnell kann sich das ändern?

DR. KNUT BEHLE:

Ich gehe davon aus, dass eine Knochenbiopsie aus dem Beckenkamm gewonnen wurde.

Diese wird sicherlich untersucht worden sein. Hierbei würde man neben veränderten Zellen auch eine Aussage über die Knochensubstanz geben können. Eine schnelle Änderung der Knochenfestigkeit ist nicht zu erwarten, es sei denn, andere Erkrankungen oder knochenschädigende Medikamente kommen zur Anwendung.

rana: Wie würden Sie die Erkrankung Osteoporose in Stadien einteilen. Welches Stadium erfordert welche Behandlung und mit welchen Mitteln? Könnten Sie dies einmal systematisch aufzählen? Ich frage mich nämlich immer, wie man seinen Zustand einordnen soll.

DR. KNUT BEHLE: Auf Basis der Knochendichtemessung kann man folgende Einteilung vornehmen. Ausgehend von einem gesunden Knochen eines 20-Jährigen werden die Stadien nach Standardabweichungen eingeteilt. Einer Abweichung von der Norm würde man noch dem erweiterten Normalbereich zurechnen (bis minus eine Standardabweichung). Bei einem Absinken des Knochenmineralgehaltes unter eine Standardabweichung, aber weniger als 2,5 Standardabweichungen, spricht man von einer Osteopenie (Verminderung der Knochenmasse). Bei einer Abweichung von mehr als 2,5 Standardabweichungen spricht man von einer Osteoporose. Bei einer Osteopenie würde man eine Basistherapie (Calcium, Vitamin D) durchführen. Ab dem Vorliegen einer Osteoporose kämen knochenspezifische Medikamente zum Einsatz.

Spacelab: Manche Dinge hält man einfach nicht für möglich. Aber meine Mutter hatte einen kollabierten Wirbel, der mit Zement verfüllt wurde. Dieses Zement wurde offensichtlich nicht richtig eingebracht, denn es verschwand im Spinalkanal. Daraus haben sich jetzt massivste weitere Probleme ergeben. Es ist dramatisch. Wir sind wütend und sprachlos vor so viel Dilettantismus. Natürlich suchen wir jetzt den Kontakt zu einem neuen Zentrum um Hannover herum. Kann Dr. Behle helfen?

DR. KNUT BEHLE:

Offensichtlich ist bei Ihrer Mutter eine so genannte Vertebroplastie durchgeführt worden. Hierbei wird unter Druck Zement in den gebrochenen Wirbel gespritzt. Eine der möglichen Komplikationen, die auch bei vorschriftsmäßigem Vorgehen vorkommen können, besteht im Übertritt des Knochenzements in den Spinalkanal. Leider darf ich Ihnen aus rechtlichen Gründen keine Empfehlung für eine Weiterbehandlung aussprechen.

Heintzel: Kann man auch eine "Teil-Osteoporose" haben, oder betrifft die Diagnose immer alle Knochen?

DR. KNUT BEHLE: Grundsätzlich ist die Osteoporose immer eine generalisierte Skeletterkrankung, die sowohl Wirbelsäule als auch Extremitäten-Knochen in Mitleidenschaft zieht. Bei der cortisonindizierten Osteoporose ist allerdings die Wirbelsäule etwas mehr betroffen als die Extremitätenknochen.

Rakussi: Also ich habe das Gefühl, ich hänge zwischen Baum und Borke. Habe eine beginnende Osteoporose, soll Sport treiben, habe aber Angst, dass ich mich dabei verletze und alles nur noch schlimmer wird. Schwimmen finde ich ganz schrecklich. Das will ich nicht. Aber Radfahren wäre was. Nur ist der Verkehr so stark geworden und viele sind rücksichtslos, dass ich mich nicht traue. Kann da auch ein Ergometer helfen? oder ist das zu "künstlich", weil zu gleichmäßig? Kommt dabei überhaupt was rum für die Knochen?

DR. KNUT BEHLE: Bei der beginnenden Osteoporose ist neben der knochengesunden Ernährung sicherlich die Bewegung essentiell. Der Knochen reagiert besonders auf das Wechselspiel von Belastung und Entlastung, wobei die Sportart zunächst zweitrangig ist. Ganz wesentlich ist natürlich, dass Ihnen die Bewegung Spaß machen muss, sonst wird erfahrungsgemäß die Aktivität zügig eingestellt. Ein Ganzkörpertraining ist sicher empfehlenswert. Rasanzsportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko sind eher ungünstig.

Herzog: Meine Schwester ist in einer Armomatase-Nachbehandlung. Vorher OP und Chemotherapie. Wenn ich die Zusammenhänge richtig verstehe, gefährdet so eine Aromatase-Behandlung auch die Knochen, weil sie irgendein entscheidendes Hormon hemmt. Müsste sie da nicht auch was gegen eine mögliche Osteoporose tun? Hat ihr aber keiner vorgeschlagen!

DR. KNUT BEHLE: Dieser Hinweis ist außergewöhnlich wichtig, da die Aromatasenachbehandlung in der Tat einen ungünstigen Einfluss auf die Knochen hat. Hier stehen wirkungsvolle und potente Medikamente zur Verfügung. Sie sollten hier unbedingt nochmal beim behandelnden Gynäkologen nachfragen und ggf. einen Osteologen hinzuziehen.

Arjomand: Nicht jeden Morgen, aber immer öfter habe ich Knochenschmerzen beim Aufstehen. Wenn ich in Bewegung bin gibt sich das wieder. Aber das ist schon irritierend. Hängt das mit Osteopor. zusammen?

DR. KNUT BEHLE: Hier wäre wichtig zu wissen, ob Sie tatsächlich Knochenschmerzen oder Gelenkschmerzen haben. Ihre kurze Schilderung kann auch auf Gelenkprobleme hindeuten. Eine Osteoporose lässt sich natürlich so nicht ausschließen.

Hella: Wenn kein Verdacht auf Osteoporose besteht muss man ja die Dichtemessung selbst bezahlen. Ich habe jetzt einen Verdacht geäußert, weil auch meine Mutter Osteoporose hatte. Allerdings war sie 20 Jahre älter als ich. Bin jetzt 53. Ich sollte also die Knochendichtemessung selbst bezahlen und vermute, dass der Arzt mehr dafür bekommt, als wenn er mit der Kasse abrechnet. Das macht mich total ärgerlich und will da eigentlich nicht wieder hin. Bin ich zu kritisch?

DR. KNUT BEHLE: Nein, Sie sind nicht zu kritisch, aber es gibt hier einen kurzen Erklärungsbedarf. Die Knochendichtemessung im Rahmen einer Vorsorge ist grundsätzlich (leider) keine Kassenleistung. Die Knochendichtemessung ist dann eine Kassenleistung, wenn Sie sich bereits einen Knochen gebrochen haben oder der Arzt den Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Osteoporose hat.

Werkmeisterin: Ich habe ein Hüftgelenk, das in den nächsten Jahren ersetzt werden muss. Das weiss ich schon jetzt, ziehe es aber so lange, wie möglich heraus. Ich nehme jeden Tag eine handelsübliche Calciumtablette/D 400. Reicht das aus, dass meine Knochen stabil bleiben bei normaler Aktivität und sehr bewusster Ernährung, um einer Osteoporose vorzubeugen?

DR. KNUT BEHLE: Grundsätzlich wird als Basistherapie eine Calciummenge von 1.000 mg und eine Vitamin D Menge von 1.000 internationalen Einheiten empfohlen. Insofern liegt möglicherweise der Vitamin D Anteil in dieser Tablette etwas zu niedrig.

Contact: Mit allen Krankheiten, die einem so widerfahren können, habe ich Osteoporose bisher weitgehend bei den Luxuskrankheiten abgelegt. Aber jetzt habe ich einen ganz schrecklichen Fall in meinem direkten Freundeskreis, der mich sehr hellhörig macht. Bin jetzt 52 und möchte nur noch das Richtige tun, um einem solchen Schicksal zu entgehen. Was ist das Richtige?

DR. KNUT BEHLE: In erster Linie wäre erst einmal das Wichtigste, das persönliche Risikoprofil auszuloten. Hierzu kämen insbesondere die familiäre Belastung, bereits eingetretene Brüche (auch Oberschenkelhalsbruch bei Vater oder Mutter), Bewegungsarmut, Rauchen sowie andere Faktoren. Sollten dann mehrere Risikofaktoren bestehen, kann eine Dexa-Messung Gewissheit bringen.

Jule Herres: Ich kann das ganz gut zuordnen, wo die Schmerzen an den Knochen herkommen. Das fing erst ziemlich leicht an, wurde dann innerhalb von 8 Monaten stärker. Jetzt nehme ich Voltaren25, das hilft dann eine Zeit lang. Erst fand ich es nicht wichtig dafür zum Arzt zu gehen, inzwischen gehe ich nicht, weil ich Angst habe. Fängt so Osteoporose an?

DR. KNUT BEHLE: Wenn Sie die Schmerzen so stark beunruhigen, wäre es ja gerade sinnvoll, der Ursache der Schmerzen auf den Grund zu gehen. Voltaren 25 ist zwar ein verhältnismäßig mildes Medikament, ist aber nicht unbedingt für eine Dauerbehandlung geeignet. Wenn Sie eine Osteoporose für sich sicher ausschließen wollen, käme lediglich eine Dexa-Messung in Betracht.

Götsche: Was ist, wenn Osteoporose in der Familie ist? Der extremste Fall ist meine Cousine, die hatte schon mit Anfang 30 ! Osteoporose. Da reicht doch sicher eine normale Vorsorge für mich nicht aus. Ab wann sollte ich mit einer professionellen Vorsorge beginnen, wie Bisphosphonaten oder Vorsorge-Spritzen?

DR. KNUT BEHLE: Das Lebensalter in Verbindung mit den Risikofaktoren und der Knochendichte führen zu einer Empfehlung für eine medikamentöse Osteoporosetherapie. Nach der entsprechenden Untersuchung kann entschieden werden, ob eine prophylaktische Behandlung ausreicht oder ob spezifische Osteoporosemedikamente, wie Bisphosphonate oder ähnliche Medikamente, angewendet werden sollen.

DR. KNUT BEHLE: Allen Teilnehmern dieser Sprechstunde danke ich für die rege Teilnahme und die vielen interessanten Fragen. Ich verabschiede mich nun und wünsche Ihnen allen einen angenehmen Abend.



Ende der Sprechstunde.