Osteoporose: Was tun, wenn die Knochendichte schwindet?

OrthopädieZentrum Maschen
Dr. med. Knut Behle
 
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PROTOKOLL

Osteoporose: Was tun, wenn die Knochendichte schwindet?

Kübler: Wie kommt es, dass man das Anschleichen von Osteoporose nicht merkt, aber irgendwann tut das richtig weh? Was tun gegen Knochenschmerzen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Ein Knochenmassenverlust bleibt für gewöhnlich für eine lange Zeit unbemerkt, da er ja sehr langsam voranschreitet. Symptomatisch wird eine Osteoporose erst dann, wenn die Knochenqualität so schlecht geworden ist, dass es zu Brüchen kommt. Im Vorwege ist aber häufig eine Vornüberbeugung des Oberkörpers und ein Verlust der Körperhöhe zu verzeichnen. Dies kann ein erster Hinweis auf das Vorliegen einer Osteoporose sein. Aber auch dies ist für gewöhnlich kein Frühsymptom.

Jankowska: Strontium verbinde ich (53Jahre) mit Radioaktivität. Deshalb bin ich sehr verunsichert, weil ich genau das jetzt einnehmen soll, um meine Knochen zu stabilisieren. Ich habe Osteoporose ohne besondere Vorkommnisse, oder andere Krankheiten. Liegt bei uns wohl in der Familie und fängt um und bei auf Halbzeit der Wechseljahre an. Bei mir auch. Gibt es da nicht auch was anderes?

DR. MED. KNUT BEHLE: Ihre Bedenken sind durchaus ernst zu nehmen. Das Strontium wird anstelle des Kalziums in den Knochen eingebaut. Das einzige Präparat, welches Strontiumranelat als Wirksubstanz enthält, ist allerdings mittlerweile vom Markt genommen, so dass es keine eigentliche Therapieoption mehr darstellt. Aufgrund der Vielzahl der möglichen Therapieoptionen brauchen Sie sich aber keine Gedanken zu machen. In Absprache mit dem behandelnden Arzt können Sie sicher eine der vielfältigen Therapieoptionen nutzen.

Toni_Reuter: Meine Mutter soll von VitaminD und Kalzium zu Injektionen wechseln. Weil sie dann nicht jeden Tag was einnehmen muss. Das vergisst sie nämlich immer häufiger. Gegenwärtig nimmt sie zusätzlich das eine oder andere Schmerzmittel. Kann sie darauf dann auch verzichten?

DR. MED. KNUT BEHLE: Die Therapie mit Kalzium und Vitamin-D stellt grundsätzlich die sogen. Basistherapie dar. Bei einer behandlungsbedürftigen Osteoporose werden diese beiden Substanzen grundsätzlich verwendet. Die Therapie, die grundsätzlich unmittelbar am Knochen wirkt, stellt dann die sogen. spezifische Therapie dar. Hier stehen in der Tat Injektionstherapien zur Verfügung. Diese sind immer dann sinnvoll, wenn die Einnahme von Tabletten entweder nicht vertragen oder zu häufig vergessen wird. Diese Therapie wird aber ZUSÄTZLICH zur Vitamin-D- und Kalziumgabe eingesetzt. Ob Ihre Mutter auf zusätzliche Schmerzmittel verzichten möchte oder kann, vermag ich von hieraus nicht abschließend zu beurteilen. Die Injektionstherapie ist nicht in erster Linie eine Schmerztherapie, sondern eine Therapie zur Verbesserung der Knochenqualität.

FranziPurfürst: Was sind Parathormone o.ä. Die soll ich bekommen, um Osteoporose vorzubeugen. Ich möchte aber keine Hormone, obwohl ich in den Wechseljahren bin. Konnte schon die Pille nicht vertragen.

DR. MED. KNUT BEHLE: Das Parathormon ist ein wichtiges Hormon der Nebenschilddrüse und reguliert unseren Knochenstoffwechsel, indem es immer für ausreichend Kalzium im Blut sorgt. Beim Parathormon in der Therapieversion handelt es sich um ein etwas verändertes Parathormon, welches auch in einem anderen Rhythmus als das natürliche Parathormon gegeben wird. Das veränderte Parathormon, welches mittels Injektionen verabreicht wird, ist eine der wenigenen Substanzen, die in der Lage ist, Knochemasse wieder aufzubauen. Andere Therapieoptionen beschränken sich häufig auf die Wirkung, den weiteren Knochenmassenverlust bei einer Osteoporose zu begrenzen.

Zakrzewicz: Ich habe den Eindruck neueste Forschungen zu Osteoporose sind sehr viel differenzierter und aufgeschlüsselter (ist ja meist so bei neuen Erkenntnissen!). Freue ich mich natürlich drüber, wenn diese Erkenntnisse dann in einem Medikament münden. Ich bin mit 63 (männlich) von Osteoporose betroffen. Erlebe ich noch was von den Ergebnissen dieser Forschung in Form von einem Medikament? Kann mir das noch helfen? Gibt es auch Aussagen darüber, was bei einem Mann in meinem Alter falsch läuft, dass ich überhaupt diese Krankheit bekommen habe?

DR. MED. KNUT BEHLE: Sie sprechen ein wichtiges Thema an. Die Osteoporose des Mannes ist in der Tat längere Zeit stiefmütterlich betrachtet worden. Lange Zeit hielt man die Osteoporose für eine typische Frauenkrankheit. Dies hat in der Folge dazu geführt, dass die allermeisten Medikamente bei ihren Zulassungsstudien an Frauen getestet worden sind. Dies hat ferner zur Folge, dass verhältnismässig wenige Medikamente zur Behandlung der Osteoporose des Mannes zugelassen sind. Dennoch ist die klinische Forschung so weit vorangeschritten, dass es auch für Sie eine adäquate Therapie geben müsste. Im Rahmen der Basisdiagnostik sollte eine entsprechende Blutuntersuchung durchgeführt werden, um Ursachen für eine sogen. sekundäre Osteoporose (durch andere Erkrankungen entstanden) ausgeschlossen werden kann.

Dittmer: Wie kann man in fortgeschrittenem Alter den Knochenstoffwechsel auf natürliche Weise anregen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Den Knochenstoffwechsel kann man selbst in fortgeschrittenem Alter ständig verbessern. Neben einer knochengesunden Ernährung, die ausreichend Vitamin-D und Kalzium enthalten sollte, kommt der Bewegungstherapie eine ganz wesentliche Bedeutung zu. Die Menschen, die regelmäßig Sport treiben, haben nicht nur eine verbesserte Knochenfunktion, sondern durch den Muskelaufbau sind auch Stürze in aller Regel deutlich seltener. Hier gilt der Grundsatz: Turne bis zur Urne.

Irmi_Störzel: Welche Art der Therapie ist besser Knochenabbau verhindern, oder Knochenaufbau fördern. Habe zwei Spezialistenmeinungen für jeweils das eine und das andere. Eigentlich müsste das doch abhängig sein, von der Ausgangssituation. Deshalb verstehe ich die unterschiedlichen Aussagen nicht. Ich bin 47 Jahre, hatte Brustkrebs. Brust blieb glücklicherweise erhalten, aber heftige Chemo. Da bin ich in der Zielgeraden. Danach stehen noch 5 Jahre Erhaltungsmedikation auf dem Zettel.

DR. MED. KNUT BEHLE: In der Tat gibt es zwei große Säulen, die bei der strategischen Osteoporosebehandlung etabliert sind. Die Indikation zur entsprechenden Therapiestrategie ist ganz wesentlich vom Einzelfall abhängig, so dass man nicht grundsätzlich das Eine oder das Andere favorisieren kann. Ganz häufig wird jedoch zunächst versucht, den weiteren Knochenabbau zu verhindern. Die Medikamente zur Förderung des Knochenaufbaus kommen aus verschiedenen Gründen häufig erst später in Betracht. Aus Ihrer Frage wird die Art der Erhaltungsmedikation zwar nicht eindeutig klar. Ich gehe davon aus, dass bei Ihnen eine mehrjährige Erhaltungstherapie mit Tamoxifen im Raum steht. Sollte dies der Fall sein, sollte in jedem Fall eine Basisdiagnostik im Labor und eine DEXA-Knochendichtemessung gemacht werden, um einen aktuellen Überblick über die Knochensituation zu gewinnen. In Abhängigkeit von dieser Befundkonstellation wird man dann einen individuellen Therapievorschlag mit ihnen erarbeiten.

He_Burckhardt: Wie ist es möglich, dass meine Schwester nicht bemerkt haben will, dass sie gleich mehrere Wirbelbrüche hatte. Überhaupt nicht vorstellbar für mich. Das muss doch mit Höllenschmerzen verbunden sein. Auf jeden Fall steht nun fest, dass sie Osteoporose hat. Eine Spritzentherapie hat sofort begonnen und im nächsten Schritt sollen die Wirbel mit Zement wieder aufgebaut werden. Dazu habe ich auch eine Menge nachteiliges gehört. Gibt es eine andere Möglichkeit?

DR. MED. KNUT BEHLE: Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass auch mehrere Wirbelbrüche ohne heftige Schmerzen auftreten. Insbesondere, wenn die Stabilität nicht in Mitleidenschaft gezogen ist, können mehrere Wirbelbrüche auch völlig asymptomatisch, d.h. ohne Schmerzen, vorkommen. Man könnte sich das im Prinzip so veranschaulichen, als wenn man sich auf einen Umzugskarton vorn draufsetzt und diese Kante dann etwas einsinkt. Dann ist auch der Karton nicht mehr unversehrt, trotzdem ist er in der Lage, noch eine weitgehend stabile Situation zu gewährleisten. Bei der sogen. Kyphoplastie wird in der Tat in den gebrochenen Wirbel über einen kleinen Zugang Knochenzement appliziert und der eingesunkene Wirbel wieder aufgerichtet und stabilisiert. Dieses Verfahren ist verhältnismäßig nebenwirkungsarm (es gibt auch noch eine Vertebroplastie). Das führt häufig zur sofortigen Schmerzfreiheit. Alternativ käme bei stabiler Wirbelkörpersituation auch eine Korsettversorgung in Betracht.

Dalek: Orthopäde und Endokrinologin empfehlen mir eine Vibrationsplatte. Ich habe mich in der Literatur umgesehen, wie viel Hertz eine seitenalternierende Platte haben sollte, und finde unterschiedliche Angaben. 14 Hertz? Oder über 20 Hertz? Ich habe Angst, wenn ich auf die falsche Platte steige, in meinen Knochen mehr kaputt zu machen als zu heilen

DR. MED. KNUT BEHLE: Die Behandlung mit einer Vibrationsplatte hat sich z.B. bei Astronauten bewährt, ist aber in der Regel als alleinige Therapie unzureichend. Die Höhe der Frequenz ist hierbei vergleichsweise nebensächlich. Im Vergleich zu dem zu erwartenden Benefit, ist allerdings die Investition zur Beschaffung einer Vibrationsplatte unverhältnismäßig. Ein regelmäßiges Muskelaufbautraining ist sicherlich deutlich preiswerter und effektiver.

Dörte-Uhlig: Meine Schwester ist 57 Jahre und hatte in den letzten 10 Jahren viel Pech mit ihrer Gesundheit. U.a. eine Brustkrebserkrankung, Bluthochdruck und einem kleinen Schlaganfall. Sie kam vor drei Wochen mit der Diagnose nach Hause „Sekundäre Osteoporose“. Die Auswirkungen verstehe ich, aber die Bezeichnung davor nicht. Was bedeutet das für die Therapie? Kann die Osteoporose wieder weggehen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Bei einer sogen. sekundären Osteoporose liegt eine andere Grunderkrankung vor (z.B. Hyperthyreose oder Cortisonüberproduktion). Bei der sekundären Osteoporose kommt der Behandlung der ursächlichen Grunderkrankung eine ganz wichtige Bedeutung zu. Diese Grunderkrankung muss zunächst behandelt werden, da hierdurch dann auch häufig die Grundlage für eine sekundäre Osteoporose nicht mehr besteht. Wenn die Grunderkrankungen erfolgreich behandelt werden, ist in der Regel die Ursache für die sekundäre Osteoporose beseitigt. Sollte dennoch die Knochendichte sehr schlecht sein, kommen immer noch die Medikamente zum Einsatz, die auch bei der primären Osteoporose verwendet werden.

Katja_Schunk: Ich bin nur 3 Jahre jünger, als meine Schwester aber deutlich fitter. Das war unser ganzes Leben so, auch wenn sie die ältere ist, konnte ich die meisten Dinge besser. Dazu gehört auch der Umgang mit dem Computer und Internet wo ich mich gern informiere. Sie leidet mit 81 Jahren an einer Altersosteoporose mit gelegentlichen Schmerzen, aber nicht durchgängig. Seit ca.10 Jahren hat meine Schwester Probleme mit den Nieren. Trotzdem bekommt sie Calcium und Vitamin D. Der Urologe schlägt jetzt stattdessen eine Spritze vor, die sie alle paar Monate bekommt. Ist das nierenschonender?

DR. MED. KNUT BEHLE: Bei einer Vielzahl von Osteoporosemedikamenten muss man auf eine gute Nierenfunktion achten. Dieses gilt vor allem für die gängigen Osteoporosemedikamente in Tablettenform. Bei der vom Urologen vorgeschlagenen Injektionstherapie, die alle 6 Monate durchgeführt wird, muss man eine eingeschränkte Nierenfunktion für gewöhnlich nicht beachten. Insofern ist der Rat Ihres Urologen auf die spezifische Situation Ihrer Schwester bezogen ein sehr guter Behandlungsvorschlag.

Urte_Brömmer: Seit drei Jahren bin ich in regelmäßiger Schilddrüsenkontrolle wegen kalter Knoten, damit sofort erkannt wird, wenn die sich verändern. An der Front ist Ruhe, aber jetzt kommt das Nächste, nämlich eine beginnende Überfunktion mit dem Hinweis, passen Sie auf Ihre Knochen auf, gehen Sie zum Frauenarzt oder Orthopäden. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

DR. MED. KNUT BEHLE: Eine vermehrte Überfunktion der Schilddrüse stellt tatsächlich einen Risikofaktor für das Entstehen einer Osteoporose dar. Aus verschiedenen Gründen ist deshalb die regelmäßige Schilddrüsenkontrolle, gerade auch bei den kalten Knoten unabdingbar. Aus verschiedenen Gründen ist selbstverständlich die Regulierung des Schilddrüsenhaushaltes vordringlich. Sollte eine gute Einstellung der Schilddrüsenhormone gelingen, wäre zum Einen der entsprechende Stoffwechsel reguliert und würde der negative Einfluss auf den Knochenstoffwechsel gleichzeitig unterbunden. Sollte dies durch die gängigen Verfahren nicht möglich sein, wäre in jedem Falle eine Knochendichtemessung mittels DEXA-Verfahren sinnvoll, um sich einen Überblick über den momentanen Knochenstoffwechsel zu verschaffen. Abhängig von diesem Ergebnis kann man Ihnen dann eine Therapieempfehlung geben.

Maydun: Wie erkennt man als Laie Osteoporose Anzeichen rechtzeitig? Ich fürchte, meine Mutter könnte die nächste Kandidatin sein. Früher hat sie sich ganz viel bewegt und Sport gemacht. Jetzt hat sie keine Lust mehr darauf und muss regelmäßig angeschoben werden. Nervt uns beide. Im Kopf weiß sie, wie wichtig das ist. Nützt aber nichts. Sie ist 69 Jahre und froh, wenn man sie in Ruhe lässt.

DR. MED. KNUT BEHLE: Bedauerlicherweise gibt es für die Osteoporose keine echten Frühzeichen. Wenn keine Osteoporosegefahr (z.B. durch familiäre Häufung) existiert, kommt neben der knochengesunden Ernährung der regelmäßigen körperlichen Betätigung eine besondere Bedeutung bei. Menschen, die sich häufiger körperlich betätigen bis hin zum moderaten Muskelaufbautraining fallen seltener und ziehen sich auch weniger Knochenbrüche zu. Dies ist eigentlich auch unabhängig von der vorhandenen Knochendichte. Naturgemäß ist die Frakturrate bei verminderter Knochenmasse natürlich deutlich höher.

Rhein: Puh, als Mann die Diagnose einer Osteop. muss man erst mal verkraften. Ist noch am Anfang. Ich versuche jetzt insgesamt was zu verändern. Das ist sauschwer. Aber ich bemühe mich echt. Welches Medikament bei den vielen, die es gegen Osteop. gibt, wäre für mich richtig?

DR. MED. KNUT BEHLE: Zunächst ist es einmal wichtig, dass bei Ihnen die Verminderung der Knochendichte rechtzeitig erkannt worden ist. In Abhängigkeit von der Laboruntersuchung und der DEXA-Messung kann man unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren zunächst die Behandlungsbedürftigkeit ermitteln. Ist neben der knochengesunden Ernährung, der körperlichen Betätigung und der Basistherapie mit Kalzium und Vitamin-D noch eine spezeifische Osteoporosetherapie erforderlich, stehen hier ausreichend wirksame Medikamente zur Verfügung.

Fred-Kienbaum: Wie funktioniert eine systemische Therapie, die den ganzen Körper beeinflusst in Sachen Osteoporose?

DR. MED. KNUT BEHLE: Grundsätzlich ist die Osteoporose ja eine Systemerkrankung. Das bedeutet, dass jeder Knochen in bestimmter Weise von der Verminderung der Knochendichte betroffen ist. Es gibt zwar einige Unterschiede bzgl. der verschiedenen Knochenarten. Aber im Grunde genommen bleibt die Osteoporose eine Systemerkrankung. Deshalb ist auch immer eine systemische Therapie erforderlich. Hier erreichen prinzipiell die verwendeten Substanzen das ganze Skelett.

Lucy_Guth: Ich konnte immer essen, was ich wollte und kam nie über einen BMI von18. Alle haben mich deswegen beneidet. Aber ganz so großartig ist das wohl doch nicht, denn jetzt wurde Osteoporose festgestellt und da soll ein Zusammenhang bestehen, dass ich kein Fett auf den Rippen habe. Offenbar kann man nicht viel mehr dagegen machen, als die Krankheit versuchen aufzuhalten. In meinem Alter (52) möchte ich gern noch wieder ganz gesund werden. Geht das wirklich nicht mehr?

DR. MED. KNUT BEHLE: Sie sprechen einen ganz wichtigen Aspekt der Osteoporose an. Es entspricht tatsächlich der internationalen Forschung, dass Menschen mit einem BMI von unter 20 ein erhöhtes Risiko für das Entstehen einer Osteoprose haben. Dies hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass im Fettgewebe immer noch etwas knochenschützendes Östrogen gebildet wird. Wenn Sie über längere Zeit einen niedrigeren BMI gehabt haben, haben Sie womöglich nicht die optimale, beste Knochenmasse erreicht (peak bone mass). Da spätestens bei Beginn der Wechseljahre die Knochenmasse zurückgeht, haben Sie mit der niedrigen maximalen Knochenmasse natürlich einen schlechten Start für die zweite Lebenshälfte. Neben den allgemeinen Empfehlungen zur Stärkung der Knochengesundheit, kann man Ihnen selbstverständlich auch medikamentös weiterhelfen. Ob Sie jedoch noch mal eine deutlich höhrere Knochenmasse erreichen werden, muss man mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Edith_Besolder: Osteoporose sorgt bei uns immer wieder für Gesprächsstoff. Das liegt daran, weil man oft was darüber liest und hört und sich dann mit der eigenen Familiensituation befasst. Da kam ganz erstaunliches bei heraus. Aber auch, dass Selbstmedikation nicht sinnvoll ist. Ich komme mir aber ziemlich blöd vor, wenn ich mit 44 Jahren und ohne Symptome meinen Hausarzt darauf anspreche. Ich habe das mal versucht, da hat er sehr kurz darauf reagiert und zur Besprechung meiner Schilddrüsenwerte zurückgekehrt. Die sind durch Substitution in Ordnung. Was also machen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Offenbar beschäftigt Sie das Thema der Osteoporose intensiver. Um für sich persönlich einen Standpunkt und eine Strategie zu entwickeln, wäre eine Beratung durch einen Osteologen sicherlich sinnvoll. Dieser könnte in Abhängigkeit von etwaigen Risikofaktoren Ihnen auch weitere Diagnostikmöglichkeiten nennen und eine entsprechende Empfehlung aussprechen. In jedem Falle wäre es wichtig, dass Sie sich vor den entsprechenden Diskussionen im Familienkreis einfach kompetent beraten lassen, um auch entsprechend sich zu positionieren.

Annike.Schnitzler: Warum ist es wichtig, dass Proliaspritzen langsam gespritzt werden? Spritzen machen mich nervös und ich bin immer froh, wenn es vorbei ist. Was würde passieren, wenn die Flüssigkeit flott injiziert würde? Käme mir sehr entgegen. Andererseits ist die ständige Pillenschluckerei keine Alternative für mich.

DR. MED. KNUT BEHLE: Zunächst haben Sie mit dem Denosumabspritzen eine sehr wirksame, nebenwirkungsarme Therapie gewählt. Die Geschwindigkeit der Injektion hat in unserem täglichen Gebrauch eigentlich nie einen Einfluss auf die Schmerzhaftigkeit oder Wirksamkeit gehabt. Die meisten Patienten lernen das Spritzen bei uns in der Praxis. Die Patienten können sich die Denosumab ähnlich wie bei der Zuckererkrankung selbst verabreichen.

Welters72: Neuerdings soll Osteoporose bereits unter Jugendlichen vorkommen. Wann müssen meine drei Töchter zur Knochendichtemessung. Die Älteste ist sehr sportlich, die Mittlere kann ich nicht motivieren für Sport, die Jüngste bewegt sich mit 14 Jahren normal, aber ohne großen Ehrgeiz.

DR. MED. KNUT BEHLE: Eine Knochendichtemessung in dem Alter Ihrer Töchter ist eigentlich nicht sinnvoll. Wenn nicht gerade außergewöhnlich schwere Stoffwechselerkrankungen bekannt sind, kann man auf eine Knochendichtemessung in diesem Alter in jedem Fall verzichten, zumal relevante Vergleichswerte für dieses Alter nicht existieren.

Marla_Jahn: Meine Oma hatte einen Witwenbuckel, meine Mama geht mit 68 sichtbar nach vorn gebeugt. Ich bin 36 Jahre und beunruhigt. Was muss auf meine To-do-Liste, ab wann?

DR. MED. KNUT BEHLE: Wenn sie in Ihrer Familie offenbar eine Häufung von Osteoporoseerkrankungen beobachten, sollten sie in jedem Falle eine Knochendichtemessung ins Auge fassen. Allerdings sind Sie mit 36 Jahren derart jung, dass bei Fehlen von anderen Risikofaktoren kaum eine behandlungsbedürftige Osteoporose resultieren wird. Sollten Sie jetzt allerdings verfrüht in die Wechseljahre kommen, wäre eine Knochendichtemssung zu diesem Zeitpunkt ratsam.

Wolfi.Zander: Meine Mutter hat als sie ca. 60 war immer wieder Husten entwickelt, aber alles war immer in Ordnung. Ist es auch noch. Trotzdem hat sich die Lunge zu einer Schwachstelle entwickelt. In einer Woche bekommt meine Mutter ein neues Hüftgelenk, trotz Osteoporose. Ich mache mir Sorgen, dass sie mit jetzt 79 doppelt gefährdet ist, dass das Gelenk nicht richtig hält und sie möglicherweise durch das Liegen Probleme mit der Lunge bekommt. Kann man was im Vorwege tun?

DR. MED. KNUT BEHLE: Für eine eigentliche Prophylaxe ist es jetzt relativ spät, wenn in einer Woche die Hüftgelenksoperation vorgenommen wird. Der Operateur wird ganz sicher sich einen Überblick über die Knochenqualität machen, um letztlich zu entscheiden, ob ein zemenfreies Implantat gewählt werden kann, oder die Hüftgelenksprothese zementiert werden muss. Da die Liegezeiten nach Hüftgelenksoperationen durch Verbesserungen der Operationsmethoden deutlich reduziert sind, wird Ihre Mutter sich sicherlich nicht lange im Bett aufhalten. Eine frühzeitige Mobilisation gehört heute zum Standard der Nachbehandlungen. In der anschließenden Anschlußheilbehandlung sollte dann eine weitere körperliche Stabilisierung möglich sein, um einen Knochenmassenverlust durch mangelnde Mobilisation zu vermeiden.

Garmisch: Wie kommen die einzelnen Substanzen an den richtigen Ort, um dort ihre Wirkung zu entfalten? Kann mir nur schwer vorstellen, dass Medikamente die durch Magen und Darm gehen in den Knochen landen…

DR. MED. KNUT BEHLE: Für gewöhnlich werden die wirksamen Substanzen an Transportproteine angelagert und kommen durch spezifische Transportsysteme nur an den Ort, an dem sie wirksam sein sollen. Dieses Prinzip gilt für fast alle Medikamente in Tablettenform.

Gianna-Scharnberg: Ich habe ein nicht ganz so gut funktionierendes Verdauungssystem. Kann man Verstopfung bekommen durch Calcium und VitaminD?

DR. MED. KNUT BEHLE: Da Kalzium und Vitamin-D auch in der normalen Ernährung vorkommen sind Störungen des Verdauungssystems außergewöhnlich selten. Auch ist eine Überdosierung, die Krankheitswert bekommen könnte, eigentlich nicht wahrscheinlich.



Ende der Sprechstunde.