Lungenkrebsmonat November: Chancen und Perspektiven für Patienten

Priv.-Doz. Dr. med. Martin Reck
Oberarzt des onkologischen Schwerpunktes
Leitung Studiensekretariat Onkologie
Krankenhaus Großhansdorf, onkologischer Schwerpunkt
Innere Medizin – Pneumologie
Wöhrendamm 80
22927 Großhansdorf

Tel.: 04102-601188
Fax: 04102-691317

m.reck@kh-grosshansdorf.de
www.kh-grosshansdorf.de
 
 
Schwerpunkte

• Diagnostik und Therapie von thorakalen Tumoren
• Untersuchung von neuen Therapieansätzen im Rahmen von klinischen Studien
• Medikamentöse Therapie von thorakalen Tumoren

PROTOKOLL

Lungenkrebsmonat November: Chancen und Perspektiven für Patienten

PD DR. RECK: Wir beginnen um 19 Uhr.

Renate T. : Mein Mann hat vor wenigen Tagen erfahren, dass er Lungenkrebs hat. Wir sind völlig verzweifelt und haben Angst davor, was jetzt auf uns zukommt. Eine Operation kommt nicht in Frage, sagen die Ärzte. Dafür sei der Krebs zu weit fortgeschritten. Dabei wollten wir doch noch eine Kreuzfahrt machen. Wird er die Klinik überhaupt noch einmal verlassen können, wenn die Behandlung erst einmal losgeht?

PD DR. RECK: Liebe Frau T., es gibt auch für eine fortgeschrittene Lungenkrebserkrankung gute Behandlungsmöglichkeiten. In der Regel handelt es sich dabei um eine medikamentöse Therapie, die in regelmäßigen Zeitabständen (Intervallen) verabreicht wird. Eventuell kommt auch eine Strahlentherapie in Frage. Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, ist in der Regel eine Erholung angezeigt. Da wäre sicherlich ein Ziel, wie eine Kreuzfahrt, eine gute Perspektive für Ihren Mann. Wenn die Behandlung startet, ist davon auszugehen, dass Ihr Mann nur phasenweise in die Klinik muss aber die meiste Zeit zu Hause verbringen kann.

Eve_Maack : Ist nicht kleinzellig und großzellig das Gleiche?

PD DR. RECK: Liebe Frau Maack, der Begriff kleinzellig und großzelliges Karzinom bezeichnen unterschiedliche Arten von Lungenkrebs. Für uns ist wichtig, dass sich die Behandlung eines kleinzelligen Krebses unterscheidet von der Behandlung eines großzelligen Lungenkrebses. Deswegen müssen wir die genaue Art der Erkrankung kennen. Der kleinzellige Lungenkrebs wird in der Regel mit einer Chemotherapie, eventuell mit einer Strahlentherapie, behandelt. Der nichtkleinzellige Lungenkrebs, zu dem auch das großzellige Karzinom zählt, wird - je nach Stadium der Erkrankung - entweder operiert oder auch mit einer Chemo-/Strahlentherapie behandelt.

Rudolf : Was bedeutet NSCLC?

PD DR. RECK: Lieber Herr Rudolf, der Begriff NSCLC steht für den englischen Begriff non-small-cell-lung-cancer und bedeutet nicht kleinzelliges Lungenkarzinom. Diese Krebsart ist der häufigste Lungenkrebs.

Heike D. : Ich habe von einem Antikörper gelesen, der bei Lungenkrebs eingesetzt wird. Antiköper kenne ich aber nur von der Impfung meiner kleinen Tochter. Ich habe absolut keine Ahnung, was das ist oder wie das bei Krebs funktionieren soll. Können Sie mir das erklären?

PD DR. RECK: Liebe Frau D., ähnlich wie Bakterien haben auch Krebszellen bestimmte Merkmale an ihrer Oberfläche, die von speziellen Antikörpern erkannt werden. Diese Antikörper werden aktuell unter anderem bei Patienten mit Lungenkrebs untersucht, besonders bei Patienten nach Operation eines Lungenkrebses, um die Chance auf eine komplette Heilung zu erhöhen.

Color : NSCLC ist ein Krebs, der sich besser heilen lässt als anderer Lungenkrebs. Ist der nur besser erforscht, oder ist der von seiner Art her besser zu behandeln?

PD DR. RECK: Lieber Color, das NSCLC ist der häufigste Lungenkrebs. Seine Heilungschancen hängen entscheidend von dem Stadium der Erkrankung ab, in dem entdeckt wird. Je früher das Stadium ist, desto größer ist die Chance auf eine Heilung. Aktuell werden viele neue Medikamente beim NSCLC untersucht, weil es der häufigste Lungenkrebs ist.

Nezumi : Gibt es weniger Rückfälle bei NSCLC? Welche Therapie ist besonders wirksam bei einem Rückfall? Nach welcher Zeit kommt der Krebs evtl. wieder? Was dann tun? Fragen, Fragen, Fragen. Wir sind dankbar für jede solide Antwort! Danke Dr. Reck!

PD DR. RECK: Lieber Nezumi, die Gefahr eines Rückfalls nach einer Lungenkrebserkrankung kann sehr schwer vorhergesagt werden und ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Auch die Behandlung eines Rückfalls unterscheidet sich von Patient zu Patient. Handelt es sich z. B. um ein frühes Stadium, wäre eventuell eine Operation zu prüfen. Handelt es sich um ein fortgeschrittenes Stadium, gibt es verschieden Arten von Chemotherapien und neuen Therapien, die wirksam sind beim NSCLC. Die Entscheidung über die beste Behandlung ist für jeden Patienten unterschiedlich.

S_Carstens : Ich habe ein Adenokarzinom im linken Lungenflügel NSCLC cT2, cN2, cM1. Eine Operation wird wegen der Metastase im Gehirn abgelehnt, was ich nicht verstehe. Es könnte doch wenigstens der Tumor aus der Lunge geholt werden. Stattdessen bin ich jetzt in einem Bestrahlungsmarathon. Das schlaucht total. Die Glatze ist eine Sache, aber es werden immer mehr Nebenwirkungen, z.B. ist meine taktile Sensibilität ganz stark eingeschränkt. Inzwischen weiten sich die Schmerzen auf den ganzen Körper aus. Vorwegschicken möchte, dass ich definitiv leben und nicht aufgeben will. Aber ich suche nach neuen Methoden. Was ist mit aushungern von Tumor und Metastasen? Was für andere Möglichkeiten gibt es noch? Bitte antworten, ich lese das dann später. Muss hier jetzt Schluss machen. Bin fertig und muss mich hinlegen.

PD DR. RECK: Lieber S_Carstens, vielen Dank für Ihre Frage. Die Strahlentherapie der Gehirnmetastasen ist für den Patienten eine sehr große Belastung. Trotzdem ist es wichtig, dass die geplante Strahlentherapie verabreicht wird, um die optimale Wirkung auf die Metastasen zu gewährleisten. Nach Abschluss der Bestrahlung und nach einer Zeit der Erholung wäre es sicherlich sinnvoll, eine Chemotherapie durchzuführen, um den Tumor in der Lunge zur Rückbildung zu bringen und "auszuhungern". Ich wünsche Ihnen für die anstehende Zeit alles Gute!

Chuck : Was ist der Unterschied zwischen einem nichtkleinzelligen Lungentumor und einem Adeno-Tumor?

PD DR. RECK: Lieber Chuck, der nichtkleinzellige Lungentumor ist ein Sammelbegriff für verschiedene Lungenkrebstypen, die sich unter dem Mikroskop voneinander unterscheiden. Der Adeno-Tumor, den wir auch Adeno-Karzinom nennen, ist einer dieser Typen.

Doren : Warum heißt der häufig auftretende Lungenkrebs nichtkleinzellig? Ist die Umkehr ohne Verneinung dann großzellig? Was sagt mir das als Patient?

PD DR. RECK: Liebe Doren, der Begriff nichtkleinzellig kommt aus der Zeit, als die Pathologen anfingen, verschiedene Lungenkrebsarten nach ihrem mikroskopischen Bild voneinander zu unterscheiden. Dabei stellten sich die Krebszellen des kleinzelligen Krebses klein dar und wurden daher kleinzelliges Karzinom genannt und die anderen Krebszellen wurden dementsprechend nichtkleinzellig genannt. Für Sie als Patient ist wichtig, welche Behandlung Ihnen Ihr Arzt vorschlägt. Der kleinzellige Krebs wird meistens mit einer Kombination von Chemo- und Strahlentherapie behandelt und bei einem nichtkleinzelligen Krebs würde man die Möglichkeit einer Operation prüfen.

Heinz : Es soll ein Medikament namens Avastin geben, dass der Krebs quasi verhungert. Allerdings gebe es diesen Stoff nur als Infusion. Wie oft muss man ihn denn nehmen, also wie oft bekommt man die Infusion?

PD DR. RECK: Lieber Heinz, das Medikament Avastin ist ein Antikörper, der dazu führt, dass sich die Blutgefäße, die den Krebs versorgen, zurückbilden. Das Avastin wird als Infusion alle drei Wochen verabreicht. Zuerst erfolgt diese Infusion in Kombination mit einer Chemotherapie. Nach Abschluss der Chemotherapie wird das Avastin als Erhaltungsbehandlung fortgeführt, solange der Krebs stabil ist.

H.Steudten : Mir wurden Teile des unteren rechten Lungenflügels entfernt und ich bekomme keine Chemotherapie. Natürlich bin ich darüber froh aber auch unsicher. Denn wenn der Tumor so groß war dass die ganze Spitze entfernt werden musste, wie können sich die Ärzte da so sicher sein, dass keine Chemo erforderlich ist? Solle ich eine zweite Meinung einholen?

PD DR. RECK: Lieber H. Steudten, die Notwendigkeit einer zusätzlichen Chemotherapie nach Operation eines Lungenkrebses hängt davon ab, ob zusätzlich zur Lunge auch Lymphknotenstationen befallen waren. Wenn keine Lymphknotenstationen befallen waren, kann es sein, dass eine Chemotherapie nicht erforderlich ist. Wenn Sie sich unsicher sind, würde ich Ihnen ggf. zu einer Vorstellung bei einem Onkologen raten, der vertraut ist mit der Behandlung von Lungenkrebserkrankungen.

B_Wendterodt : Wie ist die Perspektive, wenn ein mittelgroßer Tumor aus dem linken oberen Lungenlappen entfernt wurde und die Diagnose sagt Lymphknoten und den Phrenicus Nerv befallen? Welche Behandlung ist optimal?

PD DR. RECK: Lieber B_Wendterodt, wenn Lymphknoten und der Phrenicus Nerv befallen sind, heißt das, dass der Tumor zumindest Teile des Mittelfelds mit befallen hat. Auf jeden Fall würde ich prüfen lassen, ob zusätzlich zur Operation eine Chemotherapie und/oder eine Strahlentherapie des Mittelfelds sinnvoll ist.

Wernerköster : Wenn man ein wenig Blut aushustet, ist das dann immer ein Anzeichen für Bronchialkrebs? Was kann das sonst noch sein?

PD DR. RECK: Lieber Werner Köster, Bluthusten ist immer ein Alarmzeichen. Nicht immer ist Bluthusten ein sicheres Anzeichen für eine Lungenkrebserkrankung. Es kann z. B. während einer schweren Bronchitis auch einmal zum Platzen von kleinen Blutgefäßen kommen, was der Patient dann als Bluthusten bemerkt. Trotzdem sollte Bluthusten, vor allem, wenn er anhält, unbedingt abgeklärt werden mit einem Röntgenbild und eventuell mit einer Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie).

Frahm : Erst hatten wir ganz große Hoffnung, dass eine Tabletten-Behandlung die zudem noch weniger belastend ist (ist wirklich so!) eventuell die Wende bringen könnte. Dann habe ich durch eigene Recherchen begriffen, dass mein Lebensgefährte am Ende ist. Danach kommt nichts mehr. Das hat man uns nicht gesagt, sondern nur von den Vorzügen gesprochen. Ich finde das eine falsche Rücksichtnahme. Bin jetzt innerlich total zusammengeklappt und kann das noch nicht mal zeigen. Ist ein Arzt nicht verpflichtet auch diese Informationen weiter zu geben?

PD DR. RECK: Liebe Frau Frahm, die Diagnose einer fortgeschrittenen Lungenkrebskrankheit ist für den Patienten und für den Arzt eine sehr große Herausforderung. Manchmal ist es schwer, über die Grenzen einer Behandlung zu sprechen, manchmal ist es aber auch so, dass nicht alle Informationen wahrgenommen werden können. Grundsätzlich wäre es gut, wenn der behandelnde Arzt so ehrlich wie möglich über die Chancen und auch Grenzen einer Behandlung, gerade bei einer so schwierigen Erkrankung wie Lungenkrebs, spricht. Ob nach Versagen einer Tablettentherapie eine weitere Behandlung in Frage kommt, ist von dem einzelnen Patienten abhängig. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Lebensgefährten alles Gute!

Petta_Henschke : Zusätzlich zu Bestrahlung bekomme ich Cortison, was dazu führt, dass ich den ganzen Tag essen kann. Gibt es eine Möglichkeit das Cortison durch Antikörper zu ersetzen, damit diese unsägliche Gewichtszunahme aufhört. Das erscheint jetzt vielleicht kleinlich, weil es um mein Leben geht, aber ich finde es grausam, dass ich auch noch aussehe wie ein Puttenengel und kein Ende abzusehen ist.

PD DR. RECK: Liebe Frau Henschke, leider ist die Behandlung mit Cortison notwendig, um eine gefährliche Schwellung des Gewebes zu verhindern. Die Behandlung mit Cortison wird nach Abschluss der Bestrahlung ausgeschlichen werden, so dass sich auch Ihr Appetitverhalten wieder ändern wird. Leider gibt es momentan noch keine Möglichkeit, das Cortison durch einen entsprechenden Antikörper mit weniger Nebenwirkungen zu ersetzen.

Ma_Albrecht : Ein Leben ohne Arbeit kann ich mir nicht vorstellen. Das ist mein großes Ziel, da wieder zurück zu kehren. Mein Arbeitgeber ist eine Spedition und die sind super und möchten, dass ich zurückkomme, obwohl gerade in dieser Branche große Schwierigkeiten sind und mein Chef die Gelegenheit wahrnehmen könnte mich auf elegante Weise loszuwerden. Es wurde bei ein Stück der oberen Lunge entfernt. Trotzdem werde ich gerade wieder jeden Tag fitter. Ich weiß dass es solche neuen Biologischen Medikamente gibt. Greifen die erst, wenn wieder alles zu spät ist, oder kann ich die jetzt auch nehmen um einen Rückfall zu verhindern?

PD DR. RECK: Lieber Ma_Albrecht, wir wissen noch nicht, ob die neuen biologischen Medikamente, die gerade in Studien untersucht werden, wirklich geeignet sind, um einen Rückfall zu verhindern. Aktuell möchte ich Ihnen keines dieser Medikamente empfehlen. Sinnvoll ist es aber, dass Sie sich in eine regelmäßige Nachsorgeuntersuchung begeben bei einem erfahrenen Arzt.

Harun_Attar : Nach meiner ersten Lungenkrebs-Operation habe ich mir beim aufwachen Dinge eingebildet und komische Sachen gesehen, die gar nicht da waren. Das war schrecklich. Jetzt muss ich leider wieder operiert werden, weil ich einen Rückfall habe und habe Angst, dass das noch mal passiert. Woran kann das gelegen haben, an der Narkose? Gibt es unterschiedliche Narkosemittel

PD DR. RECK: Lieber Harun_Attar, das Auftreten von Halluzinationen oder Traumvorstellungen nach einer Operation ist nicht selten und hängt oft mit der Narkose zusammen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Narkose durchzuführen. Ich würde Ihnen empfehlen, ein Informationsgespräch mit dem verantwortlichen Narkosearzt vor der nächsten Operation zu suchen.

Simone F. : Meine Schwester wird mit Tarceva behandelt. Jetzt hat sie plötzlich einen Hautausschlag bekommen. Er sieht aus wie Akne. Der Arzt meinte, das sei ein gutes Zeichen. Das kann ich mir aber kaum vorstellen. Wissen Sie da eventuell mehr?

PD DR. RECK: Liebe Simone F., der Hautausschlag gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen bei einer Therapie mit Tarceva. Große Studien haben tatsächlich gezeigt, dass besonders Patienten, die einen Hautausschlag entwickelt haben, besonders von dem Medikament profitiert haben. Trotzdem ist es wichtig, dass der Hautausschlag entsprechend behandelt wird mit feuchtigkeitsvermittelnden Cremes und eventuell lokalen Cortison- oder Antibiotikapräparaten.

A-Barth : Es gibt so viele Studien, die alles mögliche belegen. Dann hört man immer von irgendwelchen Subgruppen, die besonders profitieren. Das stellt man dann auch noch heraus. Nach meinem Kenntnisstand ist es genau andersherum. Wenn die Studienergebnisse nicht so sind, wie gewünscht, dann geht man in die Subgruppen. Da muss man nur lange genug suchen und wird immer fündig. Die vielen Subgruppen-Erfolge sind also ein Zeichen dafür, dass die Hauptgruppen nicht überzeugt haben. Dafür werden Millionen Euro in den Sand gesetzt und es erhalten Medikamente eine Bedeutung, die ihnen nicht zukommt.Warum prangert das nicht mal jemand an? Warum schweigen die beteiligten Wissenschaftler und Forscher? Aus Angst ins berufliche Abseits zu geraten?

PD DR. RECK: Lieber A-Barth, jede klinische Studie, die unter standardisierten Bedingungen durchgeführt wird, hat ein klar definiertes, statistisch belegtes und nachvollziehbares Studienziel. Dieses Studienziel muss bei jeder Veröffentlichung dieser Studie klar formuliert werden. Sie haben Recht, dass manchmal Nebenergebnisse einer klinischen Studie aus unterschiedlichen Gründen unverhältnismäßig stark hervorgehoben werden. Es sollte das Ziel jedes Wissenschaftlers sein, sich auf die relevanten und vorher festgelegten Ziele einer Untersuchung zu beschränken.

Dreisow : Kann ich trotz Entfernung der Hälfte des rechten Lungenflügels wieder Kondition antrainieren. Kann man das Lungenvolumen trotzdem durch Training erweitern, so dass ich wieder mehr Luft bekomme?

PD DR. RECK: Lieber Dreisow, auch nach Entfernung eines Lungenflügels ist es möglich, sich wieder körperliche Kondition anzutrainieren. Natürlich wird man in der ersten Zeit den Verlust des zweiten Lungenflügels bemerken aber mit der Zeit wird die verbleibende Lunge die Funktion der kompletten Atmung übernehmen. Eine regelmäßige krankengymnastische Behandlung ist sicherlich sinnvoll.

Kadde : Es klingt super, dass irgendwelche Stoffe dafür sorgen, dass irgendwelche Wachtumsfaktoren lahmgelegt werden und es liest sich toll. Warum haben die Patienten dann trotzdem keine wirkliche Perspektive? Warum werden da bei uns Angehörigen Hoffnungen geweckt, die nicht erfüllt werden? Ich hasse das alles. Alles Lug und Trug und die Patienten sind nicht mehr als Teilnehmer um Ergebnisse für erweiterte Langzeitstudien zu erreichen.

PD DR. RECK: Lieber Kadde, die Behandlung des Lungenkrebses ist eine extrem schwierige Aufgabe. Wir lernen gerade, dass es nicht "die" Diagnose Lungenkrebs gibt, sondern dass jeder Patient seinen "eigenen" Lungenkrebs hat. Es gibt Medikamente, die bei bestimmten Patienten eine lang andauernde Stabilisierung der Krankheit bewirken können aber wir müssen erst lernen, diese Patienten unter den vielen Lungenkrebspatienten herauszufinden. Langfristig wird es so sein, dass wir versuchen, für jeden Patienten eine individuelle Behandlung zu erstellen aber dafür werden wir noch viele wissenschaftliche Untersuchungen brauchen. Ich weiß, dass Studien für den einzelnen Patienten enttäuschend verlaufen können aber es ist der einzige Weg, wie wir die Wirksamkeit unserer Behandlung wissenschaftlich belegen können.

anonym : Was ist staging?

PD DR. RECK: Lieber anonym, staging ist die Einordnung einer Krebserkrankung in ein bestimmtes Stadium. Dazu werden verschiedene Untersuchungen, wie beispielsweise Computertomographien oder PET-Untersuchungen durchgeführt, um ein genaues Bild von der Ausdehnung der Krebserkrankung zu bekommen und eine optimale Behandlungsempfehlung geben zu können.

Gesine H. : Ich nehme seit Anfang des Jahres Tarceva. Mein Arzt hat mir erklärt, dass das Medikament die Teilung der Krebszellen stoppt und die Zellen dann absterben. Warum kann man dann auf diesem Weg den Krebs nicht vollständig heilen?

PD DR. RECK: Liebe Gesine H., die Behandlung mit Tarceva führt dazu - wie Sie sagen -, dass die Teilung der Lungenkrebszellen und das Wachstum der Lungenkrebszellen gestoppt wird. Tarceva führt nicht zu einem vollständigen Absterben der Krebszellen und deshalb ist eine vollständige Heilung meistens nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, den Lungenkrebs möglichst in eine chronische Erkrankung umzuwandeln (wie z. B. eine Entzündung).

Staggi : Bei meiner Frau wurde im Oktober2006 ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom Aden, Stadium IV mit mehreren Lebermetastasen festgestellt. Eine lebensrettende Behandlung war nicht mehr möglich. Man gab ihr 6 Monate und nach 8 Monaten starb sie. Ich komme da nicht drüber hinweg und gucke immer noch nach neuen Behandlungsmethoden. Gab es damals schon diese Biologicals? Würde sie vielleicht noch leben? Erbitte Antwort, damit ich so oder so zur Ruhe kommen kann.

PD DR. RECK: Lieber Staggi, die neuen zielgerichteten Medikamente wurden erst in den letzten Jahren soweit entwickelt, dass sie zugelassen werden konnten von der Behörde. 2006 gab es die ersten Anfänge mit dem Einsatz von zielgerichteten Medikamenten, die aber nur für sehr bestimmte Patienten geeignet waren. Wir haben in den letzten zwei - drei Jahren unglaublich viel über die neuen Medikamente gelernt, was uns vor 2006 noch nicht bekannt war. Ich wünsche auch Ihnen alles Gute!

Mausi : Der Onkel meiner Freundin hat erfahren, dass er Lungenkrebs hat. Da er schon älter ist, recherchieren meine Freundin und ich nun gemeinsam für ihn und suchen Therapiemöglichkeiten. Was halten Sie von den Tabletten und Infusionen, die Ärzte zusätzlich zu der üblichen Behandlungen wie Chemo oder Strahlentherapie einsetzen?

PD DR. RECK: Liebe Mausi, es gibt auch für ältere Patienten geeignete Behandlungsmethoden von Lungenkrebs. Welche Art von Behandlung (ob Chemotherapie oder Strahlentherapie) am besten für den Onkel Ihrer Freundin geeignet ist, hängt von der Ausdehnung des Krebses und von dem Allgemeinzustand Ihres Onkels ab und sollte von einem erfahrenen Arzt beurteilt werden. Eine Tablettentherapie ist in Deutschland nur zugelassen nach Versagen einer Chemotherapie oder wenn ein bestimmtes Tumormerkmal (eine Mutation) vorliegt.

MODERATOR: Der Experte macht eine kurze Pause. Wir setzen die Beantwortung Ihrer Fragen in wenigen Minuten fort.

Helmuth : Im Dezember 2008 erhielt mein Bruder die Diagnose Bronchialcarzinom, Stadium IV inoperabel. 4 Monate später war er tot. Ich komme aus dem Loch nicht heraus. Er war das Oberhaupt der Familie, seit unsere Eltern tot sind. Die Familie fällt auseinander. Wir sind 5 Geschwister, jetzt nur noch 4 und haben Angst, dass wir das auch bekommen könnten, weil unsere Eltern auch an Krebs gestorben sind. Ist Lungenkrebs genetisch bedingt oder ist der Lifestyle entscheidend?

PD DR. RECK: Lieber Helmuth, soweit wir aktuell wissen, ist die Entstehung der Erkrankung Lungenkrebs überwiegend auf äußere Faktoren, wie z. B. das Rauchen, zurückzuführen. In ganz seltenen Fällen gibt es eine genetische Komponente dieser Erkrankung.

Heribert K. : In einem Forum habe ich etwas über einen Wachstumshemmer gelesen. Was ist das genau und wie wirkt diese Therapie? Vor einem halben Jahr wurde bei mir ein Tumor in der Lunge entdeckt - würden Sie mir zu einer solchen Therapie raten?

PD DR. RECK: Lieber Heribert K., als Wachstumshemmer bezeichnet man ein Medikament, das entweder das Wachstum von Krebszellen oder von Blutgefäßen beeinflusst. Diese Medikamente werden gegenwärtig im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung eingesetzt. Bevor man Ihnen zu einer Behandlung mit einem dieser neuen Medikamente raten könnte, müsste ich genau wissen, um was für einen Tumor es sich handelt.

Demirsay : Ich weiß jetzt, dass es unterschiedliche Arten von Lungenkrebs gibt, die unterschiedlich gut zu behandeln sind. Wie viele insgesamt? Welches sind die guten, welches die schlechten?

PD DR. RECK: Lieber Demirsay, grundsätzlich gibt es zwei Arten von Lungenkrebs - das kleinzellige Karzinom und das nichtkleinzellige Karzinom. Unter dem Begriff nichtkleinzelliges Karzinom sind das Adeno-Karzinom, das großzellige Karzinom und das Plattenepitel-Karzinom zusammengefasst. Alle diese Arten von Lungenkrebs sind bösartige Lungentumorerkrankungen, so dass es keine guten und keine schlechten Arten von Lungenkrebs gibt. Die optimale Behandlung des Lungenkrebses hängt wesentlich von dem Stadium der Behandlung ab.

Witte : Der neue Trend in der Krebstherapie sind Hemmer und Blocker. Machen die das wirklich oder sind das nur Begriffe, die Patienten beruhigen sollen? Meine Frau bekommt also jetzt einen Angionesehemmer und einen Egfrhemmer. Ich möchte ich gern beruhigen, aber es fällt so schwer. Kann mich Dr. Reck beruhigen, dass sie eine reelle Chance hat? Ich weiß inzwischen, dass es nur um Zeitgewinn geht, aber wie viel?

PD DR. RECK: Lieber Herr Witte, wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die neuen Medikamente wirksam sind bei Patienten mit Lungenkrebs. Es ist sehr schwer vorher zu sagen, wie lange diese Medikamente wirken werden, da sich diese Zeit von Patient zu Patient unterscheidet. Die Wirksamkeit der Medikamente muss man immer wieder während des Verlaufs der Behandlung beurteilen. Aber es gibt Patienten, die sehr sehr lange (bis hin zu Jahren) von diesen Medikamenten profitieren. Ich wünsche Ihnen für Ihre Frau alles Gute!

Tiede : Kann da ein Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Eierstockkrebs sein, oder ist das Zufall, was schwer zu glauben ist?

PD DR. RECK: Liebe Frau Tiede, manchmal gibt es Absiedelungen (Metastasen) eines Eierstockkrebses in der Lunge, die im Röntgenbild wie eine Lungenkrebserkrankung aussehen. Sehr selten treten eine Lungenkrebserkrankung und eine Eierstockkrebserkrankung unabhängig voneinander auf.

anonym : Bin 52 Jahre und arbeite als Sachbearbeiterin im Öffentlichen Dienst. Wegen einer Lungenkrebserkankung, die im Sommer diagnostiziert wurde drängt mein Arbeitgeber darauf, dass ich verrentet werde. Ich will das aber nicht. Können die das einfach so machen mit mir? Meine Perspektive sei gut bescheinigt die Klink.

PD DR. RECK: Liebe anonym, solange die Behandlung einer Lungenkrebserkrankung andauert, kann keine Berentung erzwungen werden, da Sie krank geschrieben sind. Ich würde Ihnen raten, dass sich Ihr behandelnder Arzt mit Ihrem Arbeitgeber diesbezüglich in Verbindung setzt.

Butz : 2005 OP, 2007 erneuter Tumor, OP mit Bestrahlung. Bekam Angstzustände und Hilfe durch den Krankenhaus-Psychologen. Bin aber seither in meinen Grundfesten erschüttert und es gelingt mir nicht, mich psychisch zu stabilisieren. Bekomme jetzt Psychopharmaka, bräuchte Selbsthilfegruppe. Wie komme ich daran?

PD DR. RECK: Lieber Butz, ich würde Ihnen raten, entweder über die Deutsche Krebsgesellschaft oder über den Krebsinformationsdienst (KID) weitere Hilfe zu suchen. Der Krebsinformationsdienst kann Ihnen Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe vermitteln, die E-Mail-Adresse lautet: krebsinformationsdienst@dkfz.de

Losty : Ist ein Keilschnitt noch die aktuelle Operationsform? Gibt es keine schonendere?

PD DR. RECK: Lieber Losty, eine Keilresektion ist ein Operationsverfahren, bei der ein Lungenkrebs mit einem möglichst kleinen Anteil an gesundem Lungengewebe entfernt wird. Für Patienten, bei denen eine "normale" Operation nicht möglich ist, ist diese Operation immer noch eine anerkannte Alternative. Im Einzelfall wäre eine endoskopische Operation zu überlegen.

Freak : Es soll Tabletten gegen Lungenkrebs geben. Das klingt irgendwie harmloser als Infusion, aber mein Bruder bekommt die trotzdem nicht. Woran kann das liegen? Lohnt es den Arzt darauf noch einmal anzusprechen. Angeblich hat mein Bruder das getan, aber das ging irgendwie nicht mit den Tabletten. Warum das so ist war ihm nicht so ganz klar. Es geht ihm momentan ganz schlecht und ich dachte vielleicht wäre das noch mal eine Möglichkeit.

PD DR. RECK: Lieber Freak, eine Behandlung mit Tabletten gegen Lungenkrebs ist möglich bei Patienten, bei denen eine Chemotherapie versagt hat oder bei Patienten, bei denen ein bestimmtes Merkmal an ihrem Lungenkrebs festgestellt wurde (Mutation). Die Möglichkeit einer Tablettentherapie muss von dem behandelnden Arzt beurteilt werden.

Mona : Meine Freundin hat eine Metastase in der Lunge, mehrere Tumore in der Leber, der Primärtumor soll ein Darmkrebs sein. Ich bin irritiert, dass der Darmkrebs und/oder der Lungenkrebs BEIDE nicht operiert werden sollen. Warum nicht? Die Ärzte sagen, das größte Problem sei die Leber. Aber man könnte doch neben der Chemo für die Leber operativ den Darm und die Lunge heilen, oder?

PD DR. RECK: Liebe Mona, aufgrund der Ausdehnung der Darmkrebserkrankung Ihrer Freundin ist es sinnvoll, sie mit Medikamenten zu behandeln, die über den Blutweg alle Orte, an denen sich Krebszellen befinden, erreichen können. Diese Behandlung ist die Chemotherapie. Eine Operation der Lunge würde die Prognose Ihrer Freundin wahrscheinlich nicht verbessern, sondern nur das Risiko einer Komplikation erhöhen.

Gustav_Wien : Ich habe mal gehört, dass Mnschen, die weniger als 10 Zigaretten pro Tag rauchen, nicht nennenswert gefährdet sind, häuiger an Lungenkrebs zu erkranken, als Nichtraucher. Das klingt unglaublich. Kann da etwas dran sein?

PD DR. RECK: Lieber Gustav_Wien, auch ein regelmäßiger Zigarettenkonsum von bis zu 10 Zigaretten pro Tag stellt eine höhere Belastung mit krebsfördernden Schadstoffen dar als das Nichtrauchen. Von daher ist auch bei diesen Menschen das Risiko einer Lungenkrebserkrankung erhöht, obgleich es niedriger ist als bei Patienten, die regelmäßig 20 Zigaretten oder mehr pro Tag rauchen.

D.Thielke : Neuerkrankungen 80% Männer. Häufigster Hintergrund: Rauchen. Gibt es Auswertung, ob sich die Lungenkrebserkrankungen reduziert haben durch das europaweite Rauchverbot?

PD DR. RECK: Lieber D_Thielke, in der Tat ist es so, dass z. B. in den letzten Jahren in Deutschland durch die flächendeckenden Rauchverbote die Neuerkrankungsraten an Lungenkrebs langsam zurückbilden. Die Daten werden regelmäßig vom Robert-Koch-Institut erfasst.

Boisen : Meine Frau hatte 2002 einen Lungentumor mit 2 Metastasen im Gehirn. Sie erhielt Bestrahlung, war teuflisch, aber das hat sie gerettet. Viele Nachuntersuchungen waren sehr gut im Ergebnis. Sie ist insgesamt auf einem guten Weg. Aber im Kopf hat sie Folgeschäden, womit wir nicht gerechnet haben. Ihr Gehirn ist schlecht durchblutet und insgesamt nicht altersgemäß. Ich befürchte, dass sie auf dem Weg zu einer Demenz ist. Kann das sein, kann man das aufhalten?

PD DR. RECK: Lieber Herr Boisen, leider gibt es aktuell keine anerkannte Behandlung von Spätschäden am Kopf nach Durchführung einer Strahlentherapie.

Overbeck : Wann werden Antikörper eingesetzt?

PD DR. RECK: Lieber Overbeck, es gibt unterschiedliche Antikörper, die in der Regel entweder gegen Krebszellen oder gegen Blutgefäße gerichtet sind. Gegenwärtig setzen wir sie ein bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Lungenkrebserkrankung in Kombination mit einer Chemotherapie.

KLAUS : Was heißt EGFR?

PD DR. RECK: Lieber Klaus, EGFR steht für epidermal grows factor receptor, was im Deutschen übersetzt wird mit epidermaler Wachstumsfaktor. Dieser Wachstumsfaktor findet sich bei vielen Krebsarten und führt zu einer Stimulierung des Tumorwachstums.

d.lories : Wie kann denn eine Tablettenbehandlung erfolgversprechender sein, als eine Infusion?

PD DR. RECK: Lieber D.lories, bestimmte Patienten haben ein Merkmal an ihrer Lungenkrebserkrankung (Mutation), die dazu führt, dass Tabletten (EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren) besser wirksam sind als eine Infusionsbehandlung (Chemotherapie).

Behnam : Wir finden es gut, dass man uns ganz viel sagt. Wir wurden auch gefragt, ob wir die Wahrheit wollen, die volle Wahrheit. Da kann man aber eigentlich nicht anders als ja sagen. Das haben wir auch gemacht. Es folgte ein sehr einfühlsames Gespräch. Aber da gab es viele Fachwörter, die wir nicht jedes Mal hinterfragt haben. Es ging um small molecule, also kleine Moleküle. Was für Auswirkungen die haben im Gegensatz zu größeren haben wir nicht verstanden. Es wäre sehr nett, wenn Dr. Reck das erklären könnte. Vielen Dank.

PD DR. RECK: Lieber Behnam, als small molecules bezeichnet man Medikamente, die in Tablettenform wirksam sind gegen die Lungenkrebserkrankung. Am häufigsten handelt es sich dabei um EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren. Das Gegenteil von small molecules - also große Moleküle - gibt es nicht. Die Entscheidung in der Behandlung besteht zwischen der Behandlung mit Tabletten oder der Behandlung mit einer Chemotherapie, die als Infusion gegeben wird.

Gagarin : Stadium IV mit Metastasen im Gehirn, Leber, Niere, Knochen, gibt es noch eine Therapie oder nur Schmerzbekämpfung bis alles zu Ende ist?

PD DR. RECK: Lieber Gagarin, auch im Stadium IV mit Metastasen in verschiedenen Organen gibt es die Möglichkeit einer Behandlung mit einer Chemotherapie, eventuell auch in Kombination mit einem Antikörper. Ob und in welcher Form so eine Behandlung sinnvoll ist, hängt ganz stark von dem einzelnen Patienten und seinen Beschwerden ab. Auf jeden Fall sollte neben der Chemotherapie alles unternommen werden, um mit lindernden Maßnahmen Schmerzen oder andere Beschwerden zu nehmen.

Beobachtung : Nach sechs Durchgängen mit Cisplatin und weiterer Substanz geht es mir körperlich relativ gut, seelisch sehr gut, aber gelegentliche Verunsicherung. Man nichts mehr nachweisen mit den versch. Bildgebenden verfahren. Meine Unsicherheit begründet sich darin, dass jetzt keine Therapie mehr kommen soll. Meine Frau hatte Brustkrebs und bekommt immer noch ein begleitendes Mittel (irgendwas pflanzliches). Gibt es so was für Lungenkrebs nicht um Metastasen zu verhindern?

PD DR. RECK: Lieber Beobachtung, zunächst einmal freue ich mich über das ausgezeichnete Ergebnis der Chemotherapie. In der Tat würde man jetzt eine regelmäßige Nachsorge durchführen, ohne unbedingt sofort mit einer aktiven Therapie, die ja auch Nebenwirkungen birgt, weiter zu machen. Inwieweit pflanzliche Präparate bei Lungenkrebs wirksam sind, ist umstritten und wissenschaftlich nicht bewiesen. Ich wünsche Ihnen für die nächste Zeit alles Gute!

Bulcy : Durch Gesundheitsreform ist der größte Teil der ergänzenden Medizin und Therapieverfahren aus der Erstattung genommen worden, mit wenigen Ausnahmen. Taugen die wirklich nichts, oder wurde das nur gemacht, anstelle einer Beitragserhöhung, damit die Betroffen selbst die Kosten übernehmen?

PD DR. RECK: Lieber Bulcy, in der Behandlung von Lungenkrebs gibt es keine pflanzlichen oder ergänzenden Medikamente, die in klaren wissenschaftlichen Studien Wirksamkeit bewiesen haben.

Mikro_Boffer : Es wird immer von durch Studien belegten Lebensverlängerung im Internet gesprochen. Aber bei Licht betrachtet ist das ganz marginal. Zunächst habe ich immer Hoffnung, wenn ich auf einen Treffer zu neuen Studien stosse und mich durch die Information durcharbeite. Dann kommt die Ernüchterung, wie gering der neue Zeitgewinn ist. Warum schürt die Wissenschaft erst Hoffnung und war das wieder nicht wirklich was zum Mut machen? Ich erzähle meiner Familie schon gar nichts mehr davon, weil uns das für meinen Vater nicht weiterbringt.

PD DR. RECK: Lieber Mikro_Boffer, in der Tat ist es so, dass nackte Studienergebnisse häufig sehr ernüchternd sind. Man muss jedoch berücksichtigen, dass sich hinter diesen Ergebnissen ein sehr breites Spektrum von Patienten verbirgt mit völlig unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Die Wirksamkeit einer neuen Behandlung entscheidet sich am einzelnen Patienten.

Stebut : Ich verstehe die Diskussion nicht, die immer häufiger bei uns aufkommt, ob eine Lebensverlängerung von wenigen Wochen oder Monaten Sinn macht. Kein Gesunder kann eine ethische Bewertung vornehmen, worin der Sinn und der Wert des Lebens liegt!!!! Ich spreche Gesunden einfach dieses Recht ab!!! Meine Mutter hat nur dafür gelebt die Geburt ihres Enkels zu erleben und ihn noch zu sehen. Kurz darauf war sie tot. Kein Außenstehender kann abschätzen, was das für die gesamte Familie bedeutet. Warum diese Diskussionen?

PD DR. RECK: Lieber Stebut, Sie haben Recht, dass es sehr schwierig ist, bei einer Erkrankung wie dem fortgeschrittenen Lungenkrebs als Außenstehender die Wirksamkeit einer Behandlung zu beurteilen. Ich habe es auch oft erlebt, dass Patienten auch einen Zugewinn von wenigen Wochen Lebenszeit sehr dankbar entgegen genommen haben und genutzt haben. Häufig ist das Ziel der Lungenkrebsbehandlung ja auch nicht allein die Verlängerung der verbleibenden Lebenszeit, sondern die Linderung der Beschwerden, die durch diese Erkrankung hervorgerufen wird.

Schulz12 : Was ist gegenwärtig das Neueste, das Beste, das Wirkungsvollste? Mein Vater soll das haben.

PD DR. RECK: Lieber Schulz12, es gibt aktuell eine Reihe von neuen, wirksamen Medikamenten, die für die Behandlung von Lungenkrebs entwickelt wurden. Um das richtige Medikament für Ihren Vater zu verordnen, sollte Ihr behandelnder Arzt genügend Informationen über die Art des Lungenkrebses über mögliche feingewebliche Merkmale und über das Stadium der Erkrankung haben.

RosaBruder : Der Chirurg im Krankenhaus gab mir die Adresse der hiesigen Selbsthilfe für Krebs. Was sicherlich nett gemeint ist, aber was soll ich mit Darmkrebs oder Brustkrebs anfangen? Da wurde mir empfohlen, selbst eine Gruppe zu gründen. Schöner Gedanke, aber mir fehlt die Kraft dafür. Ich finde das total heftig und unsensibel. Oder bin ich zu empfindlich?

PD DR. RECK: Lieber RosaBruder, nach einer Lungenoperation halte ich es für komplett nachvollziehbar, dass Ihnen die Kraft fehlt, sich selbst um die Organisation und Einrichtung einer Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs zu kümmern. Eventuell kann Ihnen der Krebsinformationdienst (KID) oder die Deutsche Krebshilfe mit Adressen von echten Lungenkrebs-Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe weiterhelfen.

Breuch : Meinem Vater wurde eine Tablettentherapie vorgeschlagen, die eine Chemotherapie sein soll. Das fällt schwer zu glauben, das so ein paar Tabletten genauso wirken wie eine von diesen Hammer-Infusion, die endlos langsam in den Körper geleitet werden. Da ist man sich des ganzen Dramas bewusst. Tabletten dagegen haben nicht diese Dramatik und Brisanz. Wirken die wirklich so gut, wie uns gesagt wurde?

PD DR. RECK: Lieber Breuch, in der Tat ist es so, dass Tabletten (EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren) in vergleichenden Studien genauso gewirkt haben, wie eine Chemotherapie, obwohl die Gabe viel weniger spektakulär ist.

PD DR. RECK: Ich möchte mich bedanken für die vielen ehrlichen und interessanten Fragen. Ich bin froh, dass die Krankheit Lungenkrebs aus dem Schattendasein hervorgekommen ist in den letzten Jahren und ich freue mich über die vielen neuen Erkenntnisse, die uns helfen, die Behandlung von Lungenkrebs zu verbessern. Ich wünsche allen Patienten und allen Angehörigen von Patienten alles Gute in dieser sehr schweren Zeit.



Ende der Sprechstunde.