Osteoporose verstehen: Symptome - Ursachen - Risiken

OrthopädieZentrum Maschen
Dr. med. Knut Behle
 
Facharzt für Orthopädie
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Osteoporose

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PROTOKOLL

Osteoporose verstehen: Symptome - Ursachen - Risiken

Herbie_Luis: Meine Frau (53) hat manchmal Knochenschmerzen und weil Osteoporose mit dem Klimakterium in Verbindung gebracht wird, bin ich in Sorge. Sind diese Knochenschmerzen ein Hinweis dafür?

Dr. med. Knut Behle: In der Tat kommt die Osteoporose gehäuft zuerst in den Wechseljahren zum Vorschein. Unspezifische Knochenschmerzen sind eher untypisch, können aber ein erster Hinweis sein. Eine behandlungsbedürftige Osteoporose im Alter von 53 Jahren ist aber eher die Ausnahme. Bei familiärer Häufung bietet sich eine Basisdiagnostik an (DEXA-Messung und Labordiagnostik).

S.Settler: Was macht Rauchen mit Knochen? Wo ist der Zusammenhang?

Dr. med. Knut Behle: Das Rauchen und die damit verbundene Nikotinexposition führt zu einer grundsätzlichen Störung der Durchblutung. Dies führt in den kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren) zu einer Verengung. Das stört die Stoffwechselsituation am Knochen. Studien haben gezeigt, dass schon junge Raucher später im Leben eine verminderte Knochendichte und damit ein erhöhtes Osteoporoserisiko haben.

Gabi: Bei mir wurde vor einigen Jahren Osteoporose in der LWS und Osteopenie in den Hüftgelenken festgestellt. Sowohl in der LWS als auch in den Hüftgelenken habe ich Arthrose. Wie sieht es aus, wenn meine Hüftgelenke irgendwann einmal erneuert werden müssten. Ginge das überhaupt? Vielen Dank schon mal für eine Antwort Dr. Behle.

Dr. med. Knut Behle: Sie sprechen ein häufiges Phänomen an, nämlich das Arthrose und Osteoporose zeitgleich auftreten. Die verminderte Knochendichte an den Hüftgelenken zwingt den Operateur, sich vorzeitig über geeignete Implantate Gedanken zu machen und vor allem die Verankerung der Implantate (zementiert oder nicht-zementiert) zu bedenken. Prinzipiell sind Prothesenimplantationen bei Osteoporose aber kein großes Problem. Die Rehabilitationszeit verlängert sich für gewöhnlich nicht.

Geranie: Ist eine Knochendichtemessung notwendig, wenn man über einen längeren Zeitraum Prednison in einer geringen Dosierung (5mg pro Tag) nimmt?

Dr. med. Knut Behle: Da die Cortisoneinnahme einen erheblichen Risikofaktor für das Entstehen einer Osteoporose darstellt, muss man sich rechtzeitig um die Knochenmineraldichte kümmern. Bis vor einigen Jahren hat man eine Tagesdosis von 7,5mg pro Tag noch für tolerabel gehalten. Inzwischen ist diese Grenze aber deutlich nach unten korrigiert worden. Bereits eine Einnahme von 2,5mg pro Tag für mehr als drei Monate erhöht das Osteoporoserisiko. Diese Erkenntnis ist noch nicht alt und zeigt, dass die aktuelle Forschung sich immer noch mit den Risikofaktoren beschäftigt.

Jenny17: Ich mache mir ganz große Sorgen um meine Tochter. Sie ist 17 Jahre und seit zwei Jahren magersüchtig. Wenn ich das richtig beurteile fehlen ihr entscheidende Aufbaujahre für alles. Organe, Knochen und in allererster Linie psychische Stabilität. Bei den Knochen kann man ja vielleicht was machen. Meine Frage ist deshalb, ob Medikament, also ich meine richtige, verschreibungspflichte Medikament vielleicht für sie geeignet sind, um ihren Knochen zu einer dauerhaften Stabilität zu verhelfen und sie aus der allgemeinen Mangelsituation herausbringen. Ich bin immer hin- und hergerissen zwischen Sorge, Wut und Verzweiflung.

Dr. med. Knut Behle: Die Magersucht ist aus verschiedenen Gesichtspunkten eine sehr schwierige Erkrankung. Neben den psychischen Problemen stellt, wie Sie richtig beschreiben, die fehlende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen eine erhebliche Problematik dar. Da in der Regel die magersüchtigen Personen einen schwierigen Zugang zur Einnahme von Medikamenten und naturgemäß auch zu gesunder Ernährung haben, ist insgesamt die Behandlung außerordentlich schwierig. Hier bedarf es der engen Zusammenarbeit von Psychologen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen, um dieses Problem zu lösen. Hierbei kommt der Versorgung des Knochens mit Kalzium und VitaminD eine besondere Bedeutung zu, da hier bei Magersüchtigen oft erhebliche Defizite auftreten, die auch später im Leben kaum noch kompensiert werden können. Sollte es gelingen eine adäquate Ernährungssituation herzustellen, kann eine weitgehend normale Knochendichte erreicht werden.

Waldner: 11 Jahre lang habe ich unterschiedliche Anti-Depressiva genommen. Immer mal wieder versucht abzusetzen, was aber nicht gelang. Jetzt endlich bin ich seit knapp einem Jahr ganz ohne Medikation, habe noch in größeren Abständen Kontakt zu meinem Psychiater. Neulich sagte er mir, ich solle mich mal um meine Knochen kümmern. Ist das wirklich so, dass Anti-Depressiva generell, oder nur einige den Knochenstoffwechsel stören?

Dr. med. Knut Behle: Der behandelnde Psychiater hat völlig Recht. Eine längere Behandlungszeit mit Antidepressiva ist ein Risikofaktor für das Entstehen einer Osteoporose. Insofern ist es sehr günstig, dass Sie wohl schon seit vielen Monaten auf die Einnahme von Antidepressiva verzichten können. Normalerweise besteht das erhöhte Risiko nach zweijähriger Medikamentenabstinenz nicht mehr.

Anna: Wann werden Bisphosphonate eingesetzt? Wann ist eine Infusion und wann eine Tabletteneinnahme sinnvoll? Bezahlen die Krankenkassen bei Osteoporose Vitamin D?

Dr. med. Knut Behle: Bisphosphonate werden seit 20 Jahren erfolgreich bei der Behandlung der Osteoporose eingesetzt. Im Prinzip ist es gleichgültig, ob Bisphosphonate als Infusion, oder als Tabletten eingenommen werden. Da die Tabletteneinnahme an enge Bedingungen geknüpft ist und häufiger zu Überkeit u.ä. Problemen führt, ist die Infusionstherapie eine sinnvolle Alternative. Bei einer behandlungsbedürftigen Osteoporose sind die Bisphosphonate ebenso wie Kalzium und VitaminD eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Übernahmebedingung der gesetzlichen Krankenkassen der DEXA-Massung und verschiedener Therapien sind allerdings immer im Fluß, so dass in wenigen Monaten schon wieder andere Rahmenbedingungen vorherrschen können.

Micky: Meine Mutter erhielt die Auskunft, dass sie aufgrund mehrerer Wirbelbrüche Grad 3, also eine fortgeschrittene Osteoporose mit erheblich reduzierter Mineralisierung der Knochen hätte. Einfach so aus dem Nichts kommt das wohl nicht, aber sie kann sich an keine besonderen Vorkommnisse oder Anzeichen erinnern. Ist das überhaupt möglich? Sie soll leichte Übungen ohne Verletzungsrisiko machen und bekommt nach anfänglichen Tabletten jetzt Spritzen. Diese Umstellung findet sie angenehm. Sie nimmt nicht gern Tabletten ein. Ist das egal, bei gleicher Wirkung?

Dr. med. Knut Behle: Es ist tatsächlich häufig so, dass sich eine fortgeschrittene Osteoporose erst durch das Auftreten von Wirbelbrüchen zeigt. In jedem Fall ist es sehr sinnvoll, dass Ihre Mutter offenbar eine spezifische Osteoporosetherapie begonnen hat. Hier soll noch einmal auf die parallel durchzuführende Basistherapie mit Kalzium und VitaminD hingewiesen werden. Ein weiterer Therapieansatz ist ein moderates Muskelaufbautraining, welches sich an den Möglichkeiten orientiert. Hier können für gewöhnlich die Osteoporose-Selbsthilfegruppen eine Hilfe darstellen.

Heiner: Macht es Sinn Osteoporosemedikamente auch mal zu wechseln? Nutzt sich die Wirkung ab mit der Zeit?

Dr. med. Knut Behle: Ein Wechsel von Osteoporosemedikamenten ist manchmal zwingend. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen und Medikamenten, die den Knochen aufbauen. Sollte z.B. bei einer Therapie mit Hemmung des Knochenabbaus trotzdem die Knochendichte weiter absinken, oder sogar weitere Brüche auftauchen, wird man über den Wechsel zu einem Knochen aufbauenden Medikament entscheiden müssen. Aufgrund der unterschiedlichen Chemie der Medikamente ist die Wirkungsdauer nach der Einnahme sehr unterschiedlich. Deshalb sollte mit einem Osteologen die geeignete Behandlungsstrategie abgestimmt werden.

Mel_Volpe: Ist da ein Unterschied in der Auswirkung auf das Knochensystem, ob ich Asthma-Spray benutze oder im Akutfall eine hochdosierte Cortison-Spritze bekomme?

Dr. med. Knut Behle: Es besteht grundsätzlich ein Unterschied zwischen der Auswirkung eines Asthmasprays, einer Cortisonspritze und der Therapie mit Cortisontabletten. Verhältnismässig unproblematisch für den Knochen ist die Cortisonspritze im Akutfall. Beim Asthmaspray kommt es erheblich auf die Dosierung an. Werte von über 2.000µ haben langfristig Auswirkungen auf die Knochendichte. Am problematischten ist die Dauermedikation mit Tabletten mit einer Tagesdosierung von über 2,5mg pro Tag.

Ziad: Was ist K2 für ein Vitamin? Wie wichtig oder sogar notwendig ist es für die Knochenstärkung?

Dr. med. Knut Behle: Bis vor einigen Jahren stand der Hauptaugenmerk bei der Vitaminversorgung bei der Osteoporose auf dem VitaminD. Die Bedeutung von VitaminK2 ist noch nicht so lange bekannt. Studien haben gezeigt, dass die Knochendichte bei einer Gabe von Kalcium und VitaminD3 sich deutlich stabilisiert. Durch die Gabe von ca. 100µg wurde dieser Effekt noch deutlich verstärkt. In neueren Studien wurde sogar die tägliche Einnahme von täglichen 180µg empfohlen.

Julia-Rose: Sind ältere Medikamente zwangsläufig schlechter? Andererseits sind sie länger erprobt. Versuche, mich gerade schlau zu machen über die sehr unterschiedlichen Wirkansätze. Dankenswerterweise bezieht mein Arzt mich sehr gut mit ein und ich recherchiere die erhaltenen Informationen nach. Unklar ist mir dennoch, wonach entschieden wird, wann welches Wirkprinzip am besten ist. Gibt es da eine Faustregel?

Dr. med. Knut Behle: Sie haben das Spannungsfeld in der Therapie sehr gut umschrieben. Die Medikamente, die bereits seit 20 Jahren erfolgreich verwendet werden sind selbstverständlich bestens erprobt. Auf der anderen Seite gibt es auch Medikamente, die erst seit sieben oder acht Jahren verwendet werden. Diese verfügen häufig über einen etwas anderen Therapieansatz, sind selbstverständlich gut getestet, aber Langzeitbeobachtungen sind naturgemäß noch nicht vorhanden. Ich finde es gut, dass Ihr behandelnder Arzt Sie in die Therapiestrategien mit einbezieht, da das Verständnis für die Wirkungsweise häufig sehr wichtig ist. Viele sinnvolle Therapien werden oft ohne Wissen des behandelnden Arztes unterbrochen oder sogar beendet. Dies ist natürlich bei einer chronischen Erkankung wie der Osteoporose höchtproblematisch. Insofern ist es immer eine individuelle Therapieentscheidung. Eine Faustregel gibt es hier nicht.

Christa Acosta: Ich habe seit 2015 Osteoporose habe mehre Brüche an der Wirbelsäule bin 10cm geschrumpft.....nehme Alendronsäure gehen die Schmerzen auch mal weg?

Dr. med. Knut Behle: Wichtig ist, dass Sie die Alendronsäure zur Behandlung der Osteoporose regelmäßig einnehmen. Das Medikament ist in der Lage, die Knochendichte wirksam zu verbessern, oder zumindest deren Rückgang aufzuhalten. Alendronsäure ist kein klassisches Schmerzmedikament, so dass es hier weiterer Medikamente bedarf, um Ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Wahl der Schmerzmedikamente muss im Prinzip mit den behandelnden Ärzten abgestimmt werden.

ErwinKöhler: Meine Mutter und jetzt auch meine Schwiegermutter sind beide an Osteoporose erkrankt. Leider ist das erst in fortgeschrittenem Stadium festgestellt worden. Meine Mutter hat 3 Wirbelbrüche, die aber schon fast wieder geheilt sind, allerdings nicht gerade, weil keiner davon wusste. Meine Schwiegermutter hat Risse im rechten Oberschenkelhals. Wir sind gerade völlig konsterniert. Wer hat die bessere Perspektive?

Dr. med. Knut Behle: Wichtig für die Therapieentscheidung ist prinzipiell das Zehnjahresrisiko für Wirbelkörper- und Hüftfrakturen. Liegt dieses Risiko bei über 20 Prozent, muss eine spezifische Diagnostik und eine stadiengerechte Therapie erfolgen. Liegen bereits osteoporotischbedingte Brüche vor, ist in jedem Fall eine spezifische Therapie mit zugelassenen Medikamenten erforderlich. Die grundsätzliche Prognose (Perspektive) ist vom Alter, den Begleiterkrankungen und den Ergebnissen der DEXA-Messungen abhängig.

Kino: Seit 5 Jahren nehme ich Medikamente, um die damals diagnostizierte Osteoporose unter Kontrolle zu bekommen. Soooo gern würde ich mal eine Pause machen. Geht das überhaupt? Was passiert in dieser Zeit?

Dr. med. Knut Behle: Die Therapiedauer und die Frage von Therapiepausen wird gerade intensiv diskutiert. Es gibt Medikamente (z.B. Denosumab) bei denen eine Therapiepause nicht sinnvoll ist, da die Knochendichte innerhalb weniger Monate wieder erheblich absinkt. Bei Bisphosphonaten ist dieser Effekt nicht so ausgeprägt, da diese länger am Knochen wirksam bleiben. Aber auch hier ist die Frage der Therapiepause von individuellen Parametern wie T-Score (Ergebnis der Knochendichtemessung), vorhandenen Brüchen und Risikofaktoren abhängig.

MarcelBasri: Ist Kalziumsalz nützlich? Habe durch mehrjährige Einnahme von Säureblockern offenbar eine Osteopenie.

Dr. med. Knut Behle: Die Einnahme von Säureblockern über eine lange Zeit verhindert in der Tat eine ausreichende Kalziumaufnahme. Für gewöhnlich sollte eine kalziumreiche Ernährung eigentlich den Bedarf decken. In Ihrem Sonderfall kann eine Ergänzung von Kalzium z.B. mit Kombinationspräparaten von Kalzium und VitaminD sinnvoll sein. Hier ist ein Wert von 1000mg Kalzium pro Tag leicht zu merken.

Jascha-Jörges: Wir haben das Problem, dass mein Bruder von unserer Mama eine Niere gespendet bekam. Trotzdem muss er Blutverdünner nehmen. Was wir nicht wussten ist, dass dadurch die Knochensubstanz leiden kann und das ist bei ihm passiert, mit 37 Jahren! Herausgekommen ist das durch einen Sturz und Schienbeinbruch. Kann man seine Knochen trotzdem wieder stabil bekommen?

Dr. med. Knut Behle: Sollte Ihr Bruder einen sogen. VitaminK-Antagonisten verschrieben bekommen haben, besteht durch die mangelnde VitaminK-Versorgung möglicherweise ein Zusammenhang. Auf den ersten Blick erscheint dies aber als Begründung für die offenbar bestehende Osteoporose aber nicht ausreichend. Hier könnte möglicherweise die Ursache für die Nierentransplantion eine größere Rolle spielen. Sollte z.B. eine fortgeschrittene Nierenerkrankung vorgelegen haben, die mit einem Hyperparathyreoidmus vorgelegen haben, wäre hier sicherlich die führende Ursache für die Knochenprobleme zu suchen. Diese Problematik sollte unbedingt mit dem Nephrologen erörtert werden, der anhand der Laborwerte bezüglich der Knochenumbauparameter hier wertvolle Hinweise liefern kann. Hiervon ist ggf. auch die weitere Therapieempfehlung abhängig.

Asmus:H: Ich stelle fest, je älter ich werde, desto mehr kommt dazu was Zipperlein aber auch richtige Krankheiten anbelangt. Niemals habe ich mir träumen lassen, dass ich als Mann mal was mit Osteoporose zu tun haben würde. Meine Schwester bekommt Spritzen. Ich soll Pillen kriegen. Warum? Ist die Wirkung beim Mann anders, als bei Frauen?

Dr. med. Knut Behle: Grundsätzlich ist es schon mal wichtig, dass bei Ihnen eine Osteoporose offenbar diagnostiziert worden ist. Somit kann man sich dieses Problems annehmen. Die Wirkung der verschiedenen Medikamente ist prinzipiell bei Männern und Frauen gleich. Es gibt aber Medikamente, die für die Therapie der Osteoporose des Mannes nicht zugelassen sind. Insofern gibt es Unterschiede bei der Therapie der Osteoporose des Mannes und der Frau. Prinzipiell bestehen aber ausreichende Therapieoptionen.

Sandra67: Gibt es so etwas, wie Knochenarmut? Was für ein Begriff! Sagt eigentlich nichts aus, aber man kann sich alles drunter vorstellen. 51 Jahre und beunruhigt durch diese Diagnose. Was muss ich tun, wie geht es weiter außer Bewegung und VitaminD?

Dr. med. Knut Behle: Der Begriff Knochenarmut wird international so nicht verwendet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kennt im Prinzip nur einen Normbereich, die Osteopenie (Verminderung der Knochenmasse) und einen Bereich Osteoporose. Die Therapieempfehlung richtet sich nach dem Alter, nach dem Stadium des Kochenmasseverlustes (siehe oben angegebene Bereiche) und an Begleiterkrankungen. Aus der Zusammenstellung aller Einzelinformationen wird man Ihnen dann eine Therapieform empfehlen.

Karla: Ist Raloxifen gleich zu setzen mit einer Hormonbehandlung in und nach den Wechseljahren? Das will ich nämlich nicht. Suche nach einer Therapie ohne Hormone. Bringt ja nichts, die Osteoporose zu bekämpfen und dafür Brustkrebs zu bekommen.

Dr. med. Knut Behle: Auch die Therapie mit Hormonen ist im Moment Gegenstand von intensiven Forschungen. Das Raloxifen gehört zur Gruppe der Selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM). Diese Stoffgruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sie tatsächlich am Knochen wie ein Östrogen, nämlich schützend wirkt, aber keine negative Auswirkungen auf evtl. hormonabhängig wachsende Tumore besitzt. Insofern ist Ihre Sorge bei der Raloxifeneinnahme unbegründet. Gegenstand der Forschung ist im Moment eine sinnvolle Nutzung der Hormonersatztherapie, da hier auch die typischen Wechseljahrsbeschwerden mitbehandelt werden können. Ob dies eine sinnvolle Therapieoption sein kann, wird sich aber erst in den nächsten Jahren entscheiden.

Joho: Wenn das Ellenbogengelenk stark schmerzt und eine Art Instabilität entsteht, ist das möglicherweise ein Hinweis auf Osteoporose?

Dr. med. Knut Behle: Bei der Osteoporose handelt es sich um eine generalisierte Erkrankung des Skelettsystems. Die typischen Prädilektionsstellen für die Manifestation einer Osteoporose sind die Wirbelsäule und das Hüftgelenk. Eine isolierte Osteoporose im Bereich des Ellenbogengelenkes ist mir nicht bekannt.

Merit: Es wird immer vom Tannenbaumphänomen gesprochen, als Indikator für osteoporosebedingte Wirbelbrüche. Wie unterscheidet man das als Laie von Speckröllchen? Meine Mutter hat diese Tannenbaumoptik, aber m.E. liegt das an ihrem Übergewicht, nicht stark, aber sichtbar.

Dr. med. Knut Behle: Beim Tannenbaumphänomen handelt es sich tatsächlich um ein spätes Zeichen einer bestehenden Osteoporose. Dieses tritt eigentlich bei einer vermehrten Vornüberbeugung und beim kleiner werden von eher schlanken Menschen zutage. Aufgrund des Entstehungsmechanismus liegen hier die Hautfalten auch recht dicht beieinander. Bei eher fettinduzierten Faltenbildungen finden sich in der Tat zwischen den Falten mehr oder weniger ausgeprägte Speckröllchen. In der Tat ist es so, dass ein LEICHTES Übergewicht durch Fett vor Osteoporose schützt.



Ende der Sprechstunde.