Osteoporose: Beste Gegenmaßnahmen vom Experten

OrthopädieZentrum Maschen
Dr. med. Knut Behle
 
Facharzt für Orthopädie
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Fax: 04105-5805629

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PROTOKOLL

Osteoporose: Beste Gegenmaßnahmen vom Experten

WunnarWeidemann: Brauche dringend eine Schmerztherapie gegen Knochen- und Gelenkschmerzen für meine Tante. Sie ist 74 und hat Osteoporose. Möchte sie aus dem Teufelskreis von Schmerzen, falscher Haltung und kaum Bewegung herausholen. Was ist geeignet?

DR. MED. KNUT BEHLE: Eine adäquate Schmerztherapie ist in jedem Falle sinnvoll. Die Auswahl des richtigen Schmerzmittels (ggf. in Kombination mit anderen Medikamenten) hängt im Wesentlichen von den Begleiterkrankungen Ihrer Tante ab. Neben den knochenspezifischen Medikamenten, welche den Knochenabbau hemmen, ist in jedem Falle eine vernünftige Schmerztherapie sinnvoll, um einen normalen Tagesablauf und u.U. ein moderates Muskelaufbautraining zu ermöglichen.

Rastatt: Wegen einer beginnenden Osteopor. soll ich langfristig Tabletten nehmen Vitamin D und noch was, damit das nicht weitergeht. Wie lange ist das erforderlich, was passiert, wenn ich die Tabletten irgendwann absetze möchte? Ich bin 59 Jahre.

DR. MED. KNUT BEHLE: Da es sich bei der Osteoporose um eine Erkrankung handelt, deren Ausprägung im Alter gewöhnlich zunimmt, reden wir fast immer über eine Dauertherapie. Ein Pausieren der knochenspezifischen Therapie wird nur in Ausnahmefällen empfohlen. Bei verschiedenen Medikamenten nimmt die Knochendichte nach Absetzen innerhalb von 6 Monaten dramatisch ab. Bei guter Verträglichkeit ist eine langfristige Einnahme auch risikoarm.

Daggi.Heyer: Ich war immer schlank. Dafür wurde ich beneidet, aber jetzt im Alter (werde ich zwar immer noch beneidet) ist das offenbar nicht gut. Ich soll möglichst ein paar Kilos drauflegen. Stimmt der Spruch dünner Mensch – dünne Knochen?

DR. MED. KNUT BEHLE: In der Tat stellt ein geringes Körpergewicht (BMI unter 20) einen Risikofaktor für die Osteoporose dar. Im Fettgewebe wird immer noch etwas Östrogen gebildet, was den Knochen vor dem Abbau schützen kann. Bei wenig Fettgewebe wird auch wenig Knochenschutz produziert. Hier kann durchaus ein moderates Kraftraining und eine knochengesunde Ernährung hilfreich sein.

Glückauf: Wegen dieser nicht rechtzeitig erkannten Krankheit verliert meine 78jährige Mutter gerade ihre Eigenständigkeit. Ich bin so wütend! Wir versuchen das noch zu verhindern. Kann man mit einer intensiven Therapie evtl. schnellere Erfolge erzielen? Was ist besser Tabletten oder Spritzen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Ich kann Ihre Verärgerung und Enttäuschung verstehen und nachvollziehen. Charakteristikum der Osteoporose ist u.a., dass der Knochenabbau lange Zeit unbemerkt bleibt und bisweilen erst bei Auftreten von Knochenbrüchen offenbar wird. Für Ihre Mutter ist eine adäquate und abgestimmte Therapie wichtig. Es stehen heute ausreichend potente Medikamente zur Verfügung, um den Knochenabbau zu stoppen, oder ggf. sogar wieder neuen Kochen aufzubauen. Die richtige medikamentöse Strategie neben der Basistherapie (Vitamin-D und Kalzium), sollte mit einem Osteologen abgestimmt sein.

R.Ahrens: Ist Osteoporose wirklich nur auf eine Störung des Knochenaufbaus zurückzuführen, oder ist es insgesamt ein größeres Problem eines gestörten Stoffwechsels?

DR. MED. KNUT BEHLE: Bei der Osteoporose liegt vorwiegend eine Störung des Knochenstoffwechsels vor. Der Knochenabbau und der Knochenaufbau befinden sich nicht mehr in der Waage, sondern sind zu Gunsten des Knochenabbaus verschoben. Der Knochenstoffwechsel für sich genommen ist schon ausgesprochen kompliziert. Viele Stoffwechselstörungen wirken hier in den Knochenstoffwechsel hinein, wie z.B. eine Erhöhung des Schilddrüsenhormones. Insofern liegt eine Verzahnung mit anderen Stoffwechselvorgängen im Körper vor.

Rogalsky: Wie wird der Mineralgehalt von Knochen gemessen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Es gibt verschiedene Messverfahren, um den Mineralgehalt von Knochen zu messen. Der internationale Goldstandard ist die DEXA-Messung. Dieses Messverfahren ist eine Technik, die mit extrem wenig Röntgenstrahlung auskommt und auf dem Dichteunterschied von Weichteilen und Knochendichte beruht. Die quantitative Computerthomographie (QCT) und Ultraschallverfahren sind ebenfalls in der Lage, eine Knochenmessung durchzuführen. Diese werden allerdings international nicht in erster Linie empfohlen.

O:Sommer: Wie ist das mit Sonne tanken im Winter in unseren Breitengraden für gesunde Knochen? Kann der Körper die Sonne des Sommers speichern?

DR. MED. KNUT BEHLE: Wir benötigen den UV-Anteil des Sonnenlichtes, um das Vitamin-D in unserer Haut zu aktivieren. In unseren Breitengraden ist es selbst in einem Sommer, wie dem letzten schwierig, eine entsprechende Expositionszeit in der Sonne zu erreichen. Verwendet man dann noch zusätzlich Sonnencreme mit hohen Lichtschutzfaktoren, reduziert sich der wirksame Anteil des Sonnenlichtes zusätzlich. Eine Speicherung der Sommersonne ist nicht möglich. Deshalb muss zusätzlich auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin-D und Kalzium geachtet werden. Eine ausreichende UV-Bestrahlung wie z.B. ein Sonnenbad in der Mittagszeit ist eigentlich nur bis zum 37. Breitengrad ausreichend. Auf diesem Breitengrad liegt Athen. Zum Vergleich: Hamburg liegt auf dem 51. Breitengrad. Bei übermäßigem Sonnenbaden indes nimmt das Hautkrebsrisiko zu.

Heuvels: Nach meiner Kenntnis werden die meisten Krankheiten in eine Gruppe einsortiert. Wohin gehört Osteoporose zu den Knochenkrankheiten oder den Stoffwechselkrankheiten?

DR. MED. KNUT BEHLE: Es gibt unter den Stoffwechselerkrankungen auch Erkrankungen, die den Knochen unmittelbar betreffen. Hier kann insbesondere durch verschiedene Stoffwechselentgleisungen auch der Knochenstoffwechsel aus dem Ruder laufen. Dies macht die Behandlung der Osteoporose bisweilen schwierig, da sie verschiedene Fachrichtungen der Medizin abdeckt. (Dermatologie, Gynäkologie, Innere Medizin, Orthopädie usw.)

DagmarBaum: Riesiges Problem, meine Eltern (79/82) leben in einem Reihenhaus mit Treppe. Mein Vater kann kaum noch laufen durch ausgeprägten Knochenschwund aufgrund mehrerer Chemotherapien (jeweils wegen Rückfall). Ich möchte alles tun, damit meine Eltern längerfristig selbstbestimmt leben können. Dazu muss meine Mutter belastbar bleiben und mein Vater wieder auf die Beine kommen. Können wir das noch erreichen? Offenbar hat mein Vater keinen angemessenen Knochenschutz bekommen hat, während der Chemotherapie, denn inzwischen weiß ich, dass das möglich gewesen wäre.

DR. MED. KNUT BEHLE: Sie haben sicherlich eine schwierige Situation im Haus Ihrer Eltern zu bewältigen. Es gibt in der Tat parallel zu Chemotherapien knochenstabilisierende Infusionen. Ob die allerdings bei den Chemotherapien Ihres Vaters anwendbar waren, kann ich natürlich von hier aus schlecht beurteilen. Ihr Anliegen, Ihre Eltern so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung zu lassen, ist sicherlich die sinnvollste Lösung. Es gibt sicherlich eine Vielzahl von stabilisierenden Therapien, die auch für Ihre Mutter noch sinnvoll sind. Hier sollten Sie unbedingt mit dem Hausarzt ein gemeinsames Konzept festlegen, um Ihre Ziele zu erreichen. Wenn das wirklich nicht mehr geht, wird Ihnen auch Ihr Hausarzt über die entsprechenden Hilfemöglichkeiten Auskunft geben. Es gibt heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, die ein langes Verbleiben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

Zinser: Welche Art Schmerzen sind typisch für Osteoporose?

DR. MED. KNUT BEHLE: Leider gibt es keine spezifischen Schmerzen bei Osteoporose. Dies ist eine der fatalen Begleiterscheinungen der Osteoporose, dass sie sich meist erst zeigt, wenn Knochen bereits gebrochen sind. Insofern kündigt sich eine Osteoporose nicht durch beginnende Schmerzen an.

Goldschmidt: Meine Mutter hatte einen leichten Schlaganfall und ist gestürzt. Dabei hat sie sich eine Fraktur der Hüfte zugezogen. Möglich war das offenbar deshalb, weil sie eine unerkannte Osteoporose hatte. Sie bekommt jetzt ein neues Hüftgelenk und was für Möglichkeiten bestehen etwas gegen die Osteoporose zu unternehmen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Zunächst ist es absolut wichtig, dass Ihre Mutter nach der Operation an der Hüfte so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommt. Eine längere Bettlägerigkeit wäre fatal. In jedem Falle sollte im Anschluss an die Hüftoperation eine Rehabilitationsmaßnahme erfolgen, um Ihre Mutter zügig wieder an ihr normales Aktivitätsprofil heranzuführen. Eine Anschlußheilbehandlung kann in aller Regel direkt in der operierenden Einrichtung auf den Weg gebracht werden. Auch im Anschluß an den Rehabilitationsaufenthalt sollte eine medikamentöse Osteoporosetherapie begonnen werden. Hiermit kann ein weiterer Knochenabbau behandelt werden.

Hanne-Schnabel: Ich höre immer wieder ich soll mich bewegen. Will ich ja gern tun, aber welche Art von Bewegung ist geeignet, um einer Osteoporose vorzubeugen. Ich bin 61 Jahre alt, mäßig motiviert, aber willig. Schwimmen finde ich schrecklich, Fitness-Studio auch. Gibt es eine Sportart, die sich auf die Knochen auswirkt?

DR. MED. KNUT BEHLE: Grundsätzlich sollten Sie nur eine Bewegungstherapie machen, die Ihnen auch Spaß macht. Alle anderen Ansätze sind sonst nur von kurzer Dauer. Ein moderates Krafttraining in einem Fitness-Studio wäre sinnvoll, da sich viele Fitness-Studios bereits auf dieses Problemfeld konzentrieren. Hier werden teilweise hochwirksame Gruppentherapien angeboten. Hier befinden Sie sich in der Regel mit vielen Betroffenen in der gleichen Situation, so dass Sie nicht für sich selbst allein trainieren müssen. Das geht auch für die meisten Beteiligten mit Spaß und Freude an der Sache einher.

Kolumbus: Sicherlich kann man sich vollpumpen mit Mikronährstoffen in der Hoffnung, dass wesentliche Teile davon den Knochenstoffwechsel erreichen, aber ich glaube, so stellt sich das Klein Fritzchen vor. Das ist in Wirklichkeit viel komplexer. Nach meiner Diagnose wurde mir gesagt, wir können ihre Osteoporose nur versuchen aufzuhalten. Eine Heilung gibt es nicht. Fällt wie ein Hammer auf den Kopf, so eine Äußerung. Forscht da eigentlich auch jemand daran, die Krankheit heilen zu können?

DR. MED. KNUT BEHLE: Der Knochenstoffwechsel wird von verschiedenen Nährstoffen beeinflusst, die wir mit unserer Nahrung zu uns nehmen. Eine bekannte, sinnvolle knochengesunde Ernährung mit Kalzium und Vitamin-D ist wirksam und wird heute auch nicht mehr in Zweifel gezogen. Es gibt eine Vielzahl von Therapieansätzen, die uns in nächster Zukunft noch wirksamere Medikamente gegen Osteoporose zur Verfügung stellen werden. Parallel dazu kann ich Ihnen versichern, dass eine intensive Forschung des Knochenstoffwechsels auf molekularer Ebene erfolgt. Neben dem Verständnis für wesentliche Vorgänge im Knochen werden hier in den nächsten Jahren sicher noch spannende Therapieansätze verfügbar sein.

ZaAk: Gibt es eigentlich auch im niedergelassenen Bereich sowas wie Altersärzte? Mir ist bekannt, dass es diese Spezialisierung in Einrichtungen gibt. Wie finde ich ggf. einen Arzt mit dieser Spezialisierung Raum Dortmund-West?

DR. MED. KNUT BEHLE: Der Bedarf an Ärzten, die sich besonders mit der Altersmedizin auskennen, wird sicher immer größer. Es gibt schon eine Subspezifizierung im niedergelassenen und stationären Bereich. Sollten Sie einen Arzt in Ihrem geografischen Umfeld suchen, sollten Sie sich nach einem Geriater umsehen. Die Kassenärztliche Vereinigung hilft Ihnen sicher bei der Suche nach einem geeigneten Kollegen in Wohnortnähe.

LuHelmholtz: Meine Mutter hatte nach einem Hustenanfall ganz starke Schmerzen. Es stellte sich heraus, dass sie sich eine Rippe gebrochen hatte, durch Husten! Sowas hatte ich noch nie gehört. Als nächstes sagte man ihr, dass sie Osteoporose hätte. Jetzt gibt es richtige Medikamente, weil es mit Kalzium etc. nicht getan ist. Die Wahl besteht zwischen Tabletten und Spritzen. Ich bin für das Letztere, weil meine Mutter anfängt vergesslich zu werden. Gibt es einen Unterschied in der Wirkweise?

DR. MED. KNUT BEHLE: Ein Rippenbruch nach einem Hustenanfall ist nicht ungewöhnlich, da hier ganz erhebliche Kräfte auftreten können. Wenn hier eine Osteoporose im Raume steht, ist sicherlich eine knochenspezifische medikamentöse Therapie vonnöten. Zunächst würde man eine Tabletteneinnahme in Betracht ziehen. Diese Tabletten müssen aber sehr regelmäßig unter ganz bestimmten Bedingungen eingenommen werden. Häufig kommt es nach der Einnahme zu Magenproblemen. Die Therapie mit Injektionen hat einen anderen Wirkmechanismus. Hier stehen Präparate zur Verfügung, die nur alle 6 Monate in die Bauchdecke injiziert werden müssen. Diese Spritzen haben den Vorteil, dass sie nicht so oft vergessen werden, wenn man sich die Termine notiert. Einige Präparate kann man auch noch verwenden, wenn die Nierenfunktion schon etwas eingeschränkt ist.

Pavel: Um was dreht es sich bei einer Rankelhemmung o.ä. und was hat sie mit Osteoporose zu tun? Langes Gespräch mit Arzt von meiner Mutter. War gut gemeint. Am Ende habe ich nicht viel behalten.

DR. MED. KNUT BEHLE: Es gibt ein Medikament, welches wirksam in den Knochenstoffwechsel eingreift. Hier ist der Rank-Ligand das Ziel der Therapie. Es wird in den Mechanismus eingegriffen, der die knochenabbauenden Zellen aktiviert. Durch eine entsprechende Hemmung werden weniger knochenabbauende Zellen aktiviert und hiermit der Knochenmasse-Verlust reduziert. Da es sich hier um Stoffwechselmechanismen auf molekularer Ebene handelt, kann ich mir gut vorstellen, dass Sie mit der Interpretation und Schilderung des Wirkmechanismus überfordert waren.

Lukas_Nagel(63): Ich bin der Meinung, dass ich seit ich Bisphosphonate nehme, eine rauhe Speiseröhre habe. Habe das Bedürfnis viel zu trinken und räuspere mich häufig. Ist das normal? Bin kein großer Fan von ständiger Tabletteneinnahme. Spielt mir da meine Psyche einen Streich, oder kann da ein echter Zusammenhang bestehen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Es ist eine bekannte und unerwünschte Wirkung bei der Einnahme von Bisphosphonaten, dass es zu einem sogen. Reflux kommt. Das bedeutet, dass Magensäure möglicherweise auch mit Medikamentenresten zurück in die Speiseröhre gelangen kann. Die Ursache hierfür ist eine nachlassende Wirksamkeit des Magenverschlussmechanismus. Auf Dauer kann dies zu einer sehr unangenehmen Reizung der Speiseröhre kommen, bei der es langfristig auch zu Zellveränderungen kommen kann. Hier sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt über einen möglichen Therapiewechsel auf eine Injektionstherapie sprechen.

Grevesmühlen: Männer und Frauen haben ja einen sehr unterschiedlichen Hormonhaushalt. Wie verhält sich das mit der Behandlung und Medikamenten gegen Osteoporose? Die sind doch überwiegend für Frauen, oder? Ist ja mal was ganz neues, sonst ist es ja immer andersherum. Ausgerechnet in diesem Bereich betrifft es mich jetzt selbst. Fühlt sich nicht gut an, auf doppelter Ebene. Ich fühle mich irgendwie aussenvor. Ist das berechtigt?

DR. MED. KNUT BEHLE: Der Hormonhaushalt spielt bei der Entstehung der Osteoporose eine wichtige Rolle. Androgene bei Männern und Östrogene bei Frauen haben einen etwas anderen Wirkmechanismus. Insbesondere der Wegfall der Östrogene nach den Wechseljahren spielt für die Frauen eine entscheidende Rolle, weil hier ein wichtiger Knochenschutz zunehmend fehlt. Bei Männern ist dieser Knochenmassenverlust in diesem Alter deutlich geringer ausgeprägt. Dies hat dazu geführt, dass man die Osteoporose zunächst vorwiegend bei Frauen diagnostiziert hat, was wiederum zur Folge hatte, dass die meisten Medikamente an betroffenen Frauen getestet und später auch zugelassen wurden. Die Mechanismen bei der Osteoporose des Mannes sind hierdurch erst deutlich später offenbar geworden. Aus diesem Grund ist auch die Bandbreite der möglichen Medikamente für Männer etwas geringer. Dennoch stehen ausreichend geeignete Medikamente sowohl für Frauen als auch für Männer zur Verfügung.

Peter.Heitmann: Gibt es einen Unterschied zwischen Osteopenie und Osteoporose? Ist das eine feinere Abgrenzung vom anderen oder sagt das was über das Stadium aus?

DR. MED. KNUT BEHLE: In der Tat sprechen Sie eine wesentliche Einteilung der Knochendichte an. Diese Angabe bezieht sich auf die Messergebnisse der DEXA-Messung. bis zu einer Standardabweichung bis zu -1 spricht man noch vom Normbereich. Bei einer Osteopenie liegt die Knochendichte zwischen - 1 und -2,5 Standardabweichung. Bei einer Abweichung von über -2,5 spricht man von einer Osteoporose. So gesehen ist die Osteopenie eine Vorstufe der Osteoporose.

Antje: Bisher hatte ich immer nur gehört, dass speziell Frauen ein Vitamin D-Mangel haben im Alter und auch Kalzium-Mangel. Plötzlich gibt es immer öfter Warnungen vor Überdosierung. Wie ist der eigentliche Stand? Es betrifft meine Frau, 61 Jahre.

DR. MED. KNUT BEHLE: Es gibt in der Tat viele unterschiedliche Aussagen zum Vitamin-D Stoffwechsel. Inwiefern ein Vitamin-D-Mangel bei Ihnen und oder Ihrer Frau besteht, kann eine einfache Laboruntersuchung klären. In Abhängigkeit von derem Ergebnis wird Ihnen dann eine entsprechende Empfehlung gegeben. Bisweilen reicht eine Vitamin-D reiche Ernährung aus. Wir sehen allerdings auch häufig Mangelzustände beim Vitamin-D, die man durch geeignete Medikamente sehr schnell ausgleichen kann.

Lotte_Währer: Meine Schwester macht mir große Sorgen. Trotz langjähriger Kalzium/VitaminD Prophylaxe hat sie eine handfeste Osteoporose entwickelt und beginnt übermorgen mit der Behandlung. Das soll dann auch weitergeführt werden. Inzwischen hat sie eine „Schluckhemmung“ gegen Tabletten und bekommt jetzt eine Spritzentherapie. In welchen Abständen erfahre ich dann noch. Auf der einen Seite beruhigt mich das, dann weiß ich wenigstens, dass da etwas gemacht wird. Ich habe nämlich den Verdacht, dass sie die Tabletten nur unregelmäßig genommen hat. Anders ist ihr jetziger Zustand ja gar nicht zu erklären.

DR. MED. KNUT BEHLE: Sie sprechen ein großes Problem der medikamentösen Behandlung der Osteoporose an. Da es sich in der Regel um eine langjährige Therapie handelt, ist es natürlich extrem wichtig, dass diese Therapie unterbrechungsfrei durchgeführt wird. Man weiß allerdings aus Studien, dass gerade bei der Tabletteneinnahme bereits nach einem Jahr die zuverlässige Einnahme drastisch in den Keller geht. Hierbei ist dann eine Injektionstherapie sicher eine sinnvolle Alternative, aber auch nur dann, wenn auch diese konsequent durchgeführt wird. Hier kann man sich die Injektionstermine bereits am Anfang des Jahres in den Kalender eintragen, oder man vereinbart mit dem behandelndem Arzt ein sogen. Recall-Verfahren. Hierbei werden Sie dann von Ihrem Arzt rechtzeitig über die bevorstehende Injektionstherapie informiert.

Ariana_Sat: Warum sind einige Familien regelmäßig von Osteoporose betroffen? Ich erinnere sehr genau, dass die Oma meiner besten Freundin einen Buckel hatte. Dann die Mutter, aber meine Freundin passt gut auf. Das gibt es ja auch für andere Krankheiten, dass sie in der Familie immer wieder auftreten. Kann man da aktiv einen Schlußstrich ziehen durch Vorbeugung vor Osteoporose?

DR. MED. KNUT BEHLE: Sie äußern einen ganz wichtigen Umstand der Osteoporose. Es handelt sich im eigentlichen Sinne nicht um eine Erbkrankheit. Es ist aber bekannt, dass es eine familiäre Häufung bei der Osteoporose gibt. Die familiäre Häufung ist heute eine der wesentlichen Risikofaktoren. Es ist also schon mal sehr wichtig, dass eine familiäre Häufung rechtzeitig erkannt wird. Hier kann dann eine entsprechende Vorbeugung auch rechtzeitig begonnen werden. Man kann also sehr wohl rechtzeitig aktiv werden und muss die Erkrankung nicht reaktionslos auf sich zukommen lassen.

Annie: Ich verzichte schon seit einiger Zeit auf Kuhmilchprodukte, weil ich mich dann körperlich wohler fühle. Kann man das Kalzium über Soja, Schaf- und Ziegenkäse/Quark ausgleichen? Ist das darin enthaltene Calcium genauso wertvoll für die Knochen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Es gibt glücklicherweise eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich ausreichend mit Kalzium zu versorgen. Der Kalziumgehalt der unterschiedlichen Käsesorten ist unterschiedlich. Hier können auch kalziumreiche Mineralwässer hilfreich Kalzium ergänzen. Der von Ihnen erwähnte Quark ist nicht so sinnvoll, da Quark verhältnismässig viel Phosphat enthält, welches die Verstoffwechslung des Kalziums verhindert. Es ist in diesem Sinne gleichgültig, woher das Kalzium kommt.

Kerstin_Lüders: Ich neige zu Thrombose und bekomme Blutverdünner. Aus irgendeinem Grund besteht da wohl eine Verbindung zu den Knochen. Worin liegt die? Ich habe nämlich mit 36 Jahren bereits eine Osteoporose, die relativ schnell voranschreitet. Gibt es ein Allheilmittel, damit ich nicht mit 50 einen Buckel habe?

DR. MED. KNUT BEHLE: Die Auswirkung auf den Knochenstoffwechsel ist sehr von der Einnahme des Blutverdünners abhängig. Für das Heparin ist ein Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel bekannt. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass Sie bei einer Thromboseneigung langfristig Heparin bekommen. Deshalb würde ich mich an Ihrer Stelle mit der Erklärung des Blutverdünners und der parallel auftretenden Osteoporose nicht zufrieden geben. Eine schnell fortschreitende Osteoporose im Alter von 36 Jahren kann man eigentlich nicht auf den Blutverdünner allein zurückführen. Hier sollte in jedem Fall eine sekundäre Osteoporose durch einen umfangreichen Labortest ausgeschlossen werden

Caro Reit: Seit ich 16 Jahre alt bin waren meine Mutter (68) und ich immer gleich groß. Wir haben uns regelmäßig auf Augenhöhe gezofft, deshalb ist mir das so in Erinnerung geblieben. Nun ist sie kleiner. Erst nur unmerklich, jetzt durchaus merklich. Sie hat das neulich auch festgestellt. Ich vermute beginnenden Knochenschwund. Kann das sein? Was soll sie jetzt machen?

DR. MED. KNUT BEHLE: Ein Verlust der Körperlänge ist häufig das erste Merkmal, das Patienten oder Angehörige merken. Hier empfiehlt sich manchmal ein Blick in den Personalausweis und ein Blick auf die letzte gemessene Körperlänge. Häufig beobachten wir Körperlängen-Reduktionen von 10cm innerhalb von 4-5 Jahren. Insofern ist eine Abklärung einer möglichen Osteoporose durch eine DEXA-Messung und ggf. durch eine Laboruntersuchung wichtig, um rechtzeitig eine Osteoporose zu erkennen und auch behandeln zu können.



Ende der Sprechstunde.